Vang Vieng ist nicht nur Tubing

In Laos dauert alles ein wenig länger. So auch die ca. 200 Kilometer lange Fahrt von Luang Prabang nach Vang Vieng; doch die Szenerie entschädigte uns für die rumplige und anstrengende Reise. Über Berg und Tal führt die Strasse durch dichte Wälder, einzelne Siedlungen auf kahl gerodeten Hügelspitzen und vorbei an spektakulären Felsformationen. Ein Hoch auf das dünn besiedelte Laos, könnte man sagen. Die Natur hat noch einen Platz neben den Menschen. Deren Einfluss sieht man zwar hie und da – Plantage zieren so manche Hügelflanke – doch sind die Anzeichen von Besiedelung spärlicher als andernorts auf unserer Reiseroute durch Südostasien. Die Fahrt durchs hügelige Hinterland von Laos weckte Lust auf mehr und zur Entdeckung noch abgelegener Orte in Laos. Unsere Reise führte aber nach Vang Vieng, wollten wir doch nur maximal 14 Tage (Visa frei für Schweizer) in Laos verbringen. Dann halt beim nächsten Mal!

Vang Vieng

Vang Vieng war lange Zeit für Tubing und Party bekannt. Unzählige Backpacker trieben auf Gummireifen den entweder gemächlichen (Trockenzeit) oder lebendigen (Regenzeit) Nam Song hinunter. In regelmässigen Abständen warteten an beiden Uferseiten Flussbars auf die durstige Kundschaft, welche mit Gratisgetränken und Drogen angelockt wurden. Die Folgen kann man sich denken und arteten „ein wenig“ aus. Ein paar tote Backpacker waren üblich, aber 2011 starben 27 Touristen und die Behörden setzten dem wilden Treiben 2012 nach weiteren Toten ein Ende. Vorerst.

Das Treiben auf dem Fluss ging mit Kajaks weiter. Vang Vieng spezialisierte sich als Reaktion auf die ebbende Kundschaft auf Adventure-Tourismus. Das Tubing existiert aber heute noch, jedoch im kleineren Rahmen; was noch immer dutzende Backpacker auf Gummireifen bedeutet. Ein paar der Flussbars gibt es weiterhin – eine davon soll dem örtlichen Polizeichef gehören.

Tubing, Alkohol und Drogen sind also noch immer da und ziehen die übliche Klientel an. Gemäss prä-Verbots Backpackern ist es aber auf jeden Fall viel ruhiger geworden.

Vang Vieng 1

Outdoor-Aktivitäten in Vang Vieng

Und wie lockt man neue Touristen – vielleicht sogar anständigere – nach Vang Vieng? Genau, man nutzt die wunderbare Landschaft rund um das Städtchen und bietet Adventure-Touren an.

Kajaking, Tubing, Caving in Vang Vieng

Das übliche Package für kurzweilige Besucher beinhaltet einen Tag lang Kajaking, Tubing in Höhlen und deren Erkundung. Rund um Vang Vieng gibt es eine Menge Höhlen und die Tham Xang (Elephant Cave) ist bei allen Anbietern auf dem Programm. Der Andrang ist entsprechend gross und eine Stunde Wartezeit ist normal. Mit einem Gummireifen und später zu Fuss kann man die Höhlen während einer halben Stunde erkunden. Für uns war die grosse Aufregung um das Ganze lächerlich, aber es war ja auch nicht das erste Mal Tubing/Caving für uns. Nach einem sehr guten Mittagessen (gibt überall das gleiche) sind wir dann wegen des tiefen Wasserstands ein paar Kilometer näher zu Vang Vieng gefahren, um mit dem Kajak eine Stunde lang flussabwärts zu paddeln. In der brütenden Hitze verstärkte sich die Langeweile umso mehr. Das Kajaking ist auch hier eher für den chinesischen „Adventure-Touristen“ gemacht, die schon im kleinen Pool vor den Höhlen mit ihren Reifen im Wasser einen riesen Spass hatten. Für 100’000 Kip (12 EUR/CHF) ist der Tag aber ganz okay. Im Nachhinein können wir uns zwar adrenalinhaltigere Aktivitäten vorstellen, doch ist dies weitgehend der Trockenzeit geschuldet, wenn die Flüsse, Pools und Caves weniger bis gar kein Wasser haben.

Mountainbiking in Vang Vieng

Das Mountainbiking hat uns dann eher zugesagt. Für 20’ Kip kann man ein Bike einen Tag lang mieten und die Gegend erkunden. Die „Strassen“ sind schlimmer als jede Buckelpiste und nur mühsam zu befahren. Wir sind raus zur Blue Lagoon (Eintritt 10’ Kip) gefahren, die etwa 8 Kilometer von Vang Vieng entfernt liegt. Der Ort ist ein wahrer Alptraum – speziell wenn gerade chinesisches Neujahr ist. Der kleine Flussabschnitt mit blauem Wasser war mehr als überbevölkert und wir fühlten uns gleich an die Bilder chinesischer Freibäder erinnert. Die Chinesen hatten eine wahre Freude daran und konnten ihre Ektase zusätzlich mit Zip-Lining in den Bäumen steigern. Ein früher oder später Besuch der „Lagune“ ist auf jeden Fall empfehlenswert.

Gleichenorts gibt es noch eine Höhle, die man über einen steilen Zustieg erreicht. Ein Guide ist nicht nötig, lediglich eine Lampe oder das Blitzlicht eines Handys sind notwendig. Die Tham Phu Kham Höhle war den Besuch auf jeden Fall Wert. Es war recht spannend, das grosse Höhlensystem zu erkunden. In der Regenzeit füllt sich zudem ein Pool, der zum Baden einlädt. Zu Beginn der Höhle gibt es einen Altar mit einem liegenden Buddha. Der Ort ist also heilig für die Laoten. Der beschwerliche Weg reduzierte die Besucher zum Glück auf ein Minimum. Trittsicherheit ist von Nöten – nimm also keine Flip-Flops mit.

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Wandern in Vang Vieng

Rund um Vang Vieng gibt es genügend Hügel, die man ohne Guide erkunden kann. Viele haben auch noch eine Höhle, für deren Erkundung man meistens 10’ Kip bezahlt. Und hier werden auch die Touristen gehörig verarscht. Nachdem wir lange Zeit gefeit waren vor solchen Scams, hat es uns hier wieder mal erwischt. Per Zufall sind wir auf eine Höhle gestossen, bei der man aber ohne Stirnlampe, keine Chance hatte. Der angepriesene Pool im Innern bewog uns aber dazu, zwei dargebotene Lampen zu nehmen. Aber ohne nach dem Preis zu fragen. Als genüge eine solche Naivität nicht, sagten wir auch nichts, also uns eine Führerin voranging, obwohl wir sagten, dass wir alleine reingehen können. Im Endeffekt war der Pool leer (Trockenzeit) und die Dame wollte 150’ Kip (17.50). Verhandlungen haben nichts gebracht – und wir gehören (leider) auch nicht zur Sorte Leute, die eine Szene machen oder einfach davon laufen – sodass wir letztlich mit zusammengebissenen Zähnen bezahlt haben. Unschön, weil sich solche Episoden sehr gerne in die Erinnerungen schleichen, doch es war der einzige Vorfall in Laos. Ärgerlich für mich persönlich war, dass ich nach 4 Monaten Südostasien noch immer auf solche Sachen reinfalle und am Ende doch immer nachgebe.

Andere Touren in Vang Vieng

Die Adventure-Agenturen in Vang Vieng sind zahlreich und ebenso deren Angebote. Vor allem im Bereich „Klettern“ gibt es ein paar sehr gute Angebote. Am besten ist es, wenn du zwei, drei Anbieter vorher abcheckst und dich dann entscheidest. Für das gleiche Angebot kann der Preis bis zu 50% variieren.

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Chinesen in Vang Vieng

Die Chinesen sind bekanntlich zahlreich. Folglich haben ganze Horden über das chinesische Neujahr das beschauliche Vang Vieng in Beschlag genommen. Das Schlimmste daran war, dass wir unser Zimmer nicht verlängern konnten und 3h lang durch Vang Vieng laufen mussten, um eine neue Bleibe zu finden. Sonst war es aber einfach köstlich, das Ganze zu beobachten.

Lange Wagenkonvois mit den obligaten teuren Offroadern hielten Einzug in die Stadt. 20-30 Wagen waren keine Seltenheit. Um die Prozession zu orchestrieren trugen die Fahrer Walky-talkies bei sich und die Autos waren jeweils nummeriert, das nichts durcheinanderkommt. Wären da die Restaurants und Bars nicht am Strassenrand gestanden, hätte es auch mitten in der Wüste bei der Einfahrt in eine Oase oder bei einer Himalaya-Expedition in ein Bergdorf sein können.

Viele chinesische Touristen haben offenbar ein Faible für Outdoorkleider und tragen diese, auch wenn es sich nur um einen Städtetrip handelt. Moment, das machen wir Europäer ja auch!? Ein Spaziergang durch die Stadt lag ausrüstungstechnisch auf gleichem Niveau wie eine Wanderung in den Alpen und wirkte dann doch ein bisschen bizarr.

Aber für Adventure sind sie nun mal gekommen und wollten auf ihre Kosten kommen. Die Touren-Anbieter konnten das Geld wahrscheinlich schon riechen, als ihre Kunden in China losgefahren waren.

Hin- und Wegkommen aus/von Vang Vieng

Von Vang Vieng aus sind wir weiter nach Vientiane gefahren. Die Distanz ist etwa gleich, dauert aber mangels hügliger Strecke weniger lange. Nur die Wartezeit bis der Bus losfuhr, steigerte sich auf gewaltige 2h. Eine Abfahrt um den Mittag rum resultiert also in einer Ankunft am Abend.

Bus Vang Vieng – Vientiane

Den Bus kannst du über eine Agentur oder gleich bei der Hauptzentrale an der Haupttrasse in Vang Vieng buchen. Direkt beim Anbieter kostet die Fahrt 45’ Kip, über Agenturen geht’s rauf bis 70’. Die Buse fahren etwa 3x täglich. Der eigentliche Busbahnhof ist ein wenig ausserhalb, ein Transfer dorthin ist im Preis drin. Bis du aber losfährst, kann es ein wenig dauern. Es scheint, als müssten die Busunternehmen immer noch ein, zwei zusätzliche Busse organisieren, weil sie keine Ahnung haben, wie viele Tickets sie verkauft haben.

Bus Vang Vieng – Luang Prabang

In die andere Richtung geht es natürlich auch und funktioniert gleich. Mehr dazu hier.

Mehr Fotos zu Vang Vieng

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