Tagebuch vom Kungsleden – oder wie man den lappländischen Sommer überlebt (Woche 1)

Im August/September 2017 wanderten wir 457 Kilometer auf dem nördlichen Teil des Kungsleden in Schweden. Eine unbezahlbare und nicht immer angenehme Erfahrung in Schweden während dem Spätsommer. Dies ist unser Tagebuch der ersten Woche (Abisko nach Pårte).

Um mehr über den Kungsleden und unsere Vorbereitung zu erfahren schau dir diesen Blogpost an. Wir haben noch mehr Fotos auf unseren Flick-Account hochgeladen: check it out.

Bitte beachte: Die angegebenen Kilometer sind ungefähr. Die Zeiten sind die reine Wanderzeit, ohne Pausen. Im Schnitt machen wir 1,5-2 Stunden Pause. Die Smileys beschreiben unsere mentale, der Arm unsere physische Verfassung. 


Tag 1: Abisko – Abiskojaure

13,8 km, 3h

Nadine

😄😐😣: 10/10

💪: 8/10

Die Reise nach Abisko war lange und entsprechend anstrengend. Nach dem kurzen Flug von Zürich nach Stockholm hatten wir dort 5 Std. Wartezeit. Philippe brachte unser Essenspaket zur Post in der nächsten Stadt und sonst warteten wir… Vor uns lag eine 18 stündige Zugfahrt durch ganz Schweden, über den Polarkreis, nach Abisko. Dort angekommen (ca. 14.45 Uhr) besuchten wir kurz den Shop um Gas zu kaufen und STF Mitglieder zu werden und genossen ein letztes Mal für die nächsten Tage ein WC mit Spülung. Übrigens trugen wir zu dem Zeitpunkt je ca. 12,5 kg. Wir haben das Gewicht seit unserem letzten Besuch auf dem Kungsleden halbiert!

Bald waren wir dann unterwegs auf bekanntem Gefilde. Die Bilder kammen nach und nach zurück und als wir am Ende des Sees die Hütten der Abiskojaurestugorna erkannten, wussten wir genau, was uns dort erwartete: Sauna! 😀

Sauber gewaschen, wiederbelebt und entspannt waren die Strapazen der Reise schnell vergessen und nun stellen wir uns auf unsere erste Nacht auf dem Kungsleden ein. Es verspricht, kalt zu werden.

Philippe

😄😐😣: 8/10

💪: 7/10

Endlich auf dem Kungsleden. 28h Reisezeit ist im wahrsten Sinne eine Weltreise. In dieser Zeit könnte man nach  Neuseeland fliegen.

Bevor wir nach langer Warterei am Flughafen in den Zug steigen konnten, musste ich noch in die nächstgelegene Stadt Märsta fahren. Dort war nämlich die nächstgelegene Poststelle für den Versand unseres Paket. Das fanden wir aber erst heraus, als wir keine Geschäftsstelle am Flughafen finden konnten, die auch Privatpakete annahm. Besser Recherchieren wäre hier hilfreich gewesen. Das Paket ist jetzt jedenfalls auf dem Weg 😉.

Die Reise mit dem Nachtzug war für mich mit wenig Schlaf verbunden, doch es war komfortabler als gedacht. Die Kabinen sind höher als z.B. in den Nachtzügen bei uns und die Betten bequemer und breiter. Das ständige Gerüttel und menschliche Lärmemissionen bleibt dennoch. Ich frag mich immer wieder, wie ich die vietnamesischen oder thailändischen Nachtbusse überlebte.

In Abisko kannten wir uns ja schon aus, so war der Kauf von Gas und der STF Mitgliedschaft schnell hinter uns. Auf uns wartete der Kungsleden! Doch was ist denn das? Ein Fjällraven Classic Banner, Zelte und Marktstände? Jepp, wir sind zeitgleich (11.-18 August) mit dem beliebten Volkslauf gestartet. Glücklicherweise starten die +2’000 Wanderer aber von Nikkaluokta aus und wir würden die schnelleren (nicht die Läufer) erst ab Morgen sehen. Wahrscheinlich werden wir deshalb die  Hütten ab Abiskojaure meiden und abseits campen.

Aber jetzt ab auf den Kungsleden. Im raschen Schritt wanderten wir die viel begangene Strecke. Über unzählige Stege und verschlammte Stellen folgten wir dem Weg durch lichten Birkenwald und immer entlang des Abiskojokk.

Ab und zu überholten wir zwei oder mehr wankende Berge, die sich bei näherem Betrachten als riesige Rucksäcke auf den Schultern armer Wanderer herausstellten. Ab 75 Liter + fängts bei den Skandinaviern erst richtig an, Spass zu machen. Ich hätte es nicht zu tragen vermocht. Und mein Knie war dankbar. 12,5kg reichen völlig aus.

3h Laufzeit später erreichten wir Abiskojaure und beeilten uns mit Essen und Zelt aufstellen, damit wir rechtzeitig in die Sauna gehen konnten. Denn was gibt es besseres als eine Sauna nach einer Wanderung! Und die 300 SEK! fürs Camping sollen sich ja auszahlen. (Die ersten Hütten bis zur Abzweigung zum Kebnekaise und Nikkaluokta kosten nochmals 50SEK p.P. mehr als bei den „normalen“ Hütten.

Und Die kalten Temperaturen aussen wie innen im See liessen sich so viel besser ertragen.

Tag 2: Abiskojaure – 4 km nach Alesjaure

25,8 km, 5h45min

Nadine

😄😐😣: 8/10

💪: 8/10

Hej! Hej! Hallo! Hej! Hejhej!

Wir kamen in den Trubel des Fjällräven Classic und kamen aus dem Grüssen uns entgegenkommender Wanderer kaum heraus. Die Grüsse der Anderen wurden uns vom starken Wind entgegengeweht. Wir liefen den ganzen Tag gegen kalten Wind an. Es war zwischen 10 und 12 Grad, gefühlt waren es etwa 5. Zum Glück kamen wir nur zweimal in kurze Regenschauer die so kurz waren, dass sich das Anziehen einer Regenhose nicht gelohnt hätte und der Wind trocknete die Kleider anschliessend binnen Minuten. Bei der Alesjaure Hütte fühlten wir uns noch fit, wollten uns die 19 Fr. pro Person sparen, das uns das Zelten dort gekostet hätte, und liefen daher weiter. Nach etwa 4 km fanden wir ein etwas windgeschütztes Plätzchen in der Nähe eines Flusses. Wir waren die ersten Camper weit und breit. Auf dem Weg hingegen zogen die Fjällräven Classic Wanderer mittlerweile wie auf einer Ameiaenstrasse an uns vorbei. Vor Sonnenuntergang ploppten dann doch noch ein paar andere Zelte in Sichtweite hervor.

Ach ja, letzte Nacht war es zeitweilen etwa 5 Grad kalt. Diese Nacht sind wir 400müM höher und es windet noch immer, also wird es wieder frisch werden.

Philippe

😄😐😣: 8/10

💪: 8/10

Die Nacht war bitterkalt und die Temperaturen  fielen bereits auf 5°C. Der Sommer sagt hier langsam Tschüss. Die Sonne vermochte uns dann am Morgen aufzutauen, sodass wir den stetig aufwärts führenden Weg im T-Shirt begehen konnten. Lange hielt das sommerliche Tenue aber nicht. Oberhalb der Baumgrenze pfiff der Wind uns eisig um die Ohren. Fleece und später Regenjacke mussten her. Gefühlt lagen die Temperaturen im Minus. Gegen den Wind und die Sonne im Gesicht – wenn sie denn mal hervor schaute- wanderten wir zuerst hinauf ins Fjäll und folgten schliesslich dem Alesjaure und anderen Seen bis zur gleichnamigen Hütte. Bleiben wollten wir nicht. Die 300 SEK wollten wir uns sparen und lieber ein paar Kilometer mehr machen, da das Wetter morgen schlechter wird.

Nach 100 gefühlten „hej“ an die entgegen strömenden Fjällräven Classic Wanderer und Warteminuten bei den Holzstegen an sumpfigen Stellen machten wir Halt an einer geschützten Stelle.

Tag 3: 4 km nach Alesjaure – Singi

33,4 km, 7h55min

Nadine

😄😐😣: 6/10

💪: 6/10

Wind und Regen peitschten unser Zelt die ganze Nacht. Der Lärm erschwerte das Schlafen und es war eine unruhige Nacht. Der Tag verlief ähnlich:

🌧️🌬☀️😎🌧️🌬❄️☀️🌈🌦️🌧️⛅

Der Wind war extrem ermüdend, vor allem am Morgen, als wir ihn voll im Gesicht hatten. Auf dem höchsten Punkt des Kungsleden (1140müM) fanden wir im Holzschopf bei der Schutzhütte (diese war voll: Fjällräven Classic) ein windstilles Plätzchen und kochten Tee. Bei Sälka standen wir vor der Wahl zu bleiben, oder weiterzuwandern. Wir erwarteten eine Sauna und eine ruhigere Hütte sowie bessere Etappendistanzen die nächsten Tage. Also liefen wir weiter. Bei den Singihütten angekommen kam die Enttäuschung. Keine Sauna :(. Da hatte wohl jemand falsch recherchiert… (und es war nicht ich :/). Wir erfreuten uns dennoch der gut isolierten und geheizten Küche und dem Aufenthaltsraum. Ich will gar nicht raus ins Zelt, das vom Wind verzerrt vor der Hütte steht.

Philippe

😄😐😣: 6/10

💪: 7/10

Wind, Wind und Regen. Der Tag wurde vom Wetter dominiert. Bei schnuckeligen 6 Grad starten wir im abwechselnden Windregen und Wind. Und so endete der Tag dann auch. Auf 1’100m beim Tjäkta-Pass schneite es gar ein wenig. Der Wind versuchte uns das Gesicht mit Regen abzuschmirgeln, schaffte es aber nur, uns eine Tonne Nasenwasser zu entreissen und unser Vorwärtskommen zu erschweren. Zudem wollten es uns die hunderten von Classic Wanderern auch nicht einfach machen.. Wie eine Horde Kühe trampelten sie den Weg zu Matsch und blockierten die unzähligen Holzstege. Kurzweilig musste Nadine mich dann füttern, da jegliches Gefühl aus meinen Händen gewichen war. Ich brauche definitiv bessere Handschuhe.  Ohne sie wäre ich nämlich verhungert 😉

Die paar Momente mit Aussicht auf die umliegenden Berge waren spektakulär und wurden gelegentlich fotografisch eingefangen. In Sälka – nach 21km – entschieden wir uns weiterzuziehen. 3h mehr. Dafür gibt’s dann eine Sauna in Singi. Nur dort gab’s gar keine. Jänu, die warme Küche war die Campinggebühr wert. Ein Tag mehr oder weniger stinken spielt auch keine Rolle mehr.

Tag 4: Singi – 5 km nach Teusajaure

27 km, 6h10min (+ 1 km by Motorboot über den Teusajaure)

Nadine

😄😐😣: 9/10

💪: 8/10

Die über 30km vom Vortag spürte ich kaum noch, nur in den Schuhen drückte es ab und an, sie sind noch nicht ganz so eingelatscht wie meine alten Schuhe. In der Nacht presste uns der Wind wieder das Zelt auf die Füsse und es war zeitweise 4°C kalt. Brrr… gut haben wir begonnen, mit der Daunenjacke zu schlafen. So hielt sich das frösteln in Grenzen. Mich friert es manchmal schon vom Gedanken an den heftigen Wind, genauso wie es mich bei Schneefall draussen leicht friert, obwohl ich schön warm habe. Das ist der Instinkt, der mich normalerweise vor einen Kamin oder unter eine kuschelige Decke treibt. Nun blieb mir nur, mich tiefer in den Schlafsack einzumummeln bis nur noch die Nasenspitze hervorschaute.

Am Morgen war das Wetter milder und uns erwartete ein sehr schöner Wandertag. Sogar die Sonne liess sich blicken und der Wind hielt sich in Grenzen. Die Landschaft bot dramatische Szenerien und so flogen die Kilometer nur so dahin. Ich war “in the zone”. Beim Teusajaure hatten wir die Wahl zwischen Ruderboot (gratis) oder Motorboottaxi (100SEK p.P / ~12.50Fr.). Wir schlossen uns mit zwei ebenso wenig erfahrenen Briten zusammen, um rüberzurudern, ein zweites Boot zu holen, und dann nochmals überzusetzen (es hat 3 Boote und es muss immer mind. 1 an jedem Ufer sein: die Hase-Kohl-Fuchs-Frage…). Unser Versuch scheiterte allerdings wegen des zu starken Windes und mangels Erfahrung schon nach wenigen Metern und wir zogen das Boot zurück ans Ufer. Dann halt doch Motorboot, wir habens versucht. ;o)

Philippe

😄😐😣: 8/10

💪: 8/10

Das Zelt bei 4 Grad zusammenzupacken und dann in die geheizte Küche der Hütte frühstücken, ja das ist himmlisch. Das Wetter war einiges besser als am Vortag und so konnten wir ab dem Vormittag endlich wieder ohne Regenzeug wandern. Die Umgebung wurde nun abwechslungsreicher. Neben gepuderten Bergspitzen tauchten wieder Birkenwälder auf und die vielen Flüsse verbanden sich zum grossen Tjäksajokk. Zwei Hochplateaus würden wir heute überqueren, das erste endete mit einer gewaltigen Aussicht hinab zum Teusajaure und dem steilen Abstieg zur gleichnamigen Hütte. Von dort aus könnte man entweder ein Ruderboot nehmen – wobei man 3x hin und her muss, weil immer ein Boot an Land sein muss – oder das Motorboot für 100 SEK. Der Wind wehte dann aber kräftig backbord, was uns Neulinge in Sachen Ruderboote für die letztere Variante entscheiden liess. Der Wind hörte dann natürlich auf, als wir auf dem See waren.

Auf der anderen Seite ging es wieder hinauf über die Baumgrenze ( ab 700m), wo wir dann zum ersten Mal ohne gross Wind campieren konnten.

Tag 5: 5 km nach Teusajaure – Saltoluokta

9,7 km, 2h30min

Nadine

😄😐😣: 6/10

💪: 6/10

Wir standen früh auf, damit wir den Bus in Vakkotovare um 11.05 Uhr bestimmt erwischen würden. Die Wanderung war dank der zusätzlichen Kilometer gestern kurz aber nicht minder spektakulär. Schon gestern Abend klarte der Himmel auf und auch am Morgen war es zu Beginn fast wolkenlos. Die Nacht war entsprechend kalt, das Kondenswater an der Zeltwand war gefroren! Doch am Morgen schien zum Glück die Sonne und diese wärmte uns bald auf. Wir wanderten über einen flachen langgezogenen Pass und hatten rechts von uns immer die mächtigen verschneiten Berggipfel des Sarek Nationalparks. Vor uns kam dann bald der nächste See in Sicht, dem wir über Mittag mit dem Bus entlangfahren und darauf mit einem Boot überqueren wollte. Auf der anderen Seite erwartete uns die Saltoluokta Fjällstation.

Wir buchten zwei Betten im Mehrbettzimmer und begannen mit der aus Neuseeland bekannten Routine: Duschen (die erste seit sechs Tagen!) Kleider waschen, Essen sortieren, neues kaufen, dieses abpacken, frisches Essen (Äpfel und Gebäck) essen, relaxen, Sauna(!), kochen, essen, schlafen. Die körperlichen Bedürfnisse sind wiedermal befriedigt. Übrigens spüren wir schon die ersten Anzeichen des Hikers-hunger, dem unersättlichen Hunger und Gelust nach Essen, vor allem Kalorienreichem. Ein Glas Erdnussbutter landete also auch im Einkaufssack.

Philippe

😄😐😣: 8/10

💪: 7/10

Heute Morgen war das Zelt im Innern von Frost überzogen und ich überlegte mir: Nehmen Pinguine ein warmes Bad, wenn sie im arktischen Meer schwimmen? Dann begannen wir den Frost an der inneren Zeltwand mit Toilettenpapier abzukratzen.

Heute war nur eine kurze Strecke angesagt. 9,4km bis Vakkatovare. Dort würde uns ein Bus und später ein Boot nach Saltuolokta Fjällstation bringen. Zuerst genossen wir aber die atemberaubende Aussicht auf die schneebedeckten Gipfel und Gletscher im Sarek Nationalpark. Dort ist die Wildnis wirklich noch eine Wildnis, dort wo sich Elch und Bär zum Abendessen verabreden.

In Saltuolokta bezogen wir ein teures 4er-Zimmer. Eigentlich sollte man bei dieser beliebten Fjällstation vorausbuchen. Ohne Netz oder mit hohen Roamingkosten geht das irgendwie schlecht. Letztlich blieben wir aber nur zu zweit im Zimmer, was den Preis wieder rechtfertigte. Nun waren aber die chores dran. Endlich sich selber und die Kleider waschen. Essen einkaufen und einfach die warme Stube geniessen.

Tag 6: Saltoluokta – Abzweigung zum Skierffe (1,5km vor Aktse)

27,5 km, 6h

Nadine

😄😐😣: 9/10

💪: 9/10

Die Nacht im Bett tat sehr gut und wir waren sogar alleine im Vierzimmer. Heute Morgen assen wir gemütlich Frühstück, checkten aus und liefen dann los. Das Wetter war prächtig, wir konnten sogar manchmal im T-Shirt laufen. Die Umgebung war hingegen vergleichsweise weniger beeindruckend heute. Doch die Seen die nach jedem Hügel zum Vorschein kamen und die endlose Weite gefielen uns schon. Und wenn wir mal stehenblieben und lauschten, hörten wir: gar nichts.

Nach 20km erreichten wir den Sitojaure. Da wir diesen per Boot überqueren mussten (zum Rudern wären es 4km gewesen und der Hüttenwart riet uns wegen des Windes davon ab), hatten wir keine andere Wahl, als drei Stunden auf die nächste Fahrt zu warten. Wenigsten gesellte sich bald ein britisches Pärchen zu uns, das wir schon in den Tagen zuvor öfters angetroffen hatten. Und die Sonne schien ja, also setzen wir uns auf die Bank, zogen das Mückennetz über den Kopf und warteten.

Als wir um 17.30 Uhr auf der anderen Seeseite ankamen, machten wir uns sogleich wieder auf. Nach 7,5km schlugen wir unser Lager auf, von hier aus werden wir morgen einen Abstecher auf den Skierffe machen.

Philippe

😄😐😣: 9/10

💪: 8/10

Frisch geduscht und in guter Laune verliessen wir Saltoluokta und wanderten die ersten 20km in schönem Wetter. Wettertechnisch war es der bisher schönste Tag. Wir konnten endlich wieder in T-Shirts laufen, hatten aber immer die Fleece Jacken als Backup zur Hand, wenn die Sonne hinter den Wolken verschwand oder wir einen Schutz vor den Mücken in den Pausen brauchten.

Danach mussten wir 3h auf das Motorboot warten, dass uns 4km weiter ans andere Ufer bringen würde. Eine der vielen Bootsüberquerungen auf dem Kungsleden. Die können ziemlich mühsam sein, da man zeitlich nicht unabhängig wandern kann und total über 100 CHF ausgeben muss.

Anschliessend wanderten wir wieder hinauf ins Fjäll. Wir bekamen unsere erste grosse Rentierherde auf dem Trail zu Gesicht und erhaschten die ersten Blicke auf den bekannten Skierffe. Morgen machen wir einen Abstecher auf diesen Berg (~1100m), der für seine 700 Meter Steilwand (davon 350m senkrecht) und die Aussicht hinunter ins Laitaure Delta berühmt ist.

Tag 7: Abzweigung zum Skierffe (1,5km vor Aktse) – Pårte

24,8 km, 6h (+ 3,2 km, 45min Ruderboot)

Nadine

😄😐😣: 7/10

💪: 6/10

Nach dem Aufstehen und Zusammenpacken machten wir uns auf Richtung Skierffe. Doch nach etwas über einem Kilometer in dessen Richtung zogen die Wolken heran und verdeckten die oberen 300m der Bergspitze. Wir machten eine Pause bei einem grossen Felsen, von dem aus wir ebenfalls schon eine schöne Aussicht auf das drunterliegende Flussdelta hatten, das den Skierffe und die Aussicht davon so berühmt macht. Nach fast einer halben Stunde war die Spitze noch immer in Wolken gehüllt und aus der Wetterrichtung zogen weitere heran. Wir entschlossen uns, wieder umzukehren. Es war nicht der erste Gipfel, der uns des Wetters wegen verwehrt geblieben war.

An den Aktse Hütten (einem alten Bauernhof) vorbei kamen wir dann an den nächsten zu querenden See. Wir hätten 7 Stunden auf das nächste Motorboot warten müssen (weshalb die nur immer im 9 und 17 Uhr fahren und nicht auch noch am Mittag ist uns ein Rätsel). Es war ausserdem windstill, also wagten wir uns ans Ruderboot heran. Das Glück war uns hold. Vom anderen Ufer her kam uns ein Boot entgegen (also mussten wir nur einmal und nicht dreimal rudern). Wir warteten noch einige Minuten und dann tauchten wie erwartet zwei Briten (Megan und Dan) auf, von denen wir wussten, dass sie den See auch baldmöglichst überqueren wollten. Dan hatte sogar Ruderbooterfahrung und bot sich an, zumindest die erste Hälfte zu rudern. Es wurde die ganze Strecke daraus (ein Wechsel auf dem See im vollen Boot wäre kritisch gewesen) und Philippe und ich waren dankbar. Wir assen noch gemeinsam Mittag am anderen Ufer und zogen dann weiter. Wir wollten noch 20km weiter nach Pårte, näher nach Kvikkjokk, wo uns ein Zero-Day (Pausentag) erwartet. Ausserdem soll es morgen regnen, also wird uns ein kurzer Tag zu Gute kommen. Heute war es zwar bewölkt aber ungewohnt warm, nur die Mücken nerven immer mehr und zwingen uns immer rasch in die Fleecejacke. An den ersten Tagen waren wir mehr über der Baumgrenze unterwegs als jetzt, und dort oben überleben die Biester nicht. Zu wenig frisches Blut und zu kalt…

Philippe

😄😐😣: 6/10

💪: 7/10

Leider war das Wetter nicht mehr so gut wie vortags und der Skierffe war in Wolken gehüllt. Wir liefen zuerst ein Stück auf den Wanderweg hinauf zum Gipfel, doch dieser blieb in eine weisse Decke gehüllt. Wir gaben schliesslich auf und kehrten zurück und weiter nach Aktse. Die Aussicht hinunter ins Delta waren aber trotzdem sehr schön.

Unten am See lag nur ein Ruderboot am Hafen und wollten wir nicht die Strecke 3x mal machen (damit immer eins von drei Booten da ist) mussten wir warten. Glücklicherweise ruderte jemand von der anderen Seite herüber. Ein britisches Paar schloss sich uns an und er übernahm gar das Ruder. Ich musste nur steuern. Zweimal Glück gehabt :-).

Danach liefen wir 20km durch wunderschöne aber Mücken verseuchte Nadelwälder und wieder ins Fjäll hinauf. Nahe bei der Hütte in Pårte schlugen wir schliesslich das Zelt im Mücken geplagten Wald auf. Alle warnten uns davor, dass es im Süden mehr Mücken habe und es unerträglich sei. Nun hat es wohl begonnen. Es ist zwar wärmer aber die Wälder sind wahre Brutstätten für die lästigen Blutsauger. Ein kurzes „Eindippen“ im See liessen wir uns aber nicht nehmen.

Weiterlesen (Woche 2)

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