Wilsons Promontory und die Snowy Mountains

Nach zwei Monaten in Tasmanien nahmen wir die Fähre nach Melbourne. Fliegen wäre zwar günstiger, aber mit unserer Mitsy mussten wir die teurere Nachtüberfahrt auf der „Spirit of Tasmania“ wählen. In Melbourne kamen wir bei der Schwester einer unserer Gastgeberinnen aus Hobart unter und verbrachten ausserdem zwei Nächte in deren Beach House in Rye auf der Mornington Peninsula. Danach ging es los und vor uns lagen Tausende Kilometer auf den Strassen Australiens. Unser erstes Ziel: der Wilsons Promontory National Park. Raus aus der Stadt, rein in die Natur.

Wilsons Promontory National Park

Das Wilsons Promontory oder „the Prom“ liegt nur wenige Stunden von Melbourne entfernt und ist bekannt für seine wilden Tiere, die dort im Überfluss zu finden sind. Wir fanden uns bald nach Einfahrt in den National Park auf einer Ebene mit grossen Grasflächen und einigen niedrigen Buschwäldern. Schon von der Strasse aus konnten wir einen Wombat grasen sehen. Ein Wombat! Wie lange haben wir doch auf diesen Moment gewartet und nicht mal auf dem Overland Track einen dieser süssen Beuteltiere entdecken können. Doch nun schien sich einer unserer Wünsche doch noch zu erfüllen. Leider kam uns ein anderes Paar mit ihrer Fotosession zuvor und als wir näher kamen, um den Wombat zu betrachten, zog er sich rasch in ein Gebüsch zurück und ward nicht mehr gesehen.

Neugierig geworden, folgten wir dem kurzen „Wildlife Circuit“ und trafen auf viele grasende und faulenzende Kängurus und sahen sogar einige Emus im schrägen Licht der Herbstsonne. Es mutete an wie ein grosser Wildlife Park.

Auf dem Weg zurück zum Auto kamen wir wieder an der Stelle der ersten Wombat-Sichtung vorbei und was entdeckten wir da etwas weiter entfernt? Einen Wombat. Nein, sogar zwei Wombats! Mama-Wombat und ihr Kleines grasten friedlich und störten sich überhaupt nicht ob der sich um sie herum ansammelnden, wild knipsenden Touristen.

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Am nächsten Tag nutzten wir den trockenen Morgen, um auf den Mt. Oberon (7km von Telegraph Saddle Parkplatz) zu laufen, dessen Gipfel tolle Aussichten versprach. Wir wurden nicht enttäuscht und durften nach einem regelmässigen Aufstieg einer Strasse entlang ein Panorama über „the Prom“ geniessen.

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Mehr Fotos zum Wilsons Promontory National Park

Gippsland

Nach dem Wilsons Promontory National Park fuhren wir weiter ins Gebiet Gippsland. An der Küste vor den Gippsland Lakes, dem grössten Inland Wassersystem Australiens, erstreckt sich der Ninety Mile Beach, mit 150km der längste ununterbrochene Sandstrand Australiens und der drittlängste auf der Welt. Weil Victoria so camperfreundlich ist, gibt es entlang des Strandes einige gratis („Donations appreciated“) Campingplätze. Denjenigen in Golden Beach beehrten wir für die Nacht. Vorher machten wir einen Spaziergang am Strand, der tatsächlich nie zu enden schien und nach jeder Biegung weiter, weiter, weiter ging. Im Sommer ist es in dem Gebiet sicher recht belebt. Nun im Herbst waren wir fast die einzigen Leute am Strand und genossen die Ruhe.

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Snowy Mountains

Wir liessen die Küste hinter uns und machten uns auf ins Gebirge. Von Bairnsdale aus via Bruthen und Buchan entlang des Snowy Rivers auf dem Barry Way bis nach Jindabyne. Die Strasse geht durch den Snowy River National Park (Victoria) und den Kosciuszko National Park (New South Wales), die beide in den Snowy Mountains liegen.

Für die Strecke ist ein Vierradantrieb Pflicht und bei schlechtem Wetter und Schnee wird sie unpassierbar. Im Information Centre in Bairnsdale erkundigten wir uns nach dem Zustand der Strecke und erhielten grünes Licht.

Die Strecke war dann auch wirklich recht spannend, wenn auch anstrengend, zum Fahren. Viel Kies (fast 160km unbefestigte Strasse), Schlaglöcher, schmale Stellen, steile ungeschützte Abhänge und Haarnadelkurven. Nein, müde werden darfst du nicht.

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Die Strasse führte uns immer weiter in die Wildnis der Snowy Mountains und uns kamen den ganzen Tag nur ein Auto und zwei Motorräder entgegen. Ansonsten waren wir alleine. Weit und breit keine Seele.

Wir übernachteten in herrlicher Ruhe direkt am Snowy River kurz vor der Grenze zu New South Wales. Im Flussbeet fanden wir viele Tierspuren von Emus, Wildpferden und Beuteltiere, bekamen aber keine zu Gesicht. Erst am nächsten Tag blockierten fünf Emus, die in einer Pfütze am Wegesrand tranken, die Strasse.

Sobald wir Victoria hinter uns gelassen hatten, verschlimmerte sich der Zustand der Strasse, aber die Aussichten auf den Snowy River und die Seitentäler wurden immer besser. Uns begegneten vermehrt andere Autos. Das Wochenende hatte begonnen und das Gebiet ist scheinbar beliebt für einen kurzen Urlaub in der Wildnis.

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Mit einer Geschwindigkeit von 10-30 Stundenkilometern kurvten wir durch den Kosciuszko National Park und legten einen letzten Halt beim Wallace Craigie Lookout ein. Ein grossartiger Aussichtspunkt über eine riesige Waldfläche, die 2003 bei einem der verheerendsten Buschbrände der Region (insgesamt brannten während 60 Tagen 17’300 km2 in Victoria, New South Wales und im Australian Capital Territory) komplett verbrannte. Die Pflanzen und Bäume in Australien haben aber ganz eigene Überlebensstrategien im Falle eines Buschbrandes und schon nach wenigen Wochen konnte eine Regeneration beobachtet werden. Heute erinnern nur noch kohleschwarze Baumstämme an die Katastrophe im Jahrhundertsommer.

Kaum sind wir aus dem National Park gefahren, wich der Eukalyptuswald Farmland.

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Mehr Fotos zu den Snowy Mountains

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Warst du schon mal im Prom oder in den Snowy Mountains? Ziehst du in Erwägung, den Barry Way selbst unter die Räder zu nehmen? Teile es uns in einem Kommentar mit.

2 Comments

  • Silvan sagt:

    The Prom war eines unserer Highlights in Australien. Wir hatten zwar nicht ganz soviel Glück wie ihr mit den Tieren aber ein paar Emus haben wir auch gesehen 🙂

    Wie lange habt ihr angesichts der vielen Wanderwege in The Prom verbracht? War’s nachts nicht zu kalt? Im April war’s nachts nur 5° Grad 😀

    • Nadine sagt:

      Hey Silvan, wir waren zwei Nächte dort. Leider spielte das Wetter nicht immer ganz mit, sonst wären wir vielleicht noch länger geblieben – es ist wirklich ein toller Nationalpark.
      Aber ja, es war recht kalt in der Nacht. Glücklicherweise noch nicht so kalt wie in Jindabyne, wo wir etwas später -4 Grad ertragen mussten… Mittlerweile sind wir in Noosa an der Sunshine Coast wo es wesentlich angenehmer ist ;o)
      Liebe Grüsse
      Nadine

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