Weihnachtswahnsinn in Vietnam

Weihnachten und Vietnam ist so eine Sache. Obwohl sich lediglich 6,5 Prozent der Vietnamesen als Katholiken bezeichnen und über 80 Prozent Atheisten sind, glaubt man sich bei einem Spaziergang durch Vietnams Städte im Winter-Christmas-Holiday-Land.

Unerträgliche Musik

Wie wir es uns aus der Heimat gewohnt waren, konfrontierte uns Weihnachten bereits Wochen vor der eigentlichen Fete. Als wir anfangs Dezember das Flugzeug nach Hanoi bestiegen, beschallte uns Jingle Bells und Stille Nacht, Heilige Nacht zum ersten Mal. Seither begleiten uns in Vietnam etliche Versionen bekannter Weihnachtslieder und treiben uns bei voller Lautstärke in den Wahnsinn. Mittlerweile fühlt es sich so an, als ob bei jedem Last Christmas und Feliz Navidad Hirnzellen sterben und Platz für die unerträglichen Ohrwürmer machen müssen. Da sehnt man sich wieder nach der seichten Berieselung weihnachtlicher Musik aus heimischen Einkaufszentren und Wohnzimmern.

Vietnam Weihnachten 1

Kitsch trifft auf Religion und Kommerz

Richtig kitschig wird es bei der Dekoration. Das vietnamesische Prinzip der Ein-Produkt-Verkauf-Strasse gilt auch beim weihnachtlichen Schmuck. Die Weihnachtsläden sind die Wurzel allen Übels. Hier decken sich die Leute mit Lichterketten, Weihnachtsmännern, Kostümen usw. ein. Der Umsatz muss riesig sein, andernfalls könnten die Geschäfte nicht ein ganzes Jahr überstehen. Oder verwandeln sich diese zu Ostern? Der ganze Weihnachtsschmuck wird dann nach dem Prinzip Mehr ist mehr in Heim, Geschäft und Kirche verwendet. Dadurch entstehen teils bizarren Kunstwerke die in ihrer Gesamtheit das Winter-Christmas-Holiday-Land bilden.

Hotel-Lobbys, Wohnzimmer und kleine Mini-Markets, alle vereint der Weihnachtsbaum, der in jeder erdenklichen Farbe und Form daherkommt. Die vielen blinkenden Lichterketten versprühen einen unglaublichen Scharm, wenn die Plastiknadeln in Rot, Gelb und Violett erstrahlen. Eine Kitsch-Stufe höher gibt es bereits grössere Figuren und ganze Szenen-Nachbildungen inkl. Rudolf und Schneemann. Die Erschaffer dieser Kunstwerke lassen sich nicht immer eruieren. Oftmals stehen diese einfach am Strassenrand. Pompöser wird es, wenn der Staat bzw. die Stadt ihre Hand im Spiel hat. Dann verwandeln sich in Vietnam ganze Plätze in ein Winter-Wonder-Land, die unsere Weihnachtsmärkte plötzlich alt aussehen lassen. Seine Vollendung findet der Weihnachtswahnsinn schliesslich in der Gestaltung der Kirchen. Die Krippenspiele sind bombastisch. Eine Mischung aus Nuklearkatastrophe und christlicher Romantik. Das Jesus-Baby ist meist die grösste Figur der Szene und könnte glatt aus dem Film „Liebling, jetzt haben wir ein Riesenbaby“ stammen.

Entgegen unserer Erwartungen fanden wir am wenigsten Weihnachtsschmuck in Saigon vor. In Hanoi ist der Kitschfaktor schon höher. Je weiter es aufs Land hinaus geht, desto mehr leuchtende Weihnachtsmänner und überdimensionierte Krippenspiele tauchen auf.

Vietnam Weihnachten 2

Da ist man also auf Reisen und dann holt einen Weihnachten doch noch ein. Wir “feiern” mit Pizza und einem Kinobesuch und wünschen euch, liebe Leser, schöne Feiertage.

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