Tagebuch vom Kungsleden – oder wie man den lappländischen Sommer überlebt (Woche 3)

Im August/September 2017 wanderten wir 457 Kilometer auf dem nördlichen Teil des Kungsleden in Schweden. Eine unbezahlbare und nicht immer angenehme Erfahrung im schwedischen Spätsommer. Dies ist unser Tagebuch der dritten Woche (Adolfström nach Hemavan).

Um mehr über den Kungsleden und unsere Vorbereitung zu erfahren schau dir diesen Blogpost an. Falls du den Beitrag über unsere erste Woche noch nicht gelesen hast, solltest du das zuerst tun: Blogpost Woche 2. Wir haben noch mehr Fotos auf unseren Flick-Account hochgeladen: check it out.

Bitte beachte: Die angegebenen Kilometer sind ungefähr. Die Zeiten sind die reine Wanderzeit, ohne Pausen. Im Schnitt machen wir 1,5-2 Stunden Pause. Die Smileys beschreiben unsere mentale, der Arm unsere physische Verfassung. 


Tag 15: Adolfström – 5 km nach Sjnulttjie

28,2 km, 6h15min

Nadine

😄😐😣: 9/10

💪: 7/10

Ein herrlicher Tag. Am Morgen war es noch bewölkt und kalt aber gegen Mittag klarte es auf und die Sonne wärmte Körper und Geist. Der Weg führte zuerst durch Birkenwald und einem wilden Fluss entlang dann hoch aufs Fjäll. Ein grün-gelb-roter Teppich breitete sich vor uns aus. Leider bekam ich am Nachmittag wiedermal Schmerzen im Schienbein (Shinsplints). Ich nahm Ibuprofen und es wurde zumindest nicht schlimmer bis am Abend. Mal schauen, wie es morgen gehen wird.

Wir haben noch 5 Tage vor uns bis wir in Hemavan das südliche Ende des Kungsleden erreichen werden. Die kalten Temperaturen zehren an den Kräften und wir geniessen jeden Tag, an dem es nicht allzu windig und vielleicht sogar sonnig ist. Die kalten Temperaturen haben nur einen Vorteil: sie machten den Mücken den Gar aus.

Neben den Mücken und der Kälte fand ich vor allem die Bootsfahrten mühsam. Man war so abhängig von den Fahrern, vom Wind, von der Zeit oder davon, ob es ein oder zwei Ruderboote am Ufer hatte. Aber dennoch stellten wir heute fest, dass unsere besten Bekanntschaften hier auf dem Kungsleden von eben diesen Bootsabschnitten waren.️

Philippe

😄😐😣: 8/10

💪: 8/10

Es war noch immer windig als wir unsere gemütliche Hütte verliessen. Der Tag versprach sonniger als gewöhnlich zu werden. Wir folgten dem See entlang bis nach Bäverholmen. Die Strecke war schön  flach und von Nadelwald umgeben. Der Wechsel der Farben folgte uns den ganzen Tag. Grelles Rot und Gelb. Wunderschön!

Wie immer ging es hinauf ins Fjäll. Der Weg war sehr gut und so konnten wir unseren regelmäßigen Gang einstimmen. Die Sonne kam auch wirklich heraus und Nadine durfte wieder mal Sonnencrème auftragen. Um ohne Fleece zu laufen, war es aber zu kalt. Eine schöne Abwechslung war’s allemal.

Wir zelteten an einem Fluss und assen zum ersten Mal mit all unseren Kleider draussen statt wie üblich im Zelt und warmen Schlafsack. Der klare Himmel versprach eine eisige Nacht. Der Herbst kommt.

Tag 16: 5 km nach Sjnulttjie – Rävfallet

22 km, 4h33min

Nadine

😄😐😣: 9/10

💪: 7/10

-2°C. So kalt wurde es letzte Nacht. Um uns vor der Kälte zu schützen, schlüpften wir mit dem Schlafsack in den 60l Abfallsack, den wir als Bagliner verwenden. Dies hielt zwar lange warm, doch es kondensierte stark. Als ich früh am Morgen meine Zehen kaum noch spürte, nahm ich den Abfallsack weg und realisierte, dass das Kondenswasser auf meinem Schlafsack gefroren war. Kein Wunder hatte ich kalte Zehen. Aber immerhin hatte ich bis in den frühen Morgenstunden genügend warm. Als ich aufstand und rausging, war die Landschaft mit Eiskristallen verziert, das Wasser im Platypus draussen hatte Eiswürfel drinnen, eine Frostschicht überzog unser Zelt, und die Unterhosen, die ich am Vorabend gewaschen hatte und die draussen am Zelt hingen, waren steinhart gefroren.

 

Dies war die kälteste Nacht, die wir je draussen verbracht hatten. Am Morgen schien zum Glück bald die Sonne und es wurde ein herrlich “warmer” Tag (13°C). Wir wanderten lange im Fjäll, auf recht schönen Wegen und einigen schönen Aussichten in unberührte Flusstäler und auf schneebedeckte Berge.

Unser Plan war, heute nochmals ca. 30km zu laufen, damit wir morgen früh in Ammarnäs wären. Nach 22km erreichten wir die Rävfallet Hütte. Sie war schöner und grösser als erwartet und schön im Wald direkt neben einem rauschenden Wasserfall gelegen. Wieder die bekannte Frage: Should we stay or should we go?

Nochmals bei Minustemperaturen draussen schlafen oder drinnen auf Hochbett? Morgen 15 oder 23km wandern? Heute noch in der Sonne sitzen und relaxen? Oder heute noch die Aussicht von den uns bevorstehenden Hügeln geniessen? Uns im Fluss waschen gehen können weil es noch so schön warm ist? Evtl. ein weiterer Abend mit Julia und Per verbringen? Vielleicht noch ein paar Blaubeeren sammeln im Wald? Jepp, wir bleiben.

Philippe

😄😐😣: 6/10

💪: 7/10

Es war eisig kalt in der Nacht. Die Böden der Wasserflaschen waren gefroren wie auch das Innere und Äussere des Zelts. Nadines frisch gewaschene Unterhose war eine gefrorene Flagge im Wind. Wir hatten all unsere Kleider an, doch reichte es nicht. Uns war kalt. Die Suunto Uhr zeigte -2°C im Zelt an.

Um 9 liefen wir los, als das Gras aufgetaut und ich genügend warm für einen längeren Toilettengang war. Wir wanderten weiter hinauf bis +900m und zur Kreuzung, wo die Abkürzung nach Ammarnäs lag. Wir nahmen die normale Route nach Rävfallet. Mittags überraschte uns die Sonne und es wurde wärmer. Es ging wieder bergabwärts bis auf 500m und immer durch Birkenwald, der immer dichter und üppiger wurde. Die Blaubeeren hatten ein tiefes Blau und die Blätter waren noch immer grün. Um 15 Uhr erreichten wir die Hütte Rävfallet. Es war eine grossartige Hütte und wunderbar gelegen war sie auch noch. Wir begannen zu diskutieren.  „Should we stay or should we go?“♪♫

Eigentlich hätten wir ja noch ca. 8km weitergehen wollen. Aber die Sonne, die sommerlichen 13°C, der Fluss, das Fehlen von Blutsaugern usw. führten uns in Versuchung. Und wir könnten ja einfach früher aufstehen um früher in Ammarnäs anzukommen. Dann hätten wir Zeit fürs Shoppen, Waschen etc.

Wir blieben. Wir wuschen uns zum ersten Mal, ohne dass uns ein Körperteil abfallen wollte. Und wir warteten auf die Ankunft der anderen, die einen viel längeren Tag vor sich hatten. Sie kamen schliesslich an als wir uns fürs Bett fertig machten. Die aufgeheizte Hütte stiess auf viel Dankbarkeit.

Tag 17: Rävfallet – Ammarnäs

23 km, 5h30min

Nadine

😄😐😣: 6/10

💪: 5/10

Zum Glück blieben wir bei der Hütte. Wir hattens kuschelig warm und bequem. Als wir heute Morgen um 7 Uhr losgingen, war es knapp 0°C, die Blätter hatten eisige Ränder und die feinen Eiskristalle glitzerten im Sonnenlicht. Der Wandertag wäre auch sehr schön gewesen, wären wir beide gesund gewesen.

Philippe hatte seine Erkältung endlich im Griff, doch heute Morgen wachte er mit Grippesymptomen auf. Er fühlte sich wie von einem Lastwagen überfahren. Ich hatte Halsschmerzen. Die frostige Nacht im Zelt gab uns scheinbar den Rest. Während der Wanderung ging ich im Kopf mögliche Szenarien durch. Wir gehen nach Ammarnäs, schlafen im Bett und morgen gehts schon wieder besser? Philippe legt es richtig ins Bett und wir müssen hier abbrechen? Ich versuchte, die sich anschleichende Enttäuschung zu unterdrücken. Ich fände es schade, die letzten drei Tage, die angeblich nochmals richtig schön sein sollten, zu verpassen und eine Woche “rum zu seuchen”. Ich versuchte, die Gedanken, die Philippe die “Schuld” zuschieben wollten und sich über sein schwaches Immunsystem beklagten, beiseite zu schieben. Es wäre unfair, deswegen auf ihn sauer zu sein. Immerhin wäre es bis jetzt nicht ich, die mit Schmerzen und Fieber im Bett liegen würde. Armer Philippe. Abgesehen von den Halsschmerzen geht es mir (noch?) gut.

Dank dem frühen Start waren wir kurz nach 13 Uhr in Ammarnäs und bezogen bald darauf eine Cabin. Wir duschten, Philippe legte sich ins Bett und schlief. Ich ging Kleider waschen und einkaufen. Per und Julia kamen am Abend auch an. Da wir ein “Krankenzimmer” haben, werden wir die Cabin nicht teilen. Aber wir kochten und assen gemeinsam in der Gemeinschaftsküche. Wir werden ziemlich sicher morgen noch hier bleiben und dann schauen, wie es uns geht. Viel länger könnte wir nicht warten, sonst wären wir nicht rechtzeitig in Hemavan.

Philippe

😄😐😣: 3/10

💪: 2/10

Was ist los? Ich fühlte mich mehr als schlecht. Wir standen um 5.30 Uhr auf und meine Erkältung scheint ein Comeback gewagt zu haben. Oder war es doch Grippe. Der Drang auf die Toilette zu rennen deutete darauf hin.

Wir starteten um 7 Uhr und liefen wieder bergauf. Diesmal aber wesentlich langsamer. Nadine musste einige Male auf mich warten. Der Boden war noch gefroren und es dauerte satte drei Stunden, bis meine Füsse warm wurden. Oben angekommen, nahm ich ein zusätzliches Ibuprofen und nach einer Zeit wurde es besser.

Wir wanderten entlang eines Grates, was uns schöne 360-Aussichten ermöglichte. Als wir unter die Baumgrenze kamen, wurde es wieder warm. Um 13 Uhr kam Ammarnäs in Sicht und ich war bereit für ein Bett. Wir buchten eine 4er Hütte für den gleichen Preis zweier Stockbetten. Nach einer Dusche verschwand ich unter meinem Schlafsack und tauchte nur für das Abendessen auf. Julia und Per stiessen im Wärdshus hinzu und zusammen mit Nadine kochten sie ein leckeres Risotto. Bei Kerzenlicht und mit Wein und Bier für die anderen“feierten“ wir das Ende von Julias Wanderung auf dem Kungsleden. Ich landete schnell im Bett.

Tag 18: Ammarnäs

0 km

Nadine

😄😐😣: 6/10

💪: 9/10

Mein Hals fühlt sich bereits wieder besser an. Der Ingwertee mit Honig und die Lutschtabletten scheinen ihren Zweck erfüllt zu haben. Aber Philippe entschied schon gestern Abend, dass wir sicher heute noch hier bleiben würden.

Lange konnte ich mich heute nicht richtig entspannen. Im Kopf plante ich pausenlos die nächsten Tage, spielte Szenarien durch, überlegte am Essen rum und hatte auch sonst Mühe, den Monkey Mind zu zähmen. Beim Lesen schweiften die Gedanken immer wieder ab, zu Aktuellem, Zukünftigem, Vergangenem. Am späteren Nachmittag kam ich endlich etwas zur Ruhe und da es Philippe schon wieder etwas besser ging, stieg schon wieder die Vorfreude auf Morgen. Das Essen für die nächsten drei Tage ist auch schon vorbereitet und abgepackt.

Philippe

Bauchkrämpfe weckten mich in der Nacht und liessen mich auf die Toilette rennen. Wahrscheinlich hab ich irgendwo einen Käfer aufgelesen. Durchfall ist ein zu nettes Wort. Von nun an nenn ich es “shitstorm”.

Wir würden also eine weitere Nacht bleiben. Unser Zeitplan war deshalb ein wenig eng und wir würden sehen, ob wir die letzten 3 Tage nach Hemavan noch schaffen würden. Am Mittag verabschiedeten wir uns von Julia und ich bekam ein magenfreundlichen Griessbrei. Per würde bis um Abend bleiben und dann die 8km zur Aigert Hütte gehen, wo angeblich die beste Sauna auf dem ganzen Trail war.

Ausser einem kurzen Einkauf blieben wir in der Hütte. Beim Abendessen stoppten wir noch kurz im Restaurant um ein paar Wanderer (inkl. Andres) zu treffen, die wir seit Kvikkjokk immer wieder gesehen hatten. Ich benötigte so viel Erholung wie nur möglich.

Tag 19: Ammarnäs – Serve

28 km, 6h15min

Nadine

😄😐😣: 9/10

💪: 9/10

Es gibt Tage, an denen fühlen sich 20km an wie 40, an anderen fühlen sich 20km an wie 10. Heute war bei mir Letzteres der Fall. Ich war leichtfüssig unterwegs und freute mich darüber, dass wir die letzte Etappe doch noch gehen konnten.

Als wir losgingen schien sogar noch die Sonne und es ging wieder hoch ins Fjäll. Doch bald zeigte sich das Wetter von seiner harschen Seite. Es begann immer stärker zu regnen. Ich sang ein Loblied auf meine Regenjacke, die mich trotzdem trocken und warm hielt. Und ach du heiliges Schwedentörtchen war es windig! Manchmal blies es mir den Fuss vom Weg, so starke Böen kamen uns entgegen. Zum Glück gab es unterwegs Hütten und Schutzräume, so konnten wir unsere Pausen an trockenen und windstillen Orten machen. Und meine Laune vermochte das Wetter nicht zu trüben. Kurz nach 16 Uhr erreichten wir dann auch unser Tagesziel, die Serve Hütte. Hier nahmen wir wie geplant ein Bett in Beschlag und wechselten von den nassen und schlammigen Kleidern in unser wohlig warmes Camp- und Schlafoutfit. Die Öfen waren auch schon eingeheizt und wir trafen wieder auf eine Bekannte, die wir seit Kvikkjokk immer wieder antrafen.

Philippe

😄😐😣: 8/10

💪: 8/10

Ich hatte wieder ein paar Krämpfe in der Nacht und am Morgen. Ich fühlte mich dann aber genügend fit um weiterzugehen. Wir verliessen Ammarnäs um 8.30 Uhr und liefen in kurzer Zeit hinauf nach Aigert. Das Wandern fühlte sich gut an. Der Magen war grummelig.

Es war sonnig und der vorausgesagte Regen noch weit weg. Nach der Baumgrenze wurde der Wind sehr stark und wir kämpften uns gegen den Wind. In Aigert trafen wir Per nochmals, der ziemlich glücklich mit seinen neuen Schlafsack war. Nun mussten wir leider endgültig auf Wiedersehen sagen. Wir verbrachten eine eine grossartige Zeit mit dem Pärchen und werden sie definitiv vermissen. Der zweithöchste Punkt nach dem Tjäktja Pass wartete auf uns. Natürlich regnete und windete es. Der Regen verweilte aber nicht lange auf unseren Regenkleidern, da der Wind die Tropfen sofort verwehte. Bis zur ersten Schutzhütte blieben wir trocken. Tusen takk für diese Notunterstände.

Nach dem Mittagessen startete der wirkliche Regen. Ich liess die Zeit mit Musik und Podcasts verstreichen. Mein Körper funktionierte wieder und ich war nicht total erschöpft als wir die Serve Hütte erreichten. Das Wetter sagte uns: “Bleibt im Trockenen” und wir taten es. In der Hütte waren viele ältere Schwedische Wanderer zu Gange. Man kann sich vorstellen in was für ein Affenhaus sich die Hütte verwandelte. Das passiert, wenn man sich wieder auf einem bekannteren Abschnitt des Kungsleden befindet :-/.

Tag 20: Serve – Syter

30 km, 6h45min

Nadine

😄😐😣: 7/10

💪: 8/10

Beim Einschlafen hörte ich den Regen aufs Dach prasseln und wickelte mich wohlig in die Decke. Es war schön, drinnen in der Wärme zu sein. Heute war das Wetter sehr wechselhaft. Es regnete zeitweise, aber nicht so stark wie gestern. Und der Wind war auch weg. Der Weg zog sich heute etwas hin, vor allem die letzten Kilometer. Und der Pfad hatte unter dem starken Regen gelitten und es war recht schlammig und dadurch rutschig. Mehrmals rutschte ich von Steinen oder Holzstegen und kriegte wieder nasse Füsse. Jänu, nur noch morgen dann wird alles, inklusive mir, richtig gewaschen und sauber gemacht.

Die Landschaft war heute ansonsten nochmals sehr schön und abwechslungsreich. Und wenn die Sonne durch die Wolkendecke brach, leuchteten die Herbstfarben um uns herum und wir konnten hinter den Wolken mächtige Berggipfel erahnen.

Philippe

😄😐😣: 7/10

💪: 7/10

Ach, es ist so herrliche in einer Hütte aufzuwachen. Alles ist trocken und nur draussen ist es nass. Es regnete, als wir aus der Hütte traten und die frischen Schuhe aus dem Trocknungsraum waren bald wieder nass. Der Track wäre eigentlich ganz gut gewesen doch der langanhaltende Regen in den Bergen verwandelte den Weg in ein Schlam(m)massel.

Die umliegende Landschaft war grösstenteils von Wolken und Vorhängen aus Regen verdeckt. Doch das was wir sahen, war sehr schön. Es gab wieder hohe Berge mit Schneefeldern. Überall waren Herbstfarben. Sümpfe mit nicht ganz reifen Cloudberry. Und so weiter.

Mittag machten wir auf halber Strecke in der Tarnasjö Hütte. Von dort aus liefen wir entlang des Tarnasjön. Ein riesiger See, den wir schliesslich über 7 Brücken überquerten. Sie verbanden eine Reihe von Inseln die sich vom einten zum anderen Ufer spannten. In Syter entschieden wir uns wieder für die Indoor Variante. Ein weiterer Rückschlag für unser Budget. Aber es war ja die letzte Nacht auf dem Kungsleden. Und wir schliefen die letzten Tage so oft in Betten, dass das Zelt sowieso nur noch kalt und nass sein konnte.

Tag 21: Syter – Hemavan

26,6 km, 5h30min

Nadine

😄😐😣: 8/10

💪: 9/10

Fertig 😄  Schnell gingen die letzten Tage vorüber. Das Wetter war heute leider wieder schlechter als angekündigt und wir liefen meist in Regenkleidung. Die hohen Berge hinter der Syter Hütte sahen wir nur kurz als wir losgingen, danach waren sie in Wolken gehüllt. Der Weg führte durch ein für das Fjäll recht schmales Tal. Links und rechts kamen Bäche die Berghängen hinunter und sammelten sich in der Mitte zu einem Fluss. Es war ein schöner Streckenabschnitt und umso schader, dass wir keine klare Sicht hatten. Den Mittag konnten wir wiederum in einer Hütte verbringen. Wir liefen diese drei Tage immer über zwei Hütten, was bei den anderen “normalen” Wanderern (Ammarnäs-Hemavan ist sehr populär) für Erstaunen und Eindruck sorgte.

Die letzten Kilometer waren dann bergab durch das Skigebiet von Hemavan. Das Ende kam dann erhofft aber doch recht abrupt. In Neuseeland nach 3000km auf dem Te Araroa war es überwältigend, als wir in Bluff das Ziel erreicht hatten. Unglaubliche Erleichterung, Dankbarkeit, Erschöpfung, Traurigkeit und Ratlosigkeit. Heute war es auch ein wenig so, aber halt etwa 7mal schwächer. Der Kungsleden führte uns über 450km durch den Norden Schwedens und schenkte uns viele Eindrücke, Erlebnisse und Begegnungen. Für den Kopf war es im Gegensatz zum Alltag mit Arbeit, Studium, Haushalt, etc. pure Entspannung. Für den Körper nicht ganz, aber die tägliche Bewegung tat unheimlich gut. Und die letzten Tage waren auch meine Füsse super. Kein Zwicken, drücken oder brennen. Auch nicht nach 30km. Von mir aus können wir weiter gehen…

Philippe

😄😐😣: 8/10

💪: 7/10

Der letzte Tag stand an und wie immer verging die Zeit so schnell. Die Wettergötter hatten wieder kein Erbarmen. Es begann zu nieseln, als wir hinauf zu den Ausläufern des nördlichen und südlichen Sytertoppen stiegen, die den Weg flankierten. Die Gipfel der Berge waren meistens bedeckt. Nur ganz am Anfang konnten wir einen guten Blick auf die schneebedeckten Spitzen werfen. Doch als wir das Teil erreichten bildete sich eine dicke Decke aus Wolken. Eine undurchdringbare Schicht, die alle Sicht blockierte. Zur linken und rechten Seite des Weges türmten sich steile Wände aus Stein auf, die von kleinen Bächen durchzogen waren. Es fühlte sich an, als wären wir wieder in Island.

Wir folgten dem Tal bis zur letzten Hütte, wo wir den Mittagshalt machten. Danach wichen die Berge und das Tal wurde breiter. Das Gefühl in einem Tunnel zu sein, verging allmählich.

Auf den Hängen über Hemavan hatten wir noch eine letzte gute Sicht auf das schwedische Lappland. Dann folgten wir den Weg hinunter durch das Skigebiet. Als wir den Wald verliessen und wieder auf eine Strasse trafen, tauchte die letzte Wegmarkierung auf. Wir hatten das Ende bzw. den Anfang des nördlichen Kungsleden erreicht. 457km total. 18 Wandertage und 3 Rasttage (Kvikkjokk, Jäckvik, Ammarnäs). 21 Tage. Es kamen verschiedene Emotionen auf. Wir waren erleichtert. Müde. Physisch und ob des Regens und Schlamms. Hungrig. Nach Essen und zukünftigen Wanderungen. Traurig. Aber auch glücklich.

Wahrscheinlich wird es ein wenig dauern, bis wir unsere Gedanken sortiert haben. Für den Moment wollten wir einfach zur Fjällstation. Die war aber wegen einer Konferenz (in einer Jugendherberge?) ausgebucht und so schlugen wir ein letztes Mal unser Zelt auf. Wer hätte das gedacht? Es spielte keine Rolle. Eine heisse Dusche und viel frisches und ungesundes Essen warteten auf uns.

 

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