Tagebuch vom Kungsleden – oder wie man den lappländischen Sommer überlebt (Woche 2)

Im August/September 2017 wanderten wir 457 Kilometer auf dem nördlichen Teil des Kungsleden in Schweden. Eine unbezahlbare und nicht immer angenehme Erfahrung im schwedischen Spätsommer. Dies ist unser Tagebuch der zweiten Woche (Pårte nach Adolfström).

Um mehr über den Kungsleden und unsere Vorbereitung zu erfahren schau dir diesen Blogpost an. Falls du den Beitrag über unsere erste Woche noch nicht gelesen hast, solltest du das zuerst tun: Blogpost Woche 1. Wir haben noch mehr Fotos auf unseren Flick-Account hochgeladen: check it out.

Bitte beachte: Die angegebenen Kilometer sind ungefähr. Die Zeiten sind die reine Wanderzeit, ohne Pausen. Im Schnitt machen wir 1,5-2 Stunden Pause. Die Smileys beschreiben unsere mentale, der Arm unsere physische Verfassung. 


Tag 8: Pårte – Kvikkjokk

15,5 km, 3h40min

Nadine

😄😐😣: 7/10

💪: 8/10

Der heutige Tag war eintönig aber immerhin wartete der Regen, bis wir die Fjällstation in Kvikkjokk erreicht hatten. Der Weg führte durch alte Wälder und an Seen vorbei und war durchgehend steinig und wurzelreich, so dass man den Blick kaum vom Boden nehmen konnte.

In Kvikkjokk buchten wir zwei Nächte im Dorm. Wir sind einem Tag zu früh hier (gemäss unserer Planung), also haben wir morgen einen Zero-Day. Alles schön und gut also. Doch dann kam der Bummer: unser Paket, das wir letzten Freitag nach der Ankunft in Stockholm schickten, war noch nicht hier. Es würde frühestens am Montagabend, vielleicht auch erst am Dienstagabend geliefert werden (heute ist Samstag). Wir haben die Wahl: Paket nicht entgegennehmen und uns hier im teuren Laden Essen kaufen, mit Weiterwandern bis am Dienstag- oder sogar Mittwochmorgen warten (dann hätten wir keine extra Zeit mehr, falls wir auf dem Weg nach Hemavan irgendwo warten müssten), oder morgen selber mit dem Bus nach Jokkmokk fahren (4,5h und CHF 60 hin und zurück) und versuchen, das Paket zu bekommen. Morgen früh werden wir entscheiden müssen. Nervig, teuer und ein “Gambling” ist es so oder so.

Philippe

😄😐😣: 5/10

💪: 5/10

Es regnete in der Nacht und am Morgen und so nahmen wir es gemütlich. Wir starteten um 8.30 und würden nur 15km nach Kvikkjokk gehen müssen. Dort wollten wir zwei Nächte bleiben und unser Paket in Empfang nehmen.

Der Kungsleden führte durch richtigen Urwald bis er dann allmählich jünger wurde und mehr vom menschlichen Eingriff gekennzeichnet war. Forstwirtschaft und Rentierzäune. Der Weg selber war scheisse. Extrem steinig und trotz des abfallenden Geländes kamen wir nur “langsam” voran. Mit Podcasts und Hörbücher ging es dann einigermassen. Meine Erkältung machte sich aber bemerkbar.

In Kvikkjokk buchten wir etwas erschöpft für zwei Nächte einen dorm und wollten nur noch das Paket entgegennehmen und die Füsse hochlagern. Da war aber kein Paket. Es wäre noch in Jokkmokk (120km) und sollte am Montag- oder Dienstagabend ankommen. Grossartig. Unsere Zeitplanung ist damit durcheinander. Längere Wandertage oder weniger Extratage. Nach längerer Diskussion mit den Angestellten hatten wir mit drei Optionen zur Hand. Aber welche sollte es sein? Wir verschoben die Diskussion. Meine Erkältung wurde schlimmer und mein einziges Interesse war vorerst Essen und Schlafen. Zuerst trafen wir aber noch einen weiteren Schweizer. Andres war auch auf dem Kungsleden unterwegs. Mit seinem schweren Rucksack war er sofort an unserer leichteren Ausrüstung interessiert. Es folgte gear talk.

Tag 9: Kvikkjokk

0 km

Nadine

😄😐😣: 8/10

💪: 9/10

Um 9 Uhr sass ich im Bus nach Jokkmokk. Bäume und Seen zogen am Fenster vorbei und ab und an bremste der Bus ab wegen ein paar Rentieren, die die Strasse überqueren wollten.

Wir entschlossen uns, dass wir das Risiko eingehen und ich den Weg auf mich nehmen würde. Ich konnte den Trip auch zum Einkaufen von Essen für Megan und Dan nutzen, die noch zwei weitere Tage hier sein werden (hier gibt es nur den sehr kleinen und teuren Laden der Fjällstation). Sie beteiligten sich dafür am Busticket. Ausserdem kaufte ich für uns ein paar Früchte und Käse sowie ein Abendessen für heute. Das Paket bekam ich glücklicherweise ohne Probleme und ich war sehr happy als die Verkäuferin im Laden, der gleichzeitig die örtliche Post ist, mit unserem Paket aus dem kleinen Lager kam.

Das alles erledigte ich in 30min und erwischte so den früheren der zwei (!) täglichen Busse nach Kvikkjokk. Der nächste Bus wäre 3,5 Std. später gefahren. Kurz nach 14 Uhr war ich also zurück. Nur halb so schlimm das Ganze also und wir können morgen bereits wieder weiter, wie geplant.

Philippe

😄😐😣: 5/10

💪: 4/10

Ich war noch nicht fit und es lag an Nadine zu entscheiden, was wir machen würden. Nach Jokkmokk mit dem Bus und das Paket im ICA abholen. Eine Fahrt dauert aber 2h45min und man wäre erst um 6 wieder zurück. Bis Montagabend warten oder im schlechtesten Fall am Dienstagabend. Das Boot könnten wir dann am darauffolgenden Morgen nehmen.

Nun, Nadine hatte sich schliesslich für den Bus entschieden. Ich durfte die Wäsche waschen. Zur gleichen Zeit kaufte sie für das Englische Paar (Meg und Dunn) ein, welches wir während der Bootsfahrt von Aktse kennengelernt hatten. Sie zahlen dafür einen Weg (200 SEK) und Nadine wäre während der Wartezeit noch ein wenig beschäftigt.

Um 12 Uhr bekam ich eine Nachricht. Nadine schaffte es innerhalb von 30 Minuten das Paket zu holen und den Einkauf zu erledigen. Sie wäre wieder auf dem Rückweg und um 14.00 Uhr zurück. Hurra! Nun konnten wir am nächsten Tag weiterlaufen. Fürs Abendessen kaufte sie reichlich Gemüse ein und so kochten wir zusammen mit Meg und Dan in ihrer Hütte (Airbnb existiert sogar hier). Wir verbrachten einen wunderbaren Abend mit ihnen. Doch bald war es “hiker’s midnight” und unsere Wege trennten sich wieder. Morgen wird das Boot um 8.30 Uhr ablegen.

Tag 10: Kvikkjokk – 17 km nach Tsielekjåhkå

29,3 km, 7h15min (+ 4km, 30min mit Motorboot)

 

Nadine

😄😐😣: 7/10

💪: 9/10

Heute hatte ich zum ersten Mal auf dieser Wanderung richtig nasse Füsse. Zuerst wegen den Blaubeer- und anderen Sträuchern, die in den Pfad hineinragten und von der Nacht noch feucht waren. Beim vorbeilaufen streifte ich meine Schuhe unweigerlich an den nassen Büschen. Ich war scheinbar die erste, die diesen Morgen dort durchlief. Dann waren auch die Holzplanken, die über moorige Gebiete führten nass und rutschig wie ein Eisfeld. Mehr als einmal rutschte ich mit einem Fuss von der Pflanke ins kalte Nass. Wie gewohnt dauerte es aber nicht lange, und die Füsse fühlten sich wieder warm an. Am Abend waren sie Socken schon wieder trocken.

Der Wandertag zog sich ein wenig hin, zumal ich besorgt war um Philippe’s Fitness wegen der Erkältung. Aber der Weg war recht angenehm und weniger steinig als an den Vortagen. Es hat auch nochmals weniger Leute als zuvor, da die Strecke bis Kvikkjokk noch mehr begangen ist. Weniger Leute machen den ganzen nördlichen Kungsleden von Abisko bis Hemavan. Bis nach Jäckvik stehen auch keine STF Hütten zur Verfügung.

Philippe

😄😐😣: 7/10

💪: 7/10

Unser Tag startete mit einer Bootsfahrt und je 200 Kronen weniger in unseren Taschen. Glücklicherweise liegt nur noch eine Fahrt vor uns. Theoretisch würde man total 1170 Kronen zahlen müssen wenn man nie Rudern würde. Zuerst dachte wir der Weg wäre schlechter weil weniger Leute von hier aus wandern. Doch nach einem schlammigen Abschnitt und einem nassen Fall von Nadine verbesserte sich der Weg und war teilweise besser als auf vorherigen viel begangenen Strecken.

Viel Wald folgte und ein kurzer Abschnitt im kahlen Fjäll. Wälder, Seen, und schneebedeckte Gipfel. Noch ist es uns nicht langweilig. Und die Ausblicke sind immer toll. Irgendwann wurde ich dann müder und wir machten mehrere Halte. Die meisten waren aber den Blaubeeren, die noch nicht ganz reif sind, und den meist reifen und in Lappland heiss geliebten Moltebeeren, geschuldet. Letztere wachsen nur in sumpfigen Gebiet und sind seltener.

Es hat auch eine Tonne Pilze aber ausser Tieren scheint sie niemand zu sammeln. Ein älterer Herr erzählte mir vor zwei Tagen dann auch, dass die Schweden die meisten Pilze gar nicht essen würden und weniger noch sammelten. Ich schätze es ist wie in der Schweiz. Es gibt ein paar populäre Sorten und der Rest geht vergessen. Gegen Ende verlangte meine Erkältung ein Ende des Wandertages. Wir zelten neben dem Wanderweg und in der Nähe einer der tausend Seen. Es war Zeit für Couscous und Paracetamol.

Moltebeeren oder “skandinavisches Gold”

Tag 11: 17km nach Tsielekjåhkå – 5km vor Vuonatjviken

29,6 km, 7h15min

Nadine

😄😐😣: 6/10

💪: 6/10

Weniger Wanderer = weniger gut unterhaltene Wege = weniger Holzplanken über sumpfiges Gebiet = nasse Füsse. Die einzige Belohnung der feuchten Stellen waren die Moltebeeren, die am Wegesrand wuchsen und zum Naschen einluden. Die Blaubeeren sind nicht nicht ganz reif.

Da wir vor dem Mittagessen die Füsse, Socken und Schuhe dann in einem Bach wuschen, gaben wir uns am Nachmittag grosse Mühe, die Füsse nicht nochmals nass zu kriegen. Am Abend waren die Socken und Schuhe dann schon fast trocken.

Die Wanderung zog sich etwas länger hin als geplant, weil wir lange keinen geeigneten Platz fanden, um unser Zelt aufzuschlagen. Der Weg wurde gegen Ende auch wieder steiniger und mühsamer, was bei der nachlassenden Energie und Koordination noch mehr forderte. Und dann begann es auch noch zu regnen. Nicht stark, aber trotzdem. Denn bis dahin war es der Tag gewesen mit dem besten Wetter bisher. Selten hatten wir bisher wolkenlose Stellen am Himmel. Die letzten Kilometer halfen uns Hörbücher und Podcasts. So verfällt man weniger in Selbstmitleid und spürt die langsam schmerzenden Füsse weniger.

Philippe

😄😐😣:5/10

💪: 6/10

♬I can’t feel my hands when I’m without you♬♪♫

Ohne Handschuhe bin ich aufgeschmissen. Kein Zelt aufstellen, kein Essen, kein Kleider anziehen.

Meine Erkältung machte mich groggy und langsam. Dich irgendwann sind wir dann wohl los. Andernfalls wären wir nicht Zeugen einer sumpfigen Angelegenheit geworden. Uns stellte sich hauptsächlich die Frage, wo wir unsere Füsse hinsetzen konnten ohne den Schuh zu verlieren. Der miserable Morgen wandelte sich in einen wundervollen Nachmittag.

Auf dem Weg hinauf ins Fjäll wurde der Weg besser und wir wuschen Socken und Schuhe in der Hoffnung, dass es so bleiben würde . Bis jetzt waren es die meisten Sonnenstunden an einem Tag. Nach einem Aufstieg auf 1’000m ging es wieder bergab und so auch meine Energie. Am Ende des Tages waren meine Batterien auf Null und Erkältung erreichte das nächste Level. Ein wenig Regen begleitete unser Camping. Im warmen Schlafsack träumte ich von einem warmen Bett und ein wenig Netflix.

 

Tag 12: 5km vor Vuonatjviken – Jäckvik

23,4 km, 5h50min (+ 8km, 30min mit Motorboot, incl. 750m mit Ruderboot)

Nadine

😄😐😣: 5/10

💪: 8/10

Shitty day. Gestern telefonierte ich mit dem Fischer, der den Bootstransport über den Riebnes anbietet. Es hiess, man solle die Fahrt “anmelden”, da es keinen Fahrplan gäbe. Ich sagte ihm wir seien gegen 10 Uhr dort. Er meinte, wir sollen einfach kommen, dann schaue er, wann wir fahren würden. Naja, nicht sehr vielversprechend. Wir hörten von Leuten, die uns entgegenkamen, dass er sie Stunden warten liess. Zwei Wanderer, die wir am gestern Abend noch antrafen, sagten, sie würden planen, um 9 Uhr am See zu sein. Aus Angst, der Bootsfahrer könnte mit den zwei anderen aber ohne uns losfahren, standen wir früh auf, liefen zügig nach Vuonatjviken und waren um 9 Uhr dort. Doch vom Boot weit und breit keine Sicht. Ich rief nochmals an. Sie seien gerade unterwegs und kämen so in einet Stunde, vielleicht auch später. Na toll. Wenigstens waren die anderen zwei auch dort und so hatten wir geteiltes Leid und konnten die Zeit mit Gesprächen vertreiben. Doch es war kalt (unter 10°C) und einfach so dort zu stehen war noch kälter. Über drei Stunden warteten wir. Dann kamen der Bootsfahrer und seine Frau angetuckert. Es habe mehr Fische im Netz gehabt als erwartet, also dauerte es länger. Jaja. Für sie wahrscheinlich Lifestyle: ich komme, wann ich komme. Ich gehe, wann ich gehe. Doch für uns Wanderer, schlotternd und mit kalten Füssen war es echt nervig.

Am anderen Ufer assen wir noch kurz zu Mittag und gingen dann los. Ziel war Jäckvik. Dort hat es einen Laden, der bis 18Uhr offen sein würde. 18km in 4,5 Stunden; sollte gehen. Wäre auch gegangen, wäre da nicht noch ein Gewässer gewesen. Eine Ruderbootstrecke von ca. 250m. Eigentlich nicht so wild. Aber da es wieder das Drei-Boote-Spiel war und die Wanderer aus der Gegenrichtung langsam rar werden (die Saison geht zu Ende), mussten wir drei Mal rudern. Kam hinzu, dass das erste Boot Wasser drin hatte (und allem Anschein nach auch nicht ganz dicht war) und Philippes Rucksack darin baden ging. Es traf vor allem seinen Faserpelz, Buff und: die Kamera. Ich hoffe sehr, sie funktioniert noch.

Wenigstens liess der Regen auf sich warten. Und obwohl der Laden geschlossen war, als wir nach den Bootsstrapazen endlich ankamen, fanden wir einen netten Campingplatz bei der Kirche, wo wir auch einen Aufenthaltsraum und eine warme Dusche kriegten.

Philippe

😄😐😣: 6/10

💪: 4/10

Heute war wieder Bootfahren angesagt. Zum Glück zum letzten Mal. Wir starteten früher als üblich, damit wir um 9 in Vuonatjviken sein konnten, um so zwei andere Wanderer abzupassen, die auch um 9 Uhr los wollten. Als wir ankamen war aber kein berühmt berüchtigter Fährmann anzutreffen. Wir mussten warten. Wir teilten unser Leid mit den anderen und zogen wegen der Kälte alle verfügbaren Schichten an. In der Nacht war es Null Grad und es war noch immer scheisskalt. Um 12 Uhr tauchte er dann auf. Der Fischfang war erfolgreicher als gedacht 😑.

Um 13.30 starteten wir dann mit der Wanderung. 18km to go. Direkt hoch ins Fjäll, dass immer farbenreicher wurde, je südlicher wir kamen. Herbstfarben. Hurra! Wir hatten uns schon darauf gefreut. Wieder weiter unten liefen wir durch Birkenwald und entlang Seen, die nach der Kälte nicht mehr so Mücken verseucht waren. Am Ruderbootplatz war nur ein Boot auf unserer Seite. Und es war voll mit Wasser und ohne Eimer um es zu leeren. Mein halber Rucksack wurde nass inklusive der Kamera in einer nicht komplett verschlossenen Ziploc-Tüte und andere aussen angebrachte Gegenstände. Ich war schon lange nicht mehr so wütend gewesen. Die Kamera selber scheint aber noch zu funktionieren.

Wir ruderten die 250m drei Mal. Es funktionierte besser als gedacht, wenn man unsere Kanu-Vergangenheit in Neuseeland bedenkt. 4km später erreichten wir Jäckvik und stellten unser Zelt bei der Kirche auf. Es kostete uns nur 70SEK pro Zelt und kam inklusive grossartiger Küche, Duschen und Aufenthaltsräumen. Wir mochten den Ort sofort. Morgen müssen wir bis 10 Uhr warten, um in den kleinen Laden einzukaufen. Letzte Möglichkeit bis Ammarnäs.

Tag 13: Jäckvik

0km

Nadine

😄😐😣: 9/10

💪: 9/10

Heute Morgen entschieden wir, einen Tag hier in Jäckvik zu bleiben. In der Nacht begann es zu regnen und es regnete den ganzen Tag weiter. Ausserdem hatte Philippe weiter mit der Erkältung zu kämpfen und schlief schlecht. Und es ist die bisher schönste Unterkunft. Es ist warm, sauber, gemütlich, wir können machen was wir wollen und fühlen uns wie zu Hause. Am Morgen gingen wir einkaufen für den heutigen Zero-Day und die nächsten vier Tage, wuschen Kleider und unterhielten uns viel mit anderen Wanderern. Julia und Per vom Boot gestern blieben auch hier und so machten wir uns einen schönen Tag mit leckerem Essen (Brot, Eier, Popcorn, Zimtschnecken, Pizza, Bier, etc.) und Filmen. Vom Sofa aus hatten wir Ausblick auf das Gewässer, rote Häuser mit weissen Fensterrahmen, ans Land gezogene Boote und den pausenlosen Regen. Wir schätzten uns glücklich, heute drinnen sein zu können. Die Nacht werden wir in einem Bett verbringen. Yay!

Vor dem Schlafen gingen wir noch zu viert in die Sauna und redeten, philosophierten, lachten. Ich fand es spannend, wie der Trail die eigene Stimmung widerspiegelt. Und wie vier Leute denselben Weg gehen können, ih  aber völlig anders erleben. Wenn es einem gut geht, empfindet man den Weg und die Umgebung als spannend, eindrücklich, märchenhaft. Ist man aber nicht gut gelaunt, genervt, gestresst, whatever ist der Weg plötzlich nicht mehr so toll, der Baum ist halt ein Baum, der See ein See. Gestern war ich eher in der zweiten Phase.

Philippe

😄😐😣:10/10

💪: 8/10

Heute erlebten wir den perfekten Rasttag. Es regnete den ganzen Tag und wir konnten drinnen im warmen und gemütlichen Haus sein. Schlechter Schlaf, Kälte und Regen bewogen uns dazu, eine Nacht in einem Bett zu buchen. Wir bereuten die Entscheidung nicht.

Wir gingen einkaufen und kauften uns eine Tonne (un)gesundes Essen und alle Zutaten für eine selbergemachte Pizza. Zusammen mit Julia und Per – das Pärchen, das wir bei der Bootsfahrt kennenlernten – verbrachten wir eine gute Zeit mit Reden, alten 90er Filme auf VHS schauen (Die Maske, Anna und der König), Popcorn und Zimtschnecken essen und Tee und Kaffee trinken. Es war grossartig. Einfach mit anderen Wanderern aus verschiedenen europäischen Ländern ein gute Zeit zu verbringen. Und das kalt-nasse Wetter draussen lassen.

PS: Der Body meiner Kamera ist okay aber das Objektiv ist Innen beschlagen. Keine Kamerabilder mehr ab hier. 😢

 

Tag 14: Jäckvik – Adolfström

23,4 km, 5h30min

Nadine

😄😐😣: 8/10

💪: 9/10

Heute war einiges besser als vorgestern, die Kilometer flogen dahin, der Wald verzauberte, der Herbst hält langsam Einzug und die Blätter färben sich gelblich und rötlich. Sie Temperatur hat schon lange Herbstniveau erreicht. Auch Einheimische sagten uns, es sei ein ungewöhnlich kalter und wenig sonniger August gewesen. Die heutigen 7 Grad fühlten sich wegen des starken und eisigen Windes wie etwa 3 Grad an. Aber im Wald waren wir dennoch oft windgeschützt unterwegs und konnten die Szenerie geniessen.

In Adolfström standen wir von einer uns bekannten Frage: should we stay or should we go? Eine nette Dame vom Campingplatz legte uns nahe, eine Cabin zu mieten, es soll eine kalte und windige Nacht werden. Wir hätten aber auch 8km zu einem beliebten Gasthof/Campingplatz weiterlaufen können. Nachdem wir die Preise für die Cabins vernahmen (500SEK für eine 4er Cabin), entschlossen wir uns, zu bleiben. Am Ende übernachteten wir zu sechst in einer 2er und einer 4er Cabin. Wir teilten unsere mit Julia und Per und konnten so die Kosten teilen. Dem Wind entkommen, mit dampfendem Tee vor mir, in super Gesellschaft und ein Bett für die Nacht. Life can be so good.

Philippe

😄😐😣: 7/10

💪: 7/10

Das Bett wirkte Wunder. Ich war erholter und meine Nase verteilte weniger Schnodder als tags zuvor.

Wir verliessen Jäckvik etwas später als üblich, das wir all die Resten noch verputzen mussten. Und es wurde natürlich wieder geschwatzt, da sich mittlerweile eine Gruppe zusammengefunden hat, die sich seit Kvikkjokk oder länger kennt. Andres war natürlich auch wieder da. Aber dann starteten wir und es ging gleich wieder hinauf. Durch den Wald und wieder hinauf ins nun röter werdende Fjäll. Es war extrem windig und trotz des Bergaufwärtsgehens trugen wir unsere Regenjacken und Fleece.

Oben angekommen begann der Pieljekaise Nationalpark. Von der Landschaft her änderte sich nicht viel. Erst wieder im Wald machte sich der geschützte Status bemerkbar. Es war ein grossartiger alter Wald. Mystisch und unberührt.

Wir machten gut Strecke und die Kilometer purzelten schnell. In Adolfström checkten wir alle Campingmöglichkeiten aus. Sie waren alle für grosse Camper ausgerüstet oder hatten viele cabins. Zelten war möglich aber ungemütlich im eiskalten Wind und ohne Aufenthaltsräume. Nachdem wir eine Weile in der Kälte rumstanden, bis ich die Finger nicht mehr spürte, entschieden wir uns fürs Bleiben und für eine Nacht in der Hütte. Wir warteten bei Tee in einer 2er-Hütte bis die vier langsameren Wander nach uns ankamen. Wir endeten schliesslich zusammen mit Julia und Per in einer Hütte. Es war gemütlich und warm und der perfekte Ort um eine windige Nacht zu verbringen. Und es war wieder eine Nacht mit gutem Schlaf.

 

Weiterlesen (Woche 3)

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