Te Araroa Trail Tage 55-59: “Strassen sind für Autos.”

In den vergangenen 5 Tagen wanderten wir von Wanganui nach Palmerston North und legten 59 Kilometer auf dem Te Araroa Trail zurück.

Total TA Kilometer: 1475 Kilometer gemäss Karte

Bester Moment

Philippe: Aufenthalt in Palmerston North

Nadine: Meine beste Freundin wiederzusehen, Anthony & Fiona kennenzulernen

Schlimmster Moment

Philippe: Strassenlaufen

Nadine: Schienbeinkantensyndrom (shin splints)

Hinweise: Die Kilometerangaben sind ungefähr. Die Wanderzeiten sind reine Laufzeiten, ohne Pausen. In der Regel machen wir 1,5 – 2 Std. Pause unterwegs. Die Smiley’s beschreiben unseren Gemütszustand, der Muskelarm unser physisches Befinden. 10/10 ist jeweils das Beste.

Unsere aktuellen Bilder vom Trail findest du immer auf Instagram.

Tag 55: Wanganui nach Santoft

43,5 Kilometer, 8h40min

Philippe

😄😐😣: 8/10

💪: 7/10

Strassenlaufen, wie habe ich es vermisst. 20 Kilometer waren es alleine auf dem State Highway. Podcasts rein und stur der Strasse folgen. Und hoffen, dass kein Lastwagen zur Seite schlingert oder es viele alte Leute auf der Strasse hat. Wir überstanden es und es hatte mir nur einmal den Hut weggeweht.

Eine typische Te Araroa Begegnung hatten wir auf dem Highway ebenfalls. Wir trafen Anthony, der uns in drei Tagen in Palmerston North beherbergen wird. Mehr erfährst du über ihn in diesem Interview.

Nach 30 Kilometern Strassen gab’s dann eine vermeintliche Abwechslung. 8 Kilometer Strand! Ich hasste es von der ersten Minute an. Der Wind schmirgelte die Haut, der Sand machte sich in jeder Ritze breit und Blasen machten sich bemerkbar. Die Kiesstrasse im Santoft Forest war die reinste Finnenbahn dagegen. Nach 43,5 Kilometern – mein erster Marathon 😉 – waren wir fix und fertig und mussten dennoch zu den nächsten Häusern, um nach Wasser zu fragen. Caren – unser Trail Angel an diesem Abend – gab uns nicht nur Wasser, sondern liess uns auch in ihrem alten und ungenutzten Campervan aus den 70ern übernachten. Geschützt vor dem Wind schätzten wir uns wieder einmal glücklich.

Nadine

😄😐😣: 8/10

💪: 6/10

Aua, meine Füsse! schon nach den ersten Schritten schmerzten meine Fussballen, wie nach einem 40-Kilometer-Tag. Ich dachte, fünf Tage ohne Laufen wären genug Erholung gewesen für meine Füsse. Und sie fühlten sich gestern auch ganz okay an. Aber kaum spürten sie das zusätzliche Gewicht des Rucksacks, rebellierten sie. Na gut, da kann ich im Moment nichts machen, und so wanderten wir unseren Marathon. Jepp, wir liefen 43,5 Kilometer. Nach Zero Days scheinen wir es immer etwas zu übertreiben…

Die letzten Kilometer humpelte ich, dafür gabs eine nette Überraschung, als wir bei einer kleinen Siedlung nach Wasser fragten. Uns wurde ein alter renovierter Campervan zur Übernachtung angeboten. Zu dem windgeschützten Bettchen sagten wir natürlich nicht nein.

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Tag 56: Santoft nach Bulls (und weiter nach Palmerston North)

15,5 Kilometer, 3h

Philippe

😄😐😣: 7/10

💪: 6/10

Nun ja, die 43,5 Kilometer gestern waren schon ein bisschen Banane. Wir schaffen es immer wieder, nach einem Zero Day zu übertreiben. Ob die vielen Kilometer für Nadines Schienbeinkantensyndrom (shin splint) verantwortlich sind, weiss ich nicht. Sie hatte schon früher Probleme damit. Das Strassenlaufen ist sicherlich nicht optimal. Gilt auch für meinen entzündeten Oberschenkelbindenspanner 😅 und den Schulterblattmuskel.

Jedenfalls quälte sie sich schon am Morgen bei jedem Meter. 15 Kilometer später in Bulls machten wir erstmal Halt im McDonald’s für Frozen Coke und einen Sundae. Nach einer Stunde wussten wir noch immer nicht weiter. Die ersten 50 Meter auf dem Gehsteig waren dann aber sehr überzeugend. Und 5 Minuten später waren wir bereits in einem Auto auf dem Weg nach Palmerston North.

Im Zentrum trafen wir dann Anthony. Er und Fiona wanderten letztes Jahr den Te Araroa auf der Südinsel von Süd nach Nord. Wir lernten sie durch ein Interview kennen, da uns ihre Website extrem gut gefallen hatte. Während ihrer Wanderung porträtierten sie alle ihnen entgegenkommenden Te Araroa Wanderer. Entstanden ist ein genialer Einblick in den Te Araroa und dessen Gesichter. Schau’s dir also an.

Im Zentrum kauften wir noch eine neue Schlafmatte (Garantie ist leider nur in Australien) und ein neues Cap mit besserem Sonnenschutz für mich. Und die Bounce Box holten wir ebenfalls ab.

Am Abend assen wir zusammen mit der erweiterten Familie von Anthony bei seinen Eltern. Fast wie ein Weihnachtsessen 😊. Der Weihnachtsbaum stand jedenfalls im Wohnzimmer und drei Generationen waren am Tisch versammelt. Und zwei Schweizer, die es auch irgendwie dorthin verschlagen hat.

Nadine

😄😐😣: 6/10

💪: 3/10

Ich bezahlte den Preis für den gestrigen langen Tag, zumal er nur auf Strassen war mit nur einem kurzen Abschnitt am Strand. Die ersten Kilometer waren ziemlich okay, sogar meine Füsse fühlten sich besser an (Dank Ibuprofen, wahrscheinlich). Aber dann fing es an.

Mein Schienbein begann zu schmerzen und ich versuchte, einen Laufstil zu finden, bei dem ich den stechenden Schmerz verhindern konnte. Okay, so sollte es gehen. Lauf einfach vorsichtig weiter. Nach 10 Kilometern rieb ich mein Bein mit Ibuprofen Creme ein. Die Tabletten schienen bei den Füssen zu funktionieren, nicht aber am Schienbein. Ich massierte es ein wenig, um herauszufinden, wo genau es schmerzte. Ich dehnte. Ich machte Pausen. Aber es half nichts. Als wir nach 15 Kilometern Bulls erreichten, war jeder Schritt eine Tortur und ich konnte meinen rechten Fuss kaum heben, geschweige denn beugen.

Wir machten eine Pause im McDonald’s, holten uns ein Eis und eine Frozen Coke und ich versuchte herauszufinden, ob ich weiterlaufen konnte. Wir liefen nochmals los um es zu versuchen. Aber ziemlich bald entschied ich, dass es nicht gehen würde. Ich entwickelte scheinbar ein “Schienbeinkantensyndrom”. Danke, Strassen.

Ich zog die Konsequenz. Wir hitchten nach Palmerston North, wo wir planten, morgen zu sein. Das Laufen auf Strassen hätte es nur noch schlimmer gemacht. Und ehrlich gesagt, denke ich, wir haben nicht viel verpasst.

Auf jeden Fall sind wir nun in “Palmy”, ich habe Eis auf dem Schienbein und wir werden sehen, wie es sich ab hier entwickelt.

Tag 57: Palmerston North (Zero Day)

0 Kilometer

Philippe

😄😐😣: 8/10

💪: 6/10

“Roads are for cars.” Diese Aussage aus den Gesprächen mit Anthony und Fiona ist mir noch immer im Kopf. Unsere beiden Körper können diese Aussage nur unterstreichen. Meine entzündeten Muskeln bei der Hüfte und Schulter und jetzt auch Nadine’s Shin Splint. All die Te Araroa Wanderer, die die Strassenabschnitte auslassen, machen es richtig.

Wir sind nun fast bei Kilometer 1500 und die physische Anstrengung auf einer Fernwanderung machen sich gerade sehr deutlich bemerkbar. Mein Körper scheint keine Reserven mehr zu haben. Auch nach den letzten paar Tagen mit weniger Laufen scheint es immer schlimmer zu werden. Mein Kopf will, aber der dünne, sehnige, knochige Teil weiter unten will nicht. Und dann sind wir noch bei zwei grossartigen Menschen zu Gast, was die Gedanken ans Weiterlaufen umso schwieriger macht.

Aber genug Trübsal geblasen. Heute erledigten wir unser Resupply Shopping für sie Tararua Ranges und schickten die Bounce Box nach Wellington. Und am Abend trafen wir Nadine’s beste Freundin, die für vier Flitterwochen in Neuseeland ist. Zufälle gibt’s. Und auf dem Te Araroa gibt es so viele. Wir assen die beste Pizza in der Stadt (Pompeii, gemäss Anthony und Fiona) und holten ein wenig Zeit nach. Morgen werden wir den Tag zusammen verbringen.

Nadine

😄😐😣: 9/10

💪: 8/10

Anthony und Fiona sind tolle Gastgeber und so kam ich rasch über die Enttäuschung hinweg, dass mir mein Körper gestern einen Strich durch die Rechnung gemacht hatte.

Mein Schienbein schmerzt noch immer, aber die Ruhe hilft sehr. Und wie immer versuchen wir physische Downs mit psychischen Highs zu mildern. Mein Highlight heute: Anina, die ich nach einem Jahr (seit Kambodscha) wieder sah. Ihr Mann und sie verbringen die Flitterwochen hier und unsere Wege kreuzten sich per Zufall in Palmerston North. Das musste mit der besten Pizza “in town” (Pompeii Pizzeria) gefeiert werden. Zu Weihnachten gibt’s dann ein bisschen importierte Swissness: Ovomaltine, Sugus und Lindor Kugeln 😁

Tag 58: Palmerston North (Zero Day)

0 Kilometer

Philippe

😄😐😣: 8/10

💪: 7/10

Viel mehr Weihnachten ging heute fast nicht mehr. Mit unseren Schweizer Gästen verbrachten wir die meiste Zeit mit Gesprächen draussen auf der Terrasse. Alle waren froh um die Ruhepausen und Nadine machte eine Apfelwähe für den Nachmittagstee in der grossen Runde.

Am frühen Abend war dann Star Wars Zeit! “Möge die Macht auf dem Trail mit dir sein.” Danach gab’s Thailändisch.

Mit Port, Sherry und Christmas Cake feierten wir zusammen mit Anthony und Fiona zurück bei ihnen. Es fühlte sich fast so an, als wären wir zu Hause. Wir fühlten uns so wohl bei ihnen, dass wir uns dazu entschieden hatten, unseren Start um einen Tag zu verschieben. Unsere geschundenen Körper verdienen es. Und unsere Gastgeber sind so unkompliziert und grosszügig, dass wir problemlos einen weitere Tag bleiben dürfen: Es ist einfach grossartig hier!

Nadine

😄😐😣: 10/10

💪: 9/10

Weihnachten in Neuseeland! Recht anders als Weihnachten in der Schweiz. Wir sassen fast den ganzen Tag mit Anina und Oli im Garten und genossen den Sommer. Am Abend hiess es dann “Star Wars: The Force Awakens”. Kino an Weihnachten scheint bei uns eine Tradition zu werden. Letztes Jahr schauten wir Hobbit in Saigon 😉

Nach dem Kino gab es Pad Thai (super lecker und riesige Portion: Yeda Restaurant) und bei Anthony und Fiona wurde es ein bisschen traditioneller mit Christmas Cake und Sherry. Hmmm… Daran könnte ich mich gewöhnen.

Mein Schienbein schmerzte nicht mehr, aber wir entschlossen uns trotzdem, noch einen Tag hier zu bleiben und erst am 26.12.15 weiterzulaufen. Wenn wir schon die Möglichkeit haben, bei so tollen Leuten unterzukommen, sollten wir das doch ausnutzen und geniessen. 😊

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Tag 59: Palmerston North (Zero Day)

0 Kilometer

Philippe

😄😐😣: 9/10

💪: 7/10

Unser Besuch aus der Schweiz reiste heute morgen wieder weiter. In 4 Wochen hat man ja einen strafferen Zeitplan. Wir erlaubten uns einen weiteren Tag zu ruhen. Es ist ja schliesslich Weihnachten. Den Morgen nutzte ich für Skype, um mit der Familie in der Schweiz und meiner Schwester in Chile ein wenig Weihnachtsstimmung auszutauschen. In ein paar Tagen reist auch meine Schwester nach Neuseeland. Ein guter Zeitpunkt, um sie über die “bio security” in Neuseeland aufzuklären 😉.

Mit einem Schnitzmesser verewigte ich uns in Anthonys und Fionas Gartentisch. Es war erwünschter Vandalismus! Alle Te Araroa Gäste müssen ihren Namen einritzen. Eine Hommage an die reich verzierten oder verkritzelten DOC Hütten.

 

Endlich konnten wir uns auch den Neuseeländischen Film “What We Do In The Shadows” anschauen. Eine Mocumentary über eine Vampir WG in Wellington. Unbedingt anschauen!
Morgen geht’s wieder weiter. Hoffentlich haben sich meine Muskeln, Sehnen und Bänder soweit erholt.

Nadine

😄😐😣: 9/10

💪: 8/10

Es erstaunt mich immer wieder, wie schnell ich mich an neue Situationen anpasse. Ich bin schon wieder richtig im häuslichen Modus und der Gedanke ans Weiterwandern ist irgendwie fern.

Trotzdem, wir haben genug gerastet, ich bin ja schon fast am rosten. Morgen verlassen wir das Nestchen und machen uns wieder auf. Die Tararua Ranges rufen, und das Wetter soll schön bleiben.

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