HelpX: Sieben Tage als Hüttenwart

Als Teil unseres HelpX Einsatzes in Finnland amteten wir für sieben Tag als Hüttenwart. Wobei – Hüttenwart ist wohl etwas untertrieben. Mit 18 Einzel-, Doppel- und Dreibettzimmern, Restaurantbereich und Lobby gleicht die Äkäskero Wilderness Lodge eher einem Hotel als einer Berghütte. Kommt hinzu, dass es in jedem Zimmer ein Bad mit Dusche, fliessend Wasser und Elektrizität gibt.

Während einer Woche nannten wir diese Lodge unser Zuhause und Refugium und stellten uns spasseshalber als Hotelmanager vor. In der Zeit bewirteten wir fünf Wandergruppen zwischen sieben und 35 Personen, welche die geführte Mehrtageswanderung „Lapland Classic 2014“ unternahmen. Als wir uns am ersten Tag auf die erste und grösste der Gruppen vorbereiteten, war uns – alleine in der professionellen Grossküche, umgeben von einer Wand aus Kühlschränken, glänzendem Chromstahl und Kisten voller Essen – schon etwas mulmig zu Mute. Werden wir das hinkriegen? Oder werden wir vor einer Meute verärgerter hungriger Finnen in die endlosen Wälder Lapplands flüchten müssen?

Alles bereit

Bei den monotonen Abläufen, die für die Vorbereitung von etwa 40 (gefühlten 200) Sandwiches für den Folgetag benötigt wurden, konnten wir uns wieder etwas sammeln und uns mit der Atmosphäre der Grossküche vertraut machen. Unser Plan sah vor, dass wir bis 18.00 Uhr, der geplanten Ankunftszeit der Gruppe, alles vorbereitet haben sollten. Das Essen (das uns zum Glück vorbereitetet und nur zum Aufwärmen geliefert wurde) soll warm sein, Salat gerüstet, Geschirr bereitgestellt („Finnish style dinner“ heisst oft Buffet), Zimmer ordentlich, Raumaufteilung festgehalten. Und nicht vergessen: Sauna aufgeheizt! Zu unserem Glück verfügt die Lodge über einen elektrischen Saunaofen, den wir nur (früh genug) einschalten mussten und den Timer fürs Abschalten stellen konnten. Aber dass die Sauna bei Ankunft der Gäste heiss sein muss, war Pflicht und wurde uns mehrmals eingebläut: „Otherwise, you’re going to have a BIG problem!“. Nun gut, um 18.00 Uhr war die Sauna also heiss und Zimmer und Abendessen für die erste Gruppe erschöpfter Wanderer vorbereitet.

Äkäskero Lodge 1

Erste Probe für die HelpX Hotelmanager in Äkäskero

Die Ankunft verlief reibungslos, zum Glück übernahmen die Guides die Anweisungen für die Gäste auf Finnisch, denn bei älteren Generationen hat man es auch hier mit Englisch oder Deutsch nicht ganz einfach. Kaum waren die Tourenteilnehmer mit dem Gepäck auf ihren Zimmern oder bereits in der Sauna, wurde uns vom Guide die Hiobsbotschaft überbracht: Es gibt kein warmes Wasser! Eine Reihe Telefonate mit dem Organisator der Wanderung und der Kontaktperson für die Lodge folgte, bis jemand vorbeikam und feststellte, dass es ein technisches Problem mit dem Wasserboiler gab. Für heute blieb das Wasser kalt. Glücklicherweise störte das die Gäste nicht, die meisten hüpften nach der Sauna in den angrenzenden See. Die nächsten Tage mussten wir den Boiler immer für zwei Stunden anschalten, bevor die Gruppe kam, und wieder abschalten, damit er nicht überhitzt. Zwar etwas umständlich, aber als Notlösung bis die Ersatzteile kämen, gab es immerhin abends warmes Wasser.

Alle satt, alle happy

Nach einer langen Wanderung und Sauna war der Hunger der 35 Gäste natürlich gross. Kaum stürmten sie das Buffet kamen wir mit Nachfüllen und Abräumen kaum mehr nach. Die Schwingtüre zur Küche stand nicht mehr still, bis wir kurz nach 23.00 Uhr alle Wanderer verpflegt und alles abgeräumt und geputzt hatten. Wie ich an dem Abend mit müden Beinen den Weg in unsere separate Hütte und ins Bett gefunden hatte, weiss ich gar nicht mehr, nur noch wie am nächsten Morgen um 5.30 Uhr der Wecker klingelte. Noch im Halbschlaf stolperten wir durch die Dämmerung zur Lodge, brauten Kaffee, kochten Porridge und bereiteten das Frühstücksbuffet vor. Als uns jemand zehn Minuten vor der vereinbarten Frühstückszeit nach dem Porridge fragte, antwortete ich nur mit müdem halbherzigem Lächeln: „Coming in 10 minutes“.

Nachdem die Wandergruppe ihre nächste Etappe in Angriff nahm konnten wir uns endlich hinsetzen und in Ruhe frühstücken und uns für die nächste Arbeit stärken: Aufräumen, Zimmer herrichten. Als kurz vor Mittag die Gepäckstücke der nächsten Gruppe geliefert wurden und die der letzten eingeladen wurden, waren wir auf dem Weg zu unserer Hütte für ein wohl verdientes Nickerchen.

Von Langeweile keine Spur

Die folgenden Gruppen waren kleiner und bei uns stellte sich bald eine Routine und Effizienz ein, sodass unsere Arbeitseinsätze mit jedem Tag etwas kürzer und leichter wurden. Wir fanden auch ein wenig Zeit für uns zwischen den Einsätzen am Vor- und Nachmittag und konnten an einem sonnigen Tag auf dem nahegelegenen See Kanufahren gehen. Der See war aber eher ein Teich und nach einer halben Stunde waren wir um das ganze Gewässer rumgepaddelt. Da blieb uns noch genügend Zeit gemütlich Mittagessen zu kochen und uns anderweitig zu erholen.

Äkäskero Philippe

Es lief auch alles glatt in der Lodge, bis wir am letzten Abend erneut Probleme mit dem Wasser hatten. Dieses Mal kam aus dem Hahn nicht mal kaltes Wasser, sondern nur ein leises Gluckern und Glucksen. Sh**. Wieder das Handy gezückt und rumtelefoniert. Es stellte sich heraus, dass ein Nachbar das Wasser für seinen Umbau abstellte und davon ausging, die Lodge sei leer (wie sonst üblich von April bis November). Glücklicherweise schaltete er das Wasser wieder ein, kurz bevor die Wandergruppe ankam.

Auch dieses Hindernis gemeistert verlief die letzte Beherbergung reibungslos. Am Morgen stellen wir schon fast etwas wehmütig die Stühle auf die Tische – belebt und laut gefiel uns die Lodge dann doch besser als erwartet.

Über unseren ersten HelpX Einsatz bei Hippies in Südschweden erfährst du hier.

Mehr Fotos zu Äkäskero

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