Die 5 schönsten Wanderungen in den West MacDonnell Ranges

Die West MacDonnell Ranges sind eine imposante Gebirgskette westlich von Alice Springs im Zentrum Australiens. Das rote Herzen („Red Centre“) Australiens mit dem charakteristischen roten Sand und Gestein liegt mitten im Outback in der südlichen Hälfte des Northern Territory.

Der Fernwanderweg „Lara Pinta Trail“ führt 223km durch den West MacDonnell National Park und ist in 12 Sectionen unterteilt. Die meisten Start- und Endpunkte dieser Sections (Trailheads) können per Auto erreicht werden und bieten teilweise auch gleich Campingmöglichkeiten. Ideal also für einige Tageswanderungen auf einzelnen Abschnitten, sogenannten section hikes.

Dank den milderen Tagestemperaturen in den Wintermonaten konnten wir nach der Mehrtageswanderung auf Hinchinbrook Island und tausenden gefahrenen Kilometern auch im Red Centre unsere Wanderausrüstung montieren und die eindrucksvolle Region zu Fuss entdecken.

Nr. 1 der schönsten Wanderungen in den West MacDonnell Ranges:

Lara Pinta Trail Section 4 (Standley Chasm bis Brinkley Bluff und retour)

  • 21 Kilometer, 5 Stunden

Diese beliebte Section des Lara Pinta Trails beginnt beim Standley Chasm, einer der zahlreichen Schluchten der Region mit Café und Campingplatz. Die Wanderung führt zuerst einige Kilometer durch ein schmales Tal. Der Weg verläuft grösstenteils in einem im Winter ausgetrockneten Bachbeet. Der grobe steinige Untergrund verlangt Trittsicherheit und Konzentration. Das Tal bietet morgens aber etwas Wertvolles in der Wüste: Schatten und ein kühler Wind. Dadurch, dass wir am Morgen gegen Westen und am Nachmittag gegen Osten liefen, hatten wir zudem den Vorteil, dass wir die Sonne stets im Rücken hatten.

Am Ende des Tals wird der Weg steiler und führt zum ersten Aussichtspunkt auf einem Bergsattel (Reveal Saddle). Unser Blick schweifte zurück ins Tal und entlang der West MacDonnell Ranges mit ihren roten, mit Büschen und Spinifex (Stachelkopfgräsern) bewachsenen Hängen. Die Berge der West MacDonnell Ranges weisen spannende geologische Formen und Schichten auf. Die Gebirgskette war vor hunderten Millionen Jahren höher als der Himalaya. Über Jahrmillionen erodierte das Gestein und die Berge wurden abgetragen. Der Finke River, der als ältester Fluss der Welt gilt, spült jährlich Sand und Gestein von den West MacDonnell Ranges bis in die Simpson Desert.

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Ausblick zurück Richtung Osten durch ein Tal der West MacDonnell Ranges

Ab dem ersten Bergsattel führt der Weg, der nun zunehmend aus Sand und losen Schiefersteinen besteht, auf und ab entlang der Krete der Bergkette bis zum Brinkley Bluff, dem höchsten Punkt der Section 4.

Die Aussicht war gewaltig! Ein 360 Grad Ausblick über die umliegenden Berge und Täler, das Outback lag uns zu Füssen.

Ich war zu Beginn leider etwas abgelenkt von der tollen Aussicht, denn ich musste meine Hand verarzten. Meine Ungeschicktheit schlug wiedermal zu. Ich hakte mit meinem Schuhbändel in einem spitzigen Schieferstein ein und strauchelte. Halt suchend stützte ich mich mit der Hand ab. Direkt in einem Spinifex. Etwa zwanzig Spinifex-Spitzen steckten nun in meiner linken Handfläche. Das lästige dieser im Outback allgegenwärtigen Pflanze, die aussieht wie ein Nadelkissen: Die Stacheln dringen etwa 5mm in die Haut ein und brechen dann ab. Auf der Hautoberfläche sind sie dann kaum noch zu erkennen und nur sehr schwierig rauszukriegen. Über eine Woche später fand ich noch einzelne Stacheln tief in der Haut, die sich langsam entzündeten.

Der Rückweg ging rasch. Der Weg ist recht gut definiert und wir konnten im gewohnten Tempo laufen. Trotzdem zogen wir den Hut vor einer älteren Reisegruppe, die wir auf dem Brinkley Bluff trafen. Der Weg ist nicht ohne und hat einige steile und anspruchsvollere Abschnitte. Und am Nachmittag setzte uns zunehmend das Wetter zu. Der Wind verebbte, die Luft wurde staubig und trocken. Die Sonne brannte erbarmungslos auf uns runter. Der Schweiss verdampfte, sogleich er aus den Poren kam und hinterliess eine salzige Kruste auf der Haut. Hinzu kamen die Fliegen, die ohne die morgendliche Briese ein leichtes Spiel hatten, uns fast um den Verstand zu bringen.

Als wir vom letzten Sattel runter ins Tal stiegen, kam uns eine Französin entgegen, die uns davor warnte, dass im trockenen Bachbeet Schlangen unterwegs seien, wir sollen Vorsichtig sein. Na, Danke für die Warnung. Wir stolperten paranoid über die Steine, den Blick fest an den Boden geheftet und den Weg absuchend. Unsere Paranoia war wiedermal umsonst, wir sahen keine Schlange.

Nr. 2 der schönsten Wanderungen in den West MacDonnell Ranges:

Lara Pinta Trail Section 3 (Standley Chasm bis Millers Flat und retour)

  • 10 Kilometer, 4 Stunden

Nach einem kurzen Abstecher in die Schlucht „Standley Chasm“ nahmen wir die Section 3 des Lara Pinta Trails in Angriff. Schon die ersten paar hundert Meter trieben uns trotz des kühlen Windes die Schweissperlen auf die Stirn. Eine steinerne Treppe führt steil hinauf bis zu einem Sattel über der Schlucht und auf der anderen Seite ebenso steil wieder runter. Zum Glück war der Morgen noch frisch. Uns grauste es bereits vor dem Rückweg in der stehenden, staubigen Luft.

Der Weg war einiges mühsamer als der vom Vortag und an einigen Stellen kletterten wir mit Händen und Füssen über grosse Felsbrocken, über die nach heftigen Regenfällen Wassermassen ins Tal stürzen. Am Talboden angekommen, führte uns der Weg durch ein ausgetrocknetes Flussbeet. Aufmerksam suchten wir die Ufer nach Wegmarkierungen ab, um keinen Abzweiger des Wanderwegs zu verpassen.

An einigen tieferen Stellen des Flusses fanden wir Überreste der letzten Regenfälle, kleine stehende Gewässer. Mit dem gelegentlichen Nass gingen Vogelgezwitscher und das Summen von Bienen einher. Das Leben in der Wüste spielt sich um die Wasserlöcher ab, die im Winter nicht mehr als Pfützen sind.

Ausblick zurück Richtung Osten durch ein Tal der West MacDonnell Ranges

Ein weiteres Tal der West MacDonnell Ranges

Ein zweiter zu bezwingender Bergsattel gab den Weg frei in ein benachbartes Tal. Links und rechts umgeben von steilen Berghängen, verebbte der Wind allmählich und die Luft wärmte sich unter der steiler stehenden Sonne rasch auf. Wir kamen nur langsam voran. Als wir die Abzweigung bei Millers Flat erreichten, hatten wir für 5km zwei Stunden benötigt. Hier standen wir vor der Wahl der Richtung für den Loop, den wir wandern wollten. Mit der Hochroute über die Krete wandern und im Tal zurück oder umgekehrt. Wir entschieden uns für letzteres, weil wir schon jetzt mit der Hitze zu kämpfen hatten und uns vor der erbarmungslosen Mittagssonne auf der Krete schützen wollten.

Wir liefen einige Meter auf einem sandigen Pfad über eine grasbewachsene Fläche und kamen kurz darauf erneut in ein trockenes Flussbeet. Auf den groben Steinbrocken balancierend bewegten wir uns langsam weiter. Bis wir beide stehenblieben. Wir waren gegen eine Wand gelaufen. Unsichtbar erhob sie sich vor uns und hinderte uns daran, auch nur einen weiteren Schritt zu laufen. Wir tauschten erschöpfte Blicke aus, kehrten um und setzten uns in den Schatten eines Eukalyptusbaums. Die psychische Wand, die sich vor uns aufgebaut hatte, schien langsam über uns zusammenzufallen. Wieso tun wir uns das an? Es ist heiss. Es ist trocken. Es ist ein mühsamer Weg.

Und da ist noch etwas, was ich an solchen Wandertagen hasse: du weisst, dass du jeden Schritt, den du vorwärts läufst, wieder zurücklaufen musst.

Wir machten vorerst eine Mittagspause und wollten sehen, wie wir uns danach fühlten. Doch auch nach der Energiezufuhr und der Rast im Schatten, mochten unsere Beine nicht weiter laufen. Wir kehrten um und machten uns auf den Weg zurück zum Standley Chasm Campingplatz, wo immerhin eine Dusche auf uns wartete.

Als wir beim Campingplatz ankamen, hatte die Temperatur ihren Höchststand erreicht. Eine trockene staubige Hitze staute sich auf dem grossen Parkplatz und Staubwolken manövrierender Fahrzeuge zogen über den Platz.

Trotz unseren Schwierigkeiten mit der heutigen Wanderung hatte die Section 3 ihre Reize. Der Weg führt durch die versteckten und schmalen Täler der West MacDonnell Ranges, gibt Einblick in die Zyklen der Natur im Red Centre und die Hochroute über die Krete bietet sicher eine tolle Aussicht.

Für uns hiess es nach dem abgekürzten Wandertag in der brütenden Hitze des Outbacks aber erst mal: ab unter die Dusche.

Nr. 3 der schönsten Wanderungen in den West MacDonnell Ranges:

Ormiston Pound Walk

  • 9 Kilometer, 2,5 Stunden inkl. Ghost Gum Track

Für einmal traf es Philippe mit der Ungeschicktheit. Am Vortag hatte er sich das Schienbein geprellt, weshalb wir uns am heutigen Tag gegen die anfangs geplante Section 8 und stattdessen für eine kürzere und einfachere Rundwanderung entschieden. Der Ormiston Pound Walk ist kein Teil des Lara Pinta Trails und zieht somit etwas mehr Leute an. Die Rundwanderung beginnt beim Ormiston Gorge Visitor Centre und führt zuerst entlang eines sandigen Flussbeetes. Der gut präparierte und ersichtliche Weg steigt dann langsam und regelmässig an. Die geologische Vielfalt der Region macht sich erkennbar wenn Kalkgestein, Quarzit und Granit den Weg abwechselnd weiss, orange und rot färben. Eukalyptusbäume, Büsche und Spinifex säumen den Weg auf unterschiedlichen Abschnitten.

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Ausblick in ein breites Tal, das den Blick auf die spannenden geologischen Formen der West MacDonnell Ranges freigibt

Etwa in der Hälfte erreicht der Weg einen tollen Aussichtspunkt und führt hinab in ein weites Tal. Je näher wir der Ormiston Schlucht kamen, desto enger wurde das Tal, bis es nur noch einige Meter breit war und sich links und rechts von uns hohe ockerfarbene Felswände erhoben. Wir waren alleine in der ganzen Schlucht und unsere Schritte hallten von den Wänden. Gegen Ende der Rundwanderung führte uns der Ghost Gum Track über die Schlucht und ermöglichte uns einen erhöhten Blick durch die eindrückliche Ormiston Gorge.

Nr. 4 der schönsten Wanderungen in den West MacDonnell Ranges:

Lara Pinta Trail Section 9 (Ormiston Gorge bis Mt. Giles Lookout und retour)

  • 28 Kilometer, 6 Stunden 45 Minuten

Ein eisiger Wind wehte, als wir uns auf dem Parkplatz des Omniston Gorge Visitor Centres für die längste geplante Etappe dieser Tage bereit machten. 28 Kilometer lagen vor uns. Während den ersten acht Kilometer schlängelt sich der Weg in Kurven durch Täler mit Eukalyptuswäldern und entlang von mit Spinifex bewachsenen Hängen sanfter Hügel. Vereinzelte Brände hatten schwarze Flecken in der Landschaft und verkohltes Holz, das an vulkanisches Gestein erinnerte, hinterlassen. Der Weg mit seinem leichten Auf und Ab und mehr sandigem als steinigem Untergrund war sehr angenehm zum Laufen. Sobald wir einige Höhenmeter erklommen hatten, breitete sich hinter uns ein Ausblick zum Mt. Sonder aus, dem charakteristischen Merkmal der West MacDonnell Ranges.

Der Mt. Giles Lookout, unser Ziel am heutigen Tag, liegt auf der Spitze eines Hügels. Von dessen Fusse an, steigt der Weg etwas steiler an und führt die letzten vier Kilometer entlang der Krete bis zum Aussichtspunkt. Auf diesem Wegabschnitt bot sich uns immer wieder ein neuer Blickwinkel in die umliegenden Täler, zum Mt. Sonder (1380 m.ü.M.) und Mt. Giles (1389 m.ü.M.).

Der Mt Sonder in der Ferne

Der Mt Sonder in der Ferne, ein Merkmal der West MacDonnell Ranges

Die imposanten Bergketten liessen uns wieder nur erahnen, wie das Gebiet vor Jahrmillionen aussah und welche gigantischen Kräfte seither auf die Berge und Hügel eingewirkt hatten, um sie in die heutige Form zu bringen.

Nach dem Mittagessen beim Aussichtspunkt zeigte sich das Wetter von der uns nun bekannten Seite und die Wärme der Sonne gewann über die Kälte des Windes. Der Wind liess nach, die Hitze und die Fliegen kamen.

Auf dem Rückweg entlang der Krete heftete sich unser Blick immer wieder an den Mt. Sonder in der Ferne. Am nächsten Tag würden wir auf dessen Spitze stehen.

Zuerst galt es aber, die 14 Kilometer Rückweg zu meistern. Sobald wir den steilen Abstieg vom letzten Hügel hinter uns hatten, ebnete sich der Weg wieder und wir konnten unser Tempo laufen.

Meine Gedanken wanderten, der Kopf leerte sich. Ich vergass meine langsam schmerzenden Füsse, die trockene Luft und die brennende Sonne. Das „hikers high“ stellte sich ein. Meine Füsse machten einen Schritt nach dem anderen. Ich atmete ein, ich atmete aus. Ich war glücklich. Ich war genau an dem Ort, an dem ich sein wollte.

Nr. 5 der schönsten Wanderungen in den West MacDonnell Ranges:

Lara Pinta Trail Section 12 (Redbank Gorge bis Mt. Sonder Summit und retour)

  • 16 Kilometer, 4 Stunden

Wir bewunderten den Mt. Sonder bereits im Licht der aufgehenden und untergehenden Sonne, von verschiedenen Aussichtspunkten aus und während einem Grossteil der Wanderung vom Vortag. Heute hiess es, ihn zu besteigen.

Der Aufstieg ist mehr oder weniger gleichmässig. Wir liefen etwa drei Kilometer entlang der Ostflanke des Berges und weitere fünf Kilometer auf dem langsam ansteigenden Grat bis zur Spitze.

Der Pfad ist gut ausgetreten, es ist eine der beliebtesten Wanderungen auf dem Lara Pinta Trail und wird von vielen Tagestouristen und Gruppenwanderungen unternommen. So überholten wir auf dem Weg zur Spitze einige Wandergruppen, und grüssten uns entgegenkommende Wanderer, die den Mt. Sonder für den Sonnenaufgang erklommen hatten.

Auf der Spitze genossen wir die kurze Ruhe zwischen einer loslaufenden und einer neu ankommenden Wandergruppe. Wir liessen unseren Blick über die West MacDonnell Ranges und das Red Centre bis an den Horizont schweifen. Wieder wurde uns bewusst, wie unglaublich weit das Outback ist und wie mächtig das Gebirge hier einst gewesen sein muss. Ein toller Abschluss unserer Wandertage in den West MacDonnell Ranges.

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Der Ausblick vom Mt. Sonder

Informationen zum West MacDonnell Ranges National Park und den Wanderungen auf dem Lara Pinta Trail

 

Mehr Fotos zu den West MacDonnell Ranges und unseren Wanderungen

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2 Comments

  • Reni sagt:

    Hallo Nadine

    So schöne Bilder. Da kommen wunderbare Erinnerungen hoch. Zu unseren Favoriten gehören auch der Ormiston Pound Walk und natürlich die Wanderung auf den Mount Sonder. Absolut geniale Aussicht von da oben.

    Danke für den tollen Bericht 🙂

    Liebe Grüsse,
    Reni

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