Te Araroa Wanderberichte Tage 110-113: “Holen wir die Tararuas nach!”

In den vergangenen 4 Tagen wanderten wir durch den Tararua Forest Park  und legten weitere 75 Kilometer auf dem Te Araroa Trail zurück.

Bester Moment

Philippe: die Hütten für uns alleine zu haben

Nadine: Geburtstag auf dem Trail

Schlimmster Moment

Philippe: stinkende Füsse

Nadine: zu realisieren, dass wir einen 2,5 Stunden Umweg gemacht hatten

Hinweise: Die Kilometerangaben sind ungefähr. Die Wanderzeiten sind reine Laufzeiten, ohne Pausen. In der Regel machen wir 1,5 – 2 Std. Pause unterwegs. Die Smiley’s beschreiben unseren Gemütszustand, der Muskelarm unser physisches Befinden. 10/10 ist jeweils das Beste.

Tag 110: Poads Rd End nach Te Matawai Hut (via Gable End Ridge Track), Tararua Forest Park

~ 20 Kilometer, 7h25min (inkl. 6km / 2h30min Umweg)

Philippe

😄😐😣: 7/10

💪: 7/10

Yep, wir sind noch nicht fertig. Da war doch noch was? Ermüdungsbruch. Genau. Wir konnten die Tararuas nicht machen und holen sie jetzt nach. 4 Tage nach dem Finish in Bluff sind wir wieder auf dem Trail.
Das Timing passte perfekt. Unsere Hosts in Wellington – Debby und Rob – fuhren uns bis zum Beginn des Tracks, da sie mit ihrem Wanderclub einen Wandertag in der Nähe machten. Leider regnete es und die meisten Hügel waren im Nebel verhüllt. Naja, auf dem Trail kann man sich das Wetter auch nicht aussuchen.
Ein bisschen steif sind wir los und wanderten eine alternative Route, welche uns von mehreren Wanderern empfohlen wurde. Das Problem: keine Markierungen, kein Track im GPS und keine Infos. Dafür ist man schneller und es ist weniger anstrengend. Bis zum Ohau River war es noch ganz okay. Im Fluss hörten dann aber sämtliche Hinweise für einen Track auf. Nach einer halben Stunde im Fluss waten gaben wir auf. Es wäre wahrscheinlich nicht mehr allzu weit gewesen, bis wir raus aus dem Fluss gewesen wären, doch hatten wir keine Nerven mehr dafür. Wir liefen zurück. Fazit: 2,5h detour.
Über den Gable End Ridge Track kehrten wir wieder auf den Te Araroa zurück und dann weiter zur Te Matawai Hut. Zeitersparnis: null. Trotzdem 1600m rauf und 870m runter. Plus noch extra Kilometer gelaufen. Und das war erst das Aufwärmen. Morgen wir es härter. Die Tararuas stellen sich noch als eine echte Knacknuss für unsere letzte Section auf dem Te Araroa heraus.

Nadine

😄😐😣: 5/10

💪: 7/10

Wir haben uns entschlossen, die Tararua Range auf der Nordinsel nachzuholen. Wegen Philippe’s Ermüdungsbruch konnten wir sie im Dezember nicht durchwandern.
Ich bin mir noch nicht sicher, ob es eine gute Idee war, diese anstrengende Section nun nachzuholen. Mittlerweile ist es Herbst. Das heisst nasse Tage und kalte Nächte. Ausserdem bin ich erschöpft, physisch und psychisch. Aber als wir in Bluff angekommen waren, lauerte in mir das Gefühl, dass wir auf der Nordinsel noch “unfinished business” hatten. Also packten wir es an, damit wir den Te Araroa für uns abschliessen können. Danach gibt’s dann definitiv eine Wanderpause 😉
Einen Vorteil hat es übrigens, off-season in den Tararuas zu sein: Wir haben die Hütte für uns alleine und die Chancen stehen gut, dass wir vier Tage niemanden anderes sehen werden.
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Tag 111: Te Matawai Hut nach Waitewaewae Hut

21 Kilometer, 9h20min

Philippe

😄😐😣: 8/10

💪: 7/10

Wir befinden uns definitiv weiter nördlich in Neuseeland. Es ist wärmer und früher hell am Morgen. Ich hatte mich – noch immer im Südinsel Modus – auf einen nasskalten Tag eingestellt. Es war dann einfach nur nass.
Die Tararuas waren in Wolken gehüllt, bis auf wenige Momente sahen wir immer nur ein paar Meter weit. Typisch Nordinsel würde ich meinen. Man krampft sich ab und als Belohnung gibt es keine Aussicht. Bei schönem Wetter wäre es der Hammer gewesen. So konnten wir uns aber mehr auf den Goblin-Wald mit seinen krummen und moosbewachsenen Bäumen konzentrieren.
Und anstrengend war es dann auch noch. Rauf und runter, rauf und runter. Eine Gratwanderung über zahllose Hügel. 1950m Aufstieg und 2520m Abstieg. Auf 21km verteilt war es eine echte Herausforderung. Und eine gute Vorbereitung auf die Südinsel. Die haben wir ja schon hinter uns. Wieso tun wir es uns dann an?

Nadine

😄😐😣: 9/10

💪: 8/10

Meine Laune und körperliche Verfassung hatte sich gegenüber gestern verbessert. Der “Trailmood” hatte sich wieder eingestellt. Ich genoss den heutigen Wandertag entsprechend, obwohl es einiges gab, das meine Laune hätte trüben können: Es regnete am Morgen. Anstelle der angeblich tollen Aussichten sahen wir nur weiss. Ich rutschte vier Mal aus und schlug mir zwei Mal den Kopf an. Ausserdem war es ein anstrengender und langer Tag. 1950m Auf- und 2520m Abstieg. Am Ende mussten wir auf 3 Kilometern über 1000m Abstieg verkraften. Meine Knie waren heilfroh, als wir die Waitewaewae Hütte erreichten. Wieder die ganze Hütte für uns alleine 😉
Oder doch nicht? Gerade als ich das geschrieben hatte, kam ein Wanderer mit Stirnlampe hereingestampft. Aber er schlafe im Zelt, liess er uns wissen. Zu warm in der Hütte.
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Tag 112: Waitewaewae Hut nach South Mangaone Rd end

23,5 Kilometer, 8h45min

Philippe

😄😐😣: 8/10

💪: 7/10

Während den ersten Morgenstunden wähnte ich mich in einem tropischen Regenwald. Es war erstaunlich warm. 17°C in der Hütte um 6 Uhr. Und der Nebel legte sich wie ein feuchtes Tuch auf die Hut. Die Kleider klebten am Körper und der Schweiss lief mir über die Stirn. Sollte es nicht Herbst sein?
Nach viel auf und ab erreichten wir am Mittag den Otaki Carpark, wo wir Lunch im Sonnenschein hatten. Das Wetter klarte endlich auf. Nur blöd, dass wir die spektakulären Panorama bereits hinter uns hatten. Die Wolken hingen aber immer noch auf etwa 900m.
Auf Mt. Pukaetua kamen wir dann doch noch in den Genuss eines Panoramablicks. Der Track hatte sich enorm verbessert, sodass die +700m Aufstieg nur halb so schlimm waren. Am Ende des Walds übernachteten wir schliesslich beim Parkplatz. Die letzte Nacht auf dem Trail.

Nadine

😄😐😣: 8/10

💪: 8/10

112 Tage und mir gehen die Worte aus. Heute war nicht sehr spannend. Schön ja, aber nicht berichtenswert. Ausser dass wir nach zwei wolkenverhangenen Tagen heute endlich etwas Aussicht hatten und die Tararuas sahen!
Wir trafen übrigens auch andere Leute an. Drei Te Araroa Wanderer (nordwärts) und einen Tageswanderer. Letzterer bot uns eine Mitfahrgelegenheit nach Waikanae, unserem morgigen Ziel, an. Aber wir lehnten dankend ab, diese 11 Kilometer werden wir morgen abschliessend wandern. Unser Te Araroa neigt sich dem (zweiten) Ende zu. Morgen wird definitiv unser letzter Te Araroa Wandertag sein.
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Tag 113: South Mangaone Rd end nach Waikanae

10,5 Kilometer, 2h

Philippe

😄😐😣: 8/10

💪: 8/10

Naja, ein richtiger Wandertag war es nicht mehr. 2 Stunden auf der Strasse nach Waikanae. Immerhin waren wir konsequent und lehnten zweimal eine Mitfahrgelegenheit ab.
In Waikanae hitchten wir nach Upper Hutt und dann weiter nach Petone. Selten freute ich mich so auf eine Dusche. Wir hatten praktisch 3 Tage lang feuchte Kleidung und geruchstechnisch erreichten wir eine neue Ebene.
Hat es sich nun gelohnt, die Tararuas nachzuholen? Jein. Wir hätten uns besser daran gehalten, nur bei gutem Wetter zu wandern. Die Panoramen blieben uns verwehrt. Lediglich für ein paar Momente waren wir uns den impossanten bewaldeten Hügelketten um uns herum gewahr. Nichtsdestotrotz, es war toll noch einmal in die Goblin-Wälder einzutauchen und auf dem Te Araroa zu wandern. Und nach unserer Definition sind wir den Te Araroa nun gelaufen.
So what’s next? Nach Wellington geht’s nach Auckland und in einer Woche fliegen wir via Sydney nach Bali, wo wir meine Familie treffen werden. Dort erholen wir uns vom Wandern mit Surfen, Tauchen und Schwimmen. Irgendwann in der zweiten Hälfte Aprils kehren wir dann in die Schweiz zurück. Nach zwei Jahren Reisen wird es Zeit, sich für eine Weile an einen Ort zu binden. Aber nicht allzu lange, die nächste Fernwanderung/Reise ist schon im Hinterkopf ;).

Nadine

😄😐😣: 10/10

💪: 9/10

Es ist mein Geburtstag! Dies ist das erste Mal in meinem Leben, dass ich an meinem Geburtstag in einem Zelt aufwache. In einem vom Morgentau tropfnassen Zelt. Aber der Himmel war fast klar und bald kam die Sonne hervor und bescherte uns einen weiteren schönen Spätsommertag.
Unser definitiv (!) letzter Wandertag auf dem Te Araroa war kurz. Wir folgten zwei Stunden der Strasse bis nach Waikanae. Dabei lehnten wir zwei Mitfahrgelegenheiten ab und schwatzten mit einem Fahrradfahrer, der kurz zuvor in 18 Tagen von Cape Reinga nach Bluff gefahren war.
Von Waikanae aus gelangten wir per Autostop und Zug nach Lower Hutt. Auf uns wartete eine Dusche und ein Bett bei Freunden. Zum Geburtstag gab’s dann selbstgemachte Pizza, ideal um den Trail standesgemäss zu beenden. Noch eine Woche verbringen wir in Neuseeland, dann geht’s zur weiteren Erholung in die Tropen. 😉

So, das war es nun definitiv an Wanderberichten vom Te Araroa Trail. Weitere Artikel zu anderen Aspekten des Trails folgen jedoch bestimmt.
Falls du Fragen hast zum Te Araroa, dem Leben auf dem Trail, oder zu uns, schick uns diese doch bitte per Kommentar, eMail (contact [at] gustofrenzy.com) oder über Social Media. Wir werden diese dann im geplanten FAQ miteinbeziehen.

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