Wir wandern wieder auf dem nördlichen Kungsleden

Ja, es ist einige Zeit her seit wir etwas übers Reisen oder Wandern hier auf dem Blog geschrieben haben. Nach unserer zweijährigen Reise mussten wir uns  erst wieder ans normale Leben gewöhnen, begannen im September 16 wieder zu studieren und wurden häuslich.
Unsere Wanderungen waren auf ein paar kürzere Mehrtageswanderungen beschränkt. Zu einem hatten wir nicht mehr so viel Freizeit und zum anderen ist es dem Umstand geschuldet, dass Wandern in der Schweiz sehr teuer ist, wenn du in einer SAC Hütte (meistens über 2’000 m.ü.M.) oder auf einem Campingplatz übernachtest. Wildzelten ist in den meisten Gebieten verboten. Wenn man sich aber über der Baumgrenze bewegt und an weniger frequentierten Orten im Zelt übernachtet, ist es meist kein Problem. Gerade wenn man sich an die LEAVE NO TRACE Regeln hält. Ein gewichtiger Nachtteil hat das Zelten in dieser Höhe jedoch. Die Wetterverhältnisse sind extremer.

Und dann machte Philippes Knie noch seit Längerem Probleme. Die Schleimbeutel.

Sommerpläne: Kungsleden

Nun sind aber die Schulferien da und wir haben uns drei Woche frei genommen. Nadine von der Arbeit und Philippe hauptsächlich vom Garten 😉. Weil wir das Wandern lieben, das Übernachten in einem Zelt die meiste Zeit gut überstehen und nicht viele Menschen um uns herum brauchen, haben wir uns entschieden, im Wildzelt-Paradies (Allemansrätten) Skandinavien eine Wanderung zu unternehmen. Vor drei Jahren (was, schon?) wanderten wir zusammen mit einer Freundin den bekanntesten Abschnitt des Kungsleden. Von Abisko nach Nikkaluokta (105km) im schwedischen Lappland. Das Gewicht unserer Rucksäcke war über 20kg und das Laufen teilweise eine Tortur. Blasen und entzündete Druckstellen inklusive. Wir überlebten und seither hatten wir den Plan gefasst, dass wir eines Tages die ganzen 440km von Nord nach Süd, von Abisko nach Hemavan zu wandern. Die Landschaft faszinierte uns sofort (Bilder). Die dichten Birkenwälder, das karge fjäll und die abertausende Flüsse und Seen machen es einem nicht schwer, wieder an diesen Ort zurückzukehren. Und nicht zu vergesse: die meisten Hütten (fjällstation und fjällstugor) haben eine Saune. Nach einem langem Tag gibt es nichts besseres und entspannenderes als eine heisse Sauna und einen Sprung in einen eiskalten Fluss oder See.

Zeitlich sind uns dieses mal Grenzen gesetzt und so haben wir geplant, den Kungsleden in 19 Tagen zu erwandern (exklusive zwei extra Tage). Eine Tagestour ist damit durchschnittlich 23km lang. Das wäre nicht viel, wenn wir in der gleichen Verfassung wie am Ende des Te Araroa sein würden. Das sind wir natürlich nicht und deshalb ist das Minimum von 23km pro Tag ganz gut. Und mein Knie wird auch dankbar für die moderaten Höhenmeter sein. Im Durchschnitt sind es 425m ↑ und 388m ↓pro Tag.

Wie sieht unsere eigentliche Planung denn aus?

  1. Abschnitt: Abisko – Vakkotavare (114km) ↑1405m, ↓1340m
  2. Abschnitt: Saltoluokta – Kvikkjokk (76km) ↑1050m, ↓1100m
  3. Abschnitt: Kvikkjokk – Jäkkvik (77km) ↑2230m, ↓1970m
  4. Abschnitt: Jäkkvik – Ammarnäs (87km) ↑1740m, ↓1670m
  5. Abschnitt: Ammarnäs – Hemavan (81km) ↑1640m, ↓1290m

Unsere täglichen Routen haben wir von Hütte zu Hütte geplant. Nur ein Abschnitt gegen Ende des Trails hat gar keine Hütten. Die Hütten sind aber lediglich Referenzpunkte, falls wir das Bedürfnis hätten, ein Plumpsklo, eine Sauna oder eine überdachte Küche (9.50-13 CHF) zu nutzen. Je nach Lust und Wetter. Campieren können wir grundsätzlich überall, sofern es kein Naturschutzgebiet ist. Nach jeweils 5 Tagen erlauben wir uns dann sehr wahrscheinlich ein Bett in einer fjällstation.

Ausrüstung auf dem Kungsleden

Wegen der extremeren Bedingungen im hohen Norden haben wir unsere «gear list» anpassen büssen. Unser «base weight» liegt jetzt zwischen 7 und 7,5 kg. Das ist sogar ein wenig leichter als auf dem TA. Die grössten Veränderungen sind:

  • Zpacks Triplex: Ein Traum wird wahr und ein Haufen Geld ging weg.
  • Cumulus Quilt 450 für Philipe: Ein Quilt der gleichen Marke, von der wir die Schlafsäcke auf dem TA hatten. Hoffentlich ist er genügend war, auch für die kälteren Nächte. Getestet wurde er bislang in den Alpen bei Temperaturen zwischen 7 und 10 Grad.
  • Arcteryx Regenjacke (Beta SL Hybrid (P) and Zeta AR (N)): Schwerer aber passender für die Wetterverhältnisse. Unsere Marmot Essence Jacken hätten keine Chance. Arcteryx ist eine sehr teure Marke. Glücklicherweise haben wir zwei stark reduzierte Modelle im Internet gefunden. Aus diesem Grund wird Nadine diese Saison im modischen «passion pink» wandern :-D.
  • Garmin InReach Explorer+: Auf dem TA hatten wir einen SPOT Gen3 dabei. Ein wunderbarer, leichter GPS-Satelliten Messenger um SOS Notsignale zu senden und uns zu tracken. Für Schweden haben wir eine last-minute Entscheidung getroffen und uns einen In Reach Explorer+ von Garmin (vormals DeLorme) gekauft. Sehr, sehr teures Teil, dass wesentlich mehr kann als der SPOT. Zwei-Weg-Kommunikation via SMS, GPS-Karte, Barometer, Altimeter, Wetterberichte usw. Ist leider doppelt so schwer. Dafür kann man monatliche Service-Abos abschliessen statt wie mit dem SPOT ein 1-Jahresabo. Nach 4 Jahren dürften wir das Gerät amortisiert haben.
  • Andere kleinere Änderungen sind z.B. Zipp-off Hosen wegen ihrer Versatilität und selber gebastelte Kissenüberzüge, die mit 50g 700cuin Daunen gefühlt sind. Wir erhoffen uns, so den Komfort unserer unbequemen, aufblasbaren Kissen zu verbessern.

Eigentlich ist das schon eine ganze Menge. Sonst sieht die Liste aus wie auf dem TA. Wir werden die aktuelle Listen irgendwann auch poste. Und wahrscheinlich auch ein paar Reviews zu den neuen Sachen.

Essen auf dem Kungsleden

Weil wir Vegetarier sind (falls wir uns diesen Luxus erlauben können) und Philipe Laktose intolerant isst, haben wir es manchmal schwer auf Wanderungen. Deshalb haben wir viel Zeit in die Planung und das Herstellen und Abpacken unseres Essens investiert.

In Total haben wir Essen für 10 Tage und Zusatzzutaten (getr. Gemüse, getr. Käse, vegane Suppen usw.) für weitere 10 Tage vorbereitet. Zuerst werden wir Essen für 5 Tage plus die Zusatzzutaten für die darauffolgenden 5 Tage mit uns tragen. Danach werden wir hoffentlich ein Pakt in der fjällstation in Kvikkjokk mit den gleichen Sachen der vorherigen 10 Tage erhalten. Das Paket senden wir von Stockholm aus. Während 10 Tagen müssen wir einfach die Grundnahrungsmittel wie Nudeln, Couscous, Haferflocken, Riegel oder Nüsse bei den kleinen Läden der fjällstations oder in den wenigen Siedlungen auf dem Weg einkaufen. Die Preise sind natürlich viel höher, da sie die Lebensmittel nur in der Winterzeit mit den Schneemobilen transportieren könne. Indem wir unser Essen mit uns nehmen oder schicken, sparen wir uns Geld aber v.a. geht es uns um die Bequemlichkeit. Für Allesesser ist es überhaupt kein Problem, den ganzen Proviant auf dem Weg zu kaufen und würde nie für mehr als 2-3 Tage tragen.

Unser berechnetes Gewicht für 5 Tage plus Zusatzlebensmittel ist weniger als 4 kg. Wir haben eine riesige Liste aller Lebensmittel, die wir gekauft oder getrocknet haben und werden diese zu einem späteren Zeitpunkt auf dem Blog veröffentlichen. Inklusive aller Möglichkeiten, wie und wo man sich mit Proviant auf dem Kungsleden eindecken kann.

Anreise

Eigentlich wollten wir die ganze Strecke bis nach Abisko mit dem öffentlichen Verkehr machen. Leider haben wir den Luxus des langsamen Reisens nicht mehr. So fliegen wir zuerst nach Stockholm und nehmen dann den Nachtzug (18h) nach Abisko. Wir könnten auch einen Flug weiter nach Kiruna nehmen, was wir aus ökologischen Gründen nicht machten. «Das ist scheinheilig! Das ist ja nur für dein grünes Gewissen.» Das mag sich manche/r wohl denken. Und irgendwo stimmt’s ja auch. Wenigstens minimieren wir aber die Kosten für unsere Umwelt. Zudem zahlen wir für die Variante mit Zug mehr. Fliegen ist einfach zu billig.
Die Rückreise starten wir in Hemavan, von wo aus wir den öffentlich Bus (Fliegen wäre auch hier möglich :-p) nach Umea. Die Fahrt dorthin dauert 5,5 Stunde und beinhaltet 75 Haltestellen. Jede 4 Minuten! Von Umea nehmen wir den Zug zum Flughafen Arlande, wo wir die Nacht am Gate verbringen werden. Zu diesem Zeitpunkt sollten wir uns ans Schlaffen auf einer Luftmatratze gewohnt sein.

Hier auf dem Blog…

… passiert nicht viel, während wir wandern. Wir schreiben unsere Wanderjournale unterwegs, werden sie aber erst nach der Reise veröffentlichen. Wifi-Zugang werden wir vielleicht alle 5 Tage haben und dann ein paar Bilder auf Facebook und Instagram posten. Ein Bild pro Tag mit ein paar Gedanken. So wie wir es auch auf dem TA gemacht haben.

Die Bilder siehst du dann auf Facebook oder auf Philippes Instagram.

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Vielen Dank.

1 Comment

  • Julia sagt:

    Jippi! Ein Lebenszeichen von euch. Grossartiger Plan und ich wünsche euch eine entspannte Wandertour. Wir starten am 3. Oktober den TA auf der Südinsel und sind maximal aufgeregt. Vielen Vielen Dank für eure ausführlichen Berichte über den Track!

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