Te Araroa – 4 Wochen in Wellington

So nach langer Abwesenheit schreibe ich wieder mal. Doch Moment…irgendetwas ist hier komisch. Genau, unser Blog ist jetzt ein simpler WordPress Blog. Warum?  Vor zwei Tagen ist unsere gesamte Website nach einem Update gecrashed. Nadine versuchte während mehrerer Stunden alles wieder hinzubiegen. Trotz einer Neu-Installation von WordPress läuft gar nix. Immerhin konnten wir die Database backupen, wo all unsere Texte drin sind. Leider sind auch diese Inhalte betroffen. Sämtliche Umlaute sind jetzt Sonderzeichen. Sch#@*!! Deshalb haben wir beschlossen, einen neuen Blog fuer die restliche Zeit auf dem Te Araroa Trail aufzusetzen.

Drehen wir das Zeitrad nun ein wenig zurück…

Zwangspause
Als ich Ende Dezember im Krankenhaus erfuhr, dass ich fuer 3-4 Wochen pausieren müsse, verfluchte ich natürlich zuerst meinen Fuss und dann die “unglaublich lange Zeit”, die wir nicht auf dem Trail sondern in Wellington verbringen muessen. Im Nachhinein ist es mir natürlich bewusst, dass dies ein Luxusprobleme war; zumal Wellington eine unserer Lieblingstädte ist und unser Budget den ungeplanten Aufenthalt in einem netten Zimmer im wunderbaren Petone erlaubte. Und die Zeit war natürlich viel schneller vorbei als gedacht.

Post-Trail-Depression
Doch zu Beginn war es eine schwierige Phase, bis wir uns wieder eingewöhnt hatten. Die sogenannte “post-trail-depression” hatte uns eisern im Griff. Der abrupte Wechsel vom 10h-Wandertag zu Couchpotatoe-Tag wirkte sich merklich auf meine Psyche aus. Die Dopamin- und Endorphine-Lebel sackten ab und das führte zu schlechter bis depressiver Stimmung. Und weil ich gerade die ersten Tage in meiner Mobilität beschränkt war (und das Wetter kacke war), hatte ich genügend Zeit, um über negative Gedanken zu brüten…

  • Verliere ich die ganze aufgebaute Fitness der vergangenen zwei Monate?
  • Haben andere Wanderer auch Verletzungen, Langzeitschäden? –> die meisten Wander-Blogger lassen oftmals die negativen Seite aus.
  • Wieso variieren die Angaben zum Heilungsprozess bei bei metatarsal fractures so stark? (4-8 Wochen bis zu einem 1 Jahr)
  • Ist die Verletzung eine Niederlage? Selbstverschuldet?
  • Was machen wir, wenn der Fuss auf der Südinsel wieder versagt?

… und dann kommen die ganzen angesammelten Gedanken aus 21 Monaten auf Reisen hinzu. Was mache ich danach? Beim Wandern liegt der Fokus auf dem Moment und auf den unmittelbaren Bedürfnissen. Die Zwangspause hatte mir ungewöhnlich viel Raum zum Nachdenken gegeben. Und dann hatten wir in den ersten zwei Wochen kein WLAN 😉

Jedenfalls war es gar nicht so schlecht, sich mit meinen Gedanken auseinanderzusetzen können. Und die negative Phase ebbte langsam ab. Nur ab und an verstärkte sich die Sehnsucht nach dem Trail. Insbesondere wenn ich auf Instagram oder FB die Fortschritte der uns bekannten TA Walker verfolgte. Oder wenn wir in Wellington ein paar von ihnen traffen. Dann kam wieder der Drang in mir hoch, wieder weiterwandern zu wollen. Letztlich gab mein Fuss aber sehr deutlich zu verstehen, wann ich bereit wäre, wieder zu laufen.

Freizeit
Wir vertrieben uns die Wochen in Petone mit Fahrradfahren (kein Problem für den Fuss), Lesen, Kino, am Strand und auf dem Sofa. Und bald startete ich mit einem sachten Belastungstraining wie kurzen Spaziergängen am Strand oder zum Supermarkt und Schwimmen.

Vorbereitung
In der letzten Woche machten wir uns dann an die Vorbereitung für die Südinsel. Mit einem ausgeliehenem Dehydrator experimentieren wir zum ersten Mal mit neuen Wanderrezepten- und zutaten und planten akribisch den Menüplan für ca. 34 Tage. Was man nicht alles mit viel freier Zeit anstellen kann? 5 Pakete waren es dann am Schluss. Zwei mehr als ursprünglich geplant. So sparen wir uns Zeit und Nerven und und haben ein bessere Menüauswahl. Kostet aber etwas mehr.

Testlauf
Und dann war es soweit. Zusammen mit meiner Schwester und ihrem Freund, die für 4 Tage in Wellington zu Besuch waren, liefen wir die letzten 22 km des Te Araroa bis zum Ende der Nordinsel. Es sollte ein Testlauf für meinen Fuss werden, um letztlich zu beurteilen, ob wir am 25. Januar (nach 4 Wochen Pause) wieder mit dem Trail starten können.
Und ja, es ging ganz gut. Verheilt ist die ganze Sache sicher noch nicht, doch hatte ich auch keine grossen Schmerzen nach 22km. Es fühlte sich toll an, wieder auf dem Trail zu sein. Zwar ein wenig langsamer und vorsichtiger als gewohnt, angekommen sind wir aber dennoch.

Wie geht’s weiter?
Wir werden am 25. Januar mit der Fähre nach Picton fahren, um dann schliesslich einen Tag später auf dem Queen Charlotte Track zu starten.  Es ist ein weiterer Testlauf. Diesmal mit mehr Gewicht auf dem Rücken und auf richtigen Wanderwegen. Ein Fazit ziehen wir erst dann, wenn wir in Pelorus Bridge angekommen sind. Denn dann warten die Richmond Ranges auf uns. Dieser Abschnitt gehört zu den anspruchvollsten auf dem ganzen Trail und da möchten wir uns sicher sein, dass wir nicht in der Hälfte aufgeben müssen. Transport ist dort nur via Helikopter möglich.

Bleibt also gespannt auf den nächsten Teil des Te Araroa Trails.

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2 Comments

  • Sabine sagt:

    Hallo ihr beiden,

    wir lesen seit Beginn Eures Te Araroa-Abenteuers ganz gespannt mit. Es hat uns inspiriert, selbst in Neuseeland die Wanderstiefel zu schnüren – wenn auch nur abschnittsweise, da wir insgesamt nur 4-6 Wochen dort sein werden. Wie ärgerlich ist das mit Eurem Blog-Absturz!! Wir fühlen sehr gut mit und finden es toll, dass ihr uns hier trotzdem weiter auf dem Laufenden haltet!
    Nun wünschen wir Euch noch weiterhin tolle & hoffentlich verletzungsfreie Wanderabschnitte.
    Herzliche Grüße aus Tonga,
    Sabine und Uli

    • philkeiser sagt:

      Hallo Sabine
      Vielen Dank für die lieben Worte. Schön, dass wir euch inspirieren konnten. Hoffentlich können wir euch weiterhin mit Berichten von der Südinsel inspirieren.
      Beste Grüsse aus Havelock
      Philippe & Nadine

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