Te Araroa Trail Tage 42-46: “Im Reich der Vulkane.”

In den vergangenen 5 Tagen wanderten wir von Taumarunui nach National Park Village und legten 109,5 Kilometer auf dem Te Araroa Trail zurück.

Total TA Kilometer: 1165,5 Kilometer gemäss Karte

Bester Moment

Philippe: Tongariro Crossing

Nadine: Tongariro Crossing

Schlimmster Moment

Philippe: –

Nadine: –

Hinweise: Die Kilometerangaben sind ungefähr. Die Wanderzeiten sind reine Laufzeiten, ohne Pausen. In der Regel machen wir 1,5 – 2 Std. Pause unterwegs. Die Smiley’s beschreiben unseren Gemütszustand, der Muskelarm unser physisches Befinden. 10/10 ist jeweils das Beste.

Unsere aktuellen Bilder vom Trail findest du immer auf Instagram.

Tag 42: Taumarunui (Zero Day)

4 Kilometer (mindestens 😉)

Philippe

😄😐😣: 7/10

💪: 3/10

Unser Zero Day war wie gewohnt von der To-Do-Liste geprägt und es blieb wenig Zeit fürs Nichtstun. Für den Resupply, die Bounce Box und den Blog hitchten wir ins Zentrum. Unser Paket war ohne Probleme bei der Post angekommen. Nadine konnte also ihre neuen, blitzblanken Schuhe in Empfang nehmen. Meine Schuhe müssen weitere +-400km überstehen. Wie es natürlich so üblich ist, riss das Mesh beim kleinen Zehen am darauffolgenden Tag. Mit Kleber und Klebeband sollte es aber gehen. Am späten Nachmittag hatten wir alles erledigt und auch Michael und Emily sowie zwei weitere TA hiker (Steffan und Brett) in einem Café angetroffen.

Zurück im Campground protestierten pünktlich meine Schulter, Hüfte und die Verdauung. Mittlerweile glaube ich ja, dass ich keine frischen Lebensmittel mehr vertrage?! Mit Ibuprofen Créme und Bettruhe bereitete ich mich auf Morgen vor.

Nadine

😄😐😣: 7/10

💪: 10/10

Die Cabin war toll und wir konnten uns wiedermal etwas ausbreiten und organisieren. Den Tag verbrachten wir im Ortszentrum. Wir kauften ein, gingen zur Post (Bounce Box holen und wieder weiter schicken) und gönnten uns einen frischen Burger und Pommes zum Mittagessen. In der Bibliothek nutzten wir noch die Computer und gratis WiFi , bevor wir wieder zum Holidaypark zurück hitchten (4km ausserhalb des Zentrums, am Zero Day wollten wir das nicht laufen).

Am Abend war ich richtig erschöpft und fragte mich, weshalb unsere Zero Days auf eine Art anstrengender sind als manche Wandertage…

Tag 43: Taumarunui nach 42 Traverse (Tongariro Forest)

34,5 Kilometer, 6h30min

Philippe

😄😐😣: 8/10

💪: 7/10

Die ersten 17km waren Asphaltstrassen. Das Wetter war zur Abwechslung schön und die Landschaft einigermassen interessant. Mit Podcasts floss die Zeit dahin. Lediglich die Hüfte und Schulter waren ein Indikator dafür, wie viel Zeit oder Kilometer wir schon auf den Beinen waren. In Owhenga machten wir gemütlich Mittag und liefen nach dem kleinen Ort auf einem 4WD Track durch den Tongariro Forest. Dank des Tracks hatte ich viel Zeit den Wald visuell in mir aufzunehmen.

Unser Endziel war noch nicht klar, da trafen wir auf Yoel und Eitan am Wegesrand. Nach ein paar Minuten Hikertalk entschieden wir uns nicht ungern, unser Zelt neben ihres zu stellen. So hatten wir auch genügend Zeit zu schreiben und zu entspannen.

Nadine

😄😐😣: 6/10

💪: 9/10

Mein erster Tag in neuen Schuhen! Mein erstes Paar war zwar noch ganz okay, doch ziemlich genau bei Kilometer 1000 im Pureora Forest riss mir eine Wurzel den ganzen vorderen Mesh-Teil entzwei, sodass meine Zehen frei waren. Für den Tag nach Taumarunui konnte ich es zwar zusammennähen, aber ich entschied mich dazu, die neuen Schuhe aus der Bounce Box zu nehmen, die ja praktischerweise in Taumarunui auf uns wartete. Heute lief ich also in den neuen, leuchtend blauen Schuhen und kriegte keine einzige Blase! Ein klarer Vorteil von Trailrunning Schuhen, die man nicht “einlaufen” muss.

Meine Schlafmatte muss übrigens wahrscheinlich noch bis Palmerston North (400km) hinhalten, da es erst da wieder grössere Outdoor Läden haben wird.

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Tag 44: 42 Traverse (Tongariro Forest) nach Start Tongariro Crossing

28,5 Kilometer, 6h30min

Philippe

😄😐😣: 8/10

💪: 8/10

Obwohl wir keinen langen Tag vor uns hatten, waren wir kurz nach 7 Uhr gestartet. Die dichte, graue Wolkendecke trieb uns wohl an. Wir liefen weiter auf den 4WD Tracks, die zunehmend steiler, rutschiger und schlammiger wurden. Irgendwann hörten auch die Marker auf und ohne GPS wären wir wegen des verwirrenden Wegnetzes falsch gelaufen. Zweimal mussten wir einen Fluss durchqueren. Und eine Vielzahl von Schlamm- und Wasserlöcher drohten unsere Bemühungen, trockene Füsse zu behalten, zunichte zu machen. Bis ich dann in ein Schlammloch fiel…

Plötzlich riss die Wolkendecke auf und die Sonne zeigte sich in aller Pracht. Ein spektakuläres Bild boten dann auch die die Vulkane des Tongariro Nationalparks in der Ferne. Sobald wir aus dem Wald raus waren, begleiteten uns die Berge stets im Hintergrund. Die Sicht auf die schlummernden oder erloschenen Riesen war grossartig. Glatt vergassen wir die Wettervorhersage (Regen) für unser morgiges Tongariro Crossing. Unser Zelt errichteten wir beim Parkeingang. War ganz spassig, die Tageswanderer bei ihrer Ankunft zu beobachten.

Nadine

😄😐😣: 7/10

💪: 7/10

Heute war unspektakulär, bis wir unseren ersten Blick auf die Vulkane des Tongariro Nationalparks erhaschten, die ihre Krater majestätisch gegen den tief blauen Himmel richteten. Heute wäre das Wetter für das Tongariro Crossing perfekt gewesen. Wir hoffen, dass wir auch morgen, wenn wir das Crossing machen, wenigstens einige schöne Stunden haben werden.

Mir fehlt es im Moment ein wenig an Motivation und Energie. Ich gehe davon aus, dass dies zum einen mit nicht sehr gutem Schlaf (auf der defekten Matte) und ausserdem mit Frauenproblemen zusammenhängt. Ist also alles vergänglich. 😉

Körperlich fühle ich mich sonst sehr gut, keine Wehwehchen, Blasen oder Entzündungen.

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Tag 45: Start Tongariro Crossing nach Mangahuia Campsite

40 Kilometer, 10h40min

Philippe

😄😐😣: 10/10

💪: 8/10

Es war ein unerwartet langer und doch ein perfekter Tag. Statt des vorhergesagten Regens erwartete uns ein blauer Himmel, eine gleissende Sonne und ein kräftiger Wind. Wir starteten um 7 Uhr (860m), um möglichst viel des Crossings ohne die Wanderermasse zu sehen. Wir konnten unser Glück kaum fassen, als wir immer weiter in die Höhe wanderten und das Panorama in Richtung Lake Taupo im Rücken hatten. Ein kurzer Stopp in der Ketetahi Hütte, die bei einem Ausbruch beschädigt worden war und nun nur noch als day shelter genutzt werden darf, und weiter stiegen wir hinauf bis wir die Kraterebene und Mt. Tongariro sehen konnten. Nur schon dieser Anblick war “mindblowing”, da wir das letzte Mal (2009) gar nichts sehen konnten. Der Nebel und die schlechte Sicht bis auf wenige Meter waren mir noch gut in Erinnerung.

Bei den Emerald Lakes durchströmte mich pure Freude. Eine kleine Gruppe passierte uns zu diesem Zeitpunkt und danach hatten wir die Seen bis zum Aufstieg hinauf zum Red Crater nur für uns. Meine Kamera war schon lange nicht mehr so beschäftigt gewesen. Und keine doofen, grell leuchtenden Punkte auf den Bildern! Auf dem Red Crater (1868m) war es dann vorbei mit der Zweisamkeit und die stetige Menschenkette nahm ihren Anfang.

Kein Grund zur Traurigkeit, ich hatte meine Bilder, wir liefen die schönere Route (Panorama) und hatten bis zur Mangatepopo Hut immer Mt. Ngauruhohe – der perfekte Vulkan – im Blick.

Nach einer Stunde Mittag mit genialer Aussicht wanderten wir weiter auf der Great Walk Strecke bis nach Whakapapa. Ein weiteres Highlight. Um uns herum Tussock Country und vor uns der schneebedeckte Mt. Ruapehu. Ein verlockender Eiswürfel in der Hitze des Tages. Auf der Spitze hätten wir garantiert bis zur Ostküste und Mt. Taranaki sehen können. Diese Erfahrung machten wir ja schon im 2009 bei unserem Ski-Ausflug 😉.

In Whakapapa erfrischten wir uns mit Eis (Nadine) und Saft (Philippe) und wollten eigentlich nicht mehr viel weiter gehen. Rund 20km wären es nach National Park Village gewesen. Die Strecke war zwar berüchtigt bei schlechtem Wetter, doch nur noch 500m oder so hätten es zu einem geeigneten Campspot sein sollen. Als wir nach 17 Uhr loszogen sollte es aber noch 3,5h dauern. Nach 500m gabs keine passende Stelle, dann kam ein Fluss mit eisenhaltigem, saurem Wasser und später einer mit Aluminium. Bald schon war mir klar, dass wir bis zur Mangahuia Campsite laufen müssten. Bei der Abzweigung weg von der Round the Mountain Route stand es dann fest, wir würden keinen Campspot mehr finden.

Das Wegschild besagte noch 2h 45min (ca. 7km) bis nach Mangahuia. Also packten wir die letzten Kekse und Schokolade aus, stopften uns voll und beschlossen (es war 18.40 Uhr), dass wir um 20.30 Uhr im Camp sein werden. Bei Regen wäre es unmöglich gewesen, die Strecke in dieser Zeit zu laufen. Bei Regen wird der Weg zu einem Wasserweg. Wir mobilisierten verborgene Kräfte und pushten voran.

1h 50min später waren wir am Ziel. Und keine nassen oder schlammigen Füsse. Erschöpft aber glücklich. Es war ein wunderbarer Tag in dieser alpinen Traumlandschaft.

Nadine

😄😐😣: 10/10

💪: 9/10

Wie erwartet war der Himmel wolkenbedeckt und ein feiner Nieselregen liess mich einen Wandertag in Regenkleidung erahnen. Die ersten Kilometer des Tongariro Alpine Crossings führten uns durch einen lieblichen Wald, dessen Bäume immer spärlicher wurden, je mehr Höhenmeter wir erklommen.

Als wir nach 40 Minuten die Baumgrenze errreichten, waren wir geblendet. Über uns befand sich keine einzige Wolke, der Himmel war strahlend blau und vor uns erhoben sich die qualmenden vulkanischen Ausläufer. Das Wetter blieb wider Erwarten den ganzen Tag fantastisch. Wir hätten es nicht besser haben können.

Da wir uns zudem gegen die übliche Laufrichtung bewegten, dauerte es mehrere Stunden, bis uns die ersten Tagestouristen begegneten. So konnten wir viele Fotos dieser eindrücklichen Landschaft machen, wo keine Menschenseele zu sehen ist. Immer wieder schüttelten wir ob unserem Glück ungläubig den Kopf.

Kurz nach 16 Uhr erreichten wir Whakapapa Village, eigentlich unser Ziel des Tages. Doch der Campingplatz kostete 21$ p.P. (!) und dieses Geld wollten wir uns sparen, zumal wir in National Park Village bereits eine Buchung im Hostel für die nächsten zwei Nächte hatten. Wir liefen also weiter auf dem Te Araroa und wollten irgendwo im Wald unser Zelt aufschlagen. Bald mussten wir jedoch feststellen, dass dieser Wald überhaupt nicht campingfreundlich ist. Sehr hügelig, viele kleine Bäume und Gestrüpp. Was sollten wir da machen? Klar, weiterlaufen. So hängten wir nach dem Tongariro Crossing gleich nochmals 14 Kilometer hinten ran, bis wir ein DOC Camp 6 Kilometer vor National Park Village erreichten. Und es war nicht mal schlimm (ehrlich gesagt fühlte ich mich grossartig) und es war ideal, diesen Track bei trockenem Wetter zu laufen. Nach Regen wären die Bäche gefährlich und der Track eine Schlammhölle gewesen.

Um 20.30 Uhr erreichten wir das Camp und waren zwei Stunden später gesättigt und erschöpft im Bett, ähm Schlafsack. Es schien, als hätte mir die alpine Umgebung einen Energie- und Motivationsschub verliehen. Ich bin wohl doch einfach ein Bergmensch 😉

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Tag 46: Mangahuia Campsite nach National Park Village

6,5 Kilometer, 1h15min

Philippe

😄😐😣: 8/10

💪: 7/10

Es regnete in Strömen und ich schätze mich glücklich, dass wir gestern die zusätzlichen 14 Kilometer gewandert waren. Es wäre gar nicht spassig gewesen, die Strecke unter Wasser und Schlamm zu laufen.

Wir nahmen es gemütlich, hatten wir doch nur 6,5 Kilometer auf dem State Highway zu gehen. Wegen des Nebels war das gar keine entspannte Angelegenheit. Ein Drittel der Autos hatten kein Licht und die wenigsten Lenker waren auf zwei Wanderer am Strassenrand vorbereitet. Du fährst dahin, wo du hinschaust. Teilweise war es knapp, zur Seite springen musste ich diesmal aber nicht 😉.

Im YHA Backpacker im National Park Village (der kostenpflichtiges und schlechtes Internet hat) mussten wir bis 12 Uhr warten. Wir planten das Essen für die nächsten 9 Tage (inkl. 5 Tage auf dem Whanganui River) und holten das Trail-Tagebuch von gestern nach.

Ohne Dusche hitchten wir im Regen nach Ohakune und erledigten unsere Einkäufe. Bei Yeti Tours buchten wir die Tour, packten das Essen in Fässer und erhielten erste Instruktionen. Den praktischen Teil würden wir in Whakahoro erfahren. Bevor wir zurück hitchten, trafen wir wie immer unerwartet auf Yoel und Eitan, die (wie vermutet) im Tongariro Forest (Traverse 42) ein wenig falsch gelaufen waren und nach dem Tongariro Crossing auch noch eine andere Route nach Ohakune genommen hatten.

Unser Wiedersehen war herzlich, da wir uns vor Wellington vielleicht nicht mehr sehen würden. Sie sparen sich die Kosten der Kanu-Tour und wandern abseits von Te Araroa nach Palmerston North. (We’ll miss you guys 😆)

Wir schafften es dann auch noch tatsächlich zurück nach National Park Village. Pizza und Weihnachtsküchlein!

Nadine

😄😐😣: 10/10

💪: 9/10

Ein unerwarteter Nero Day! Durch unsere lange Wanderung gestern mussten wir heute nicht mal 7 Kilometer nach National Park Village wandern und waren schon vor 10 Uhr im Hostel. Wir entschlossen uns daher, schon heute nach Ohakune zu hitchen, wo wir Essen einkaufen und die Kanu Tour auf dem Whanganui River organisieren mussten. Es regnete den ganzen Tag immer wieder und wir waren echt froh, hatten wir gestern so tolles Wetter.

Als wir gegen 17 Uhr endlich alles erledigt und organisiert hatten, liefen wir Richtung Ortsausgang, um mit dem Hitchhiking zurück nach National Park Village zu beginnen.

“Philippe! Philippe! Over here!” Eitan und Yoel riefen und winkten uns plötzlich von der anderen Strassenseite her zu. Drei Tage haben wir uns nicht gesehen. Wer uns beobachtete, hätte wohl eher gedacht, wir hätten tödliche Hindernisse und monatelange Trennung hinter uns 😉

Das Wiedersehen war aber nur kurz. Es reichte zum Austausch von Hiker News, sie übergaben uns einen im Wald vergessenen Zelthering (Danke!) und schon mussten wir wieder weiter. Unsere Wege trennen sich ab hier. Wir werden später auf dem Whanganui River nach Wanganui paddeln, während sie eine andere Strecke direkt nach Palmerston North laufen.

Wir weden sie aber bestimmt irgendwo wieder sehen. So läuft das auf dem Te Araroa.

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