Roadtrip durchs Outback – von Townsville nach Alice Springs

2’100 Kilometer, 11 Ortschaften, eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 90 km/h und ein hitziger Campervan. Unser Roadtrip durchs Outback nach Alice Springs – ins rote Herzen von Australien – konnte endlich beginnen.

Nach unserer Wanderung auf Hinchinbrook Island verbrachten wir noch zwei Tage in Townsville („sunny and 24 degrees“), genossen häusliche Annehmlichkeiten und genau, ein angenehmes Klima. Ein einigermassen strenger Zeitplan (für unsere Verhältnisse) hinderte uns an weiteren müssigen Tagen am Laptop und auf der Couch. Ende August wollen wir nämlich bereits in Hobart sein!

2’100 Kilometer wären bei konstanten 110 km/h (und mehr im Northern Territory) und ein klimatisiertes Auto vielleicht gar keine grosse Sache gewesen. Wir zuckelten aber mit 90 und immer mit einem Auge auf der Temperaturanzeige dahin. Mehr als 400 Kilometer am Stück waren wir mit Mitsy noch nie gefahren. Ob das gut geht? Hoffentlich überlebt es die alte Dame.

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Roadtrip Outback 1. Tag – Townsville bis vor Richmond

Die Umgebung der ersten paar hundert Kilometer unterschied sich gar nicht so krass von Townsvilles, das seit zwei Jahren an einer Dürreperiode leidet. Trocken war es also bereits. Schliesslich wurden die Eukalyptuswälder immer spärlicher, das Gras trockener und wir wunderten uns, warum die Kühe/Büffel nicht daran erstickten.
Spätestens nach Charters Towers war es dann fertig mit Zivilisation (Handyempfang) und Grün. Die Landschaft wurde monotoner, jede Kurve war ein Highlight, Strommasten, eine Eisenbahnschiene und die Strasse bildeten eine Einheit auf dem Weg durchs Outback. Die Eintönigkeit versetze uns in einen schläfrigen, meditativen Zustand. Bald halfen nur noch laute Musik und Podcasts vor dem Einschlafen. Und das seltene Grüssen entgegenkommender Campervans. Wobei nur die Traveller und Grey Nomads (Rentner, die für mehrere Monate oder Jahre meist mit Wohnmobil oder Wohnwagen durch Australien touren) mitmachten. „We are alle tired travellers on the road.“

Aber ganz so schlimm war es dann auch nicht mit der Eintönigkeit. Ab und an bot sich Abwechslung. Ein garantierter Wachmacher waren die Tiere, ob lebendig oder tot.
Lebend waren es vor allem die Adler (noch nie so viele gesehen!) und Krähen. Diese taten sich an den zahlreichen toten Tieren gütlich, die wir nie in lebender Form sahen. Kängurus, Kühe, wilde Schweine und ein paar Federhaufen zierten die Strasse. Manche bis zur Unkenntlichkeit plattgedrückt, andere auf das doppelte ihrer Grösse aufgedunsen. Wir warteten nur darauf, dass ein Vogel den Gasballon zum Platzen brachte und sich eine Explosion aus Gedärmen über die Strasse verteilen würde. Diese würde jeden Reisenden garantiert aus der Langeweile des Geradeausfahrens holen. Und wenn nicht, dann der Verwesungsgestank, der sich in unschöner Regelmässigkeit im Auto bemerkbar machte. Offene Fenster sind auf dem Flinders Highway eine gefährliche Sache! Der Gestank verwesender Kühe werden wir immer mit dieser Strasse in Erinnerung behalten.

Am ersten Tag hatten wir es dann nicht so weit geschafft, wie geplant. An einer der vielen Raststätten (Plumpsklos und einige überdachte Picknickbänke mitten im Nirgendwo) hielten wir für die Nacht. Und plötzlich verwandelte sich die Einöde in ein atemberaubendes Farbenspiel. Die Sonne ging langsam unter. Während einer halben Stunde offenbarte sich uns der Moment, auf den wir gewartet hatten. Ein Sonnenuntergang im Outback! Keine Beschreibung, kein Bild war übertrieben. Obwohl keine spektakuläre Szenerie vor uns lag, war es wunderschön anzusehen, wie sich die Farbtöne im Osten und Westen veränderten. Wir verstanden sofort, wieso manch Reisender seine Zeit lieber im Outback als an der Küste verbringt.

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Farbenspiel

Mit der Dunkelheit kamen die Kälte und die Sterne. An beides waren wir nicht gewohnt. Plötzlich waren die Hände und Füsse wie Eiszapfen. Wie schnell man doch in der Wärme vergisst. Und der Sternenhimmel war so viel grösser als je zuvor. Die Milchstrasse zog sich über die ganze Himmelskuppel, von einem zum anderen Horizont. Wahnsinn!
An kalte Nächte mussten wir uns erst wieder gewöhnen. Erst nach Sonnenaufgang tauten wir in den wärmenden Sonnenstrahlen und später mit der Heizung im Auto wieder auf. Eine solche Heizung ist ja schon was Praktisches. Sie hilft uns auch mit dem Trick 77, wenn Mitsy bzw. der Motor zu heiss wird. Genau: Heizung und Lüftung an, Wärme marsch. Was am Morgen toll ist, ist bei der Mittagsonne nur mit offenem Fenster möglich. Und was passiert wenn man das Fenster während der Fahrt durchs Outback öffnet? Genau!

Roadtrip Outback 2. Tag – vor Richmond nach Camooweal

Mit gemächlichem Tempo – die road trains (Lastwagen mit über 50 Metern Länge) überholten uns! – fuhren wir Richtung Mt. Isa. Es ist eine Minenstad, die aus dem Boden gestampft wurde und auch so ausschaut. Einen Subway und McDonalds in der Pampa zu sehen, ist wirklich absurd. Absurder als das rot angemalte Schiff irgendwo am Strassenrand mit der Aufschrift: „Lake wanted, boat grumpy“

Die Minenjobs müssen schon unglaublich gut bezahlt sein, um hier her zu ziehen. Im Winter mag es noch recht angenehm sein – ein kühler Wind weht, die Sonne brennt, und die Temperaturen sind unter 20 Grad. Aber was ist bitteschön mit dem Sommer?!

Die Szenerie entlang des Highways wechselte alle paar hundert Kilometer. Mal Bäume mit Gras, ohne Grass, auf Hügel oder vom Feuer angekohkelt. Die einzige Konstante waren die Bäume. Und deren Anzahl überraschte uns schon. Sogar auf dem furztrockensten Stückchen Sand wuchsen vereinzelte, krüpplige Bäume.
Der Tag war lang und anstregend. Mein rechter Arm und das rechte Bein schliefen ein. Und das Hirn trieb so seine Spässchen. Oder wieso trugen die hiesigen Termitenhügel T-Shirts, Kleider und Leuchtwesten und hielten eine Dose Bier in der Hand? Ein paar Autofahrer müssen wirklich verrückt geworden sein.
Mit den letzten geistigen Reserven fuhren wir zum kleinen Ort Camooweal (301 Einw.) und seinem Freecamping Platz ein wenig ausserhalb. Ein weiteres Farbenspiel stand an.

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Roadtrip Outback 3. Tag – Camooweal nach Devil’s Marbles

Die Nächte draussen im Outback sind nicht nur wegen dem Sternenhimmel und der Kälte 😉 toll. Diese Stille ist … ja, still. Das Outback frisst alle Geräusche. Nicht wirklich alle. Tiere, der Wind, Menschen. Aber irgendwie ist es doch still.
An diesem dritten Tag wechselten wir die Staatsgrenzen. Und wir hätten es auch ohne Schild geschnallt, dass wir Queensland verlassen hatten und nun im Northern Territory waren. Das Geschwindigkeitslimit schnellte auf 130 km/h rauf und die Landschaft wurde noch ausgetrockneter. Kein Wunder, hatte Queensland hier seine fadengrade Grenze gezogen. Und die Benzinpreise stiegen auf über 1.80 AUD.

Landschaftlich änderte sich der Staatenwechsel von erkennbarer Landwirtschaft und vielen Bäumen zur Prärie und der Haltung von Kühen ohne Zaun. Überraschenderweise gab es viel weniger tote Tiere auf der Strasse (und wenn, dann nur Kühe). Die vielen Kühe, Pferde, Kängurus, Adler, Emus usw. waren plötzlich von der Bildfläche verschwunden. Waren wohl alle Queenslander. Höhö

Der Gestank von toten Tieren quälte uns also weniger, umso mehr aber die vermehrt auftretenden Viehtransporter. Road trains mit drei Wagen voller Kühe. Die Lust bzw. der Konsum der Fleischfresser geht hier soweit, dass Tiere lebend mehrere tausend Kilometer durch die Pampa gekarrt werden, sodass Herr und Frau aus X (beliebiges westliches Land einsetzen) jeden Tag sein Stück Fleisch essen können.

Tierischen Zuwachs gab es dann doch noch in Form der gemeinen Arschlochfliege. Das sind keine faulen Säcke, die durch Urbanisierung und Überfluss träge geworden waren. Nein, das sind knallharte Outback Fliegen. Haben sie dich einmal im Visier, lassen sie nicht mehr locker. Egal, ob du ihnen eins auf den Deckel gibst oder ein Orkan weht. Taffe Biester.

Und dann war es soweit. Wir erreichten „the junction“. Auf der Karte hatte die Strassenkreuzung riesig gross ausgesehen. Von so einem Ort erwartete man Episches. Schliesslich treffen hier die zwei wichtigsten Verkehrsachsen des Outbacks aufeinander, die Ost mit West und Nord mit Süd verbanden. In der Realität war es eine Strasse, die auf eine andere trifft, irgendwo in der Pampa, und das Strassenschild besagte: Rechts Darwin, links Alice Springs. Das war’s.

In Tennant Creek machten wir kurz halt, um zu tanken (kreisch) und eine kalte Dusche in einem öffentlichen Park zu nehmen (kreisch).
Erstmals trafen wir auch auf eine grössere Anzahl von Aborigines. Bisher machten sie sich eher rar. Hier im Northern Territory, wo grosse Teile des Landes reines Aborigines Gebiet sind, gibt es entsprechend viele.

Unser Tagesziel lag aber noch hundert Kilometer weiter entfernt. Die Devil’s Marbles waren unsere erste Sehenswürdigkeit im Outback und der Campspot dort war unser Rastplatz für die Nacht.
Die tonnenschweren, abgerundeten Felsen aufeinandergestapelt mitten im Nirgendwo zu sehen, war schon „mind blowing“. Die Steinformationen boten geniale Fotosujets in den Abend- und Morgenfarben des Outbacks. Dies lockte natürlich Touristen aller Art an und brachte die üblichen Auswüchse des Tourismus mit sich. Es war jedenfalls ein riesen pain, ein Foto im schwindenden Sonnenlicht zu schiessen, ohne das einer dieser verdammten Idioten auf den Felsen rumkraxelte. Am liebsten hätte ich ihnen ihren GoPro Stick in den A*** gerammt. Die Aborigines sind für die meisten Touristen ja nur toll, wenn man sie sich im Schaukasten anschauen kann. Oder wenn es um ein Mitbringsel für Zuhause geht. In der restlichen Zeit scheisst man auf sie und ihre Kultur und ihre heiligen Stätten. Leider können noch so viele Ignoranten vom Uluru runterfallen, ändern tut sich nichts.

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Devil’s Marbles Outback

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Devil’s Marbles Outback

Roadtrip Outback 3. Tag – Devil’s Marbles nach Alice Springs

Unser letzter Tag auf dem Roadtrip nach Alice Springs begann wie am Vortag eine halbe Stunde später. Trotz der Zeitverschiebung seit der Staatsgrenze (wieso 30 Minuten?!) hatten wir den Sonnenaufgang richtig getimed. Und niemand sonst war wach oder bestrebt, die Felsen hochzusteigen. Yeah.

Die Strasse erwartete uns mit einem unbegrenzten Tempolimit. Dies war uns nicht sonderlich von Nutzen. Doch fuhren wir jetzt 100 km/h. Dank eines bemerkenswerten Lichtblicks mechanischem Gespürs fanden wir nämlich heraus, dass wir zu wenig Wasser im Kühler hatten! Halt, halt, so dumm waren wir nicht, dass wir das Wasser nicht regelmässig gecheckt hätten. Der Wasserstand war immer voll. Dachten wir zumindest. Bis mein Finger die Wasserblase zum Platzen brachte. Zwei Liter später war der Kühler wieder voll und später die Nadel auf dem Tacho in viel grünerem Bereich. Mit Heizung, versteht sich.

Mit 100 km/h „brausten“ wir Alice Springs entgegen. Dies würde uns zwar mehr Benzin kosten, doch das Autofahren hatten wir erst mal satt.
Das erste Zeichen von Alice Springs war der Empfangsbalken auf dem Handy. Wenig später erreichten wir dann endlich Alice Springs, das anders war, als gedacht. Irgendwie mehr Las Vergas, nahmen wir an. Es war schon künstlich, Burger King (heisst hier Hungry Jacks) und Konsorten waren alle hier, aber es wirkte nicht unpassend und auch nicht übertrieben. Der Blick vom Lookout auf die Stadt hinunter änderte daran nichts. Wahrscheinlich waren wir einfach froh, angekommen zu sein.

Das Überraschendste war wohl der Benzinpreis. 1.34 AUD. So wenig hatten wir in Queensland nur an wenigen Orten bezahlt. Tourismus, Halleluja!

So stürzten wir uns wagemutig in den Samstagnachmittags-Einkauf (für die nächsten 8+ Tage) und nächtigten kulturgeschockt auf einem assigen, aber günstigen Backpacker/Bogan Campingplatz.
Wir waren reif für die Wanderungen in den West MacDonnell Ranges und den Lara Pinta Trail!

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Devil’s Marbles Outback

 

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