Der Poopday – oder wie wir uns eine Auszeit gönnen

Wir sind jetzt seit über 10 Monaten unterwegs. Es gab Wochen, da waren wir fast jeden Tag an einem neuen Ort. Oder wir waren in Europa tagelang mit Couchsurfing unterwegs und hatten nie ein Zimmer geschweige denn Momente für uns. Und da kommt so einiges zu kurz; vor allem wenn man als Paar reist. Für ernsthafte Gespräche und Zweisamkeit, oder um seine Gedanken zu sammeln und Gesehenes zu verarbeiten bleibt dann oft keine Zeit und Energie.

Bevor uns das Reisen und alles andere zu viel wird und uns ein Reiseloch droht, gönnen wir uns einen „Poopday“.

Wir müssen von Zeit zu Zeit eine Rast einlegen und warten, bis unsere Seelen uns wieder eingeholt haben.
― Indianische Weisheit

Der Poopday

Der Ausdruck ist (leider) keine Erfindung von uns. Man kennt den Poopday einerseits im Amerikanischen im Zusammenhang mit dem Superbowl: Während des Spiels werden so viele ungesunde und fettige Sachen gegessen, dass ein Massenfurzen die logische Konsequenz ist (Poopday = Superbowl Sunday). Ausserdem gilt ein Schlechtwettertag – vorallem an einem Sonntag – als Poopday. Wir nannten das früher „Pyjama-Tag“. 😉

Poop heisst aber übrigens nicht nur Pups/Furz. To poop out heisst auch, erschöpft aufzugeben. Ab und zu dürfen wir das und einfach mal zurücklehnen. Unser Poopday ist also kurz gesagt ein Ruhetag. Er hat mehrere Kriterien zu erfüllen und dient in erster Linie dazu, die persönlichen Batterien wieder aufzuladen, vernachlässigte Bedürfnisse zu befriedigen und Erlebtes zu verarbeiten. Wie oft er stattfindet, hängt vom Energielevel und der Möglichkeit ab, alle Kriterien zu erfüllen.

Für einen Poopday aus dem Lehrbuch von gustofrenzy müssen folgende Kriterien erfüllt sein:

Eigenes Zimmer

Dies war bei uns vor allem in Europa ein Bedürfnis. In Südostasien hingegen hatten wir mit Ausnahme einiger weniger Nächte in Dorms immer ein eigenes Zimmer.

Wir sind schon seit bald 9 Jahren ein Paar, also können wir uns auch ohne Worte verständigen und brauchen nicht Stunden der Zärtlichkeit um zu wissen, wie viel wir dem anderen bedeuten. Aber dennoch ist es schön, wenn wir von Zeit zu Zeit zusammen sein können, ohne erwarten zu müssen, dass gleich unsere Gastgeberin am Bettsofa im Wohnzimmer vorbeiläuft oder unsere Schlafsaalnachbarn beginnen, abschätzig zu fluchen . Dasselbe gilt wohl für Alleinreisende, wenn man sich nicht nonstop mit Mitreisenden unterhalten oder von anderen Zimmergenossen gestört werden will. Und wenn du einige Wochen im Zelt unterwegs warst, wie wir das in Island und Norwegen machten, dann ist ein Bett und eine Tür ein echtes Highlight! Ein eigenes Zimmer gehört also definitiv zum Poopday.

In Südostasien kannst du dir für den Poopday vielleicht ein etwas teureres Hotel am oberen Ende deines Budgets gönnen, um dich richtig gut entspannen zu können und auch wiedermal eine ungestörte und bequeme Nacht zu haben.

Eigenes Badezimmer

Duschen wann du willst, deinen Kulturbeutel offen rumliegen lassen, ohne Gedanken an deine Zimmergenossen aufs WC gehen. Das alles sind Vorteile eines eigenen Badezimmers auf Reisen. Das erwähnte eigene Zimmer sollte also bitte „Ensuite“ sein, also über ein eigenes Badezimmer verfügen. 🙂

Mehrere Nächte am selben Ort

Mindestens zwei Nächte an einem Ort geben dir sicher einen Tag, an dem du deinen Rucksack nicht packen musst. Ein längerer Aufenthalt gibt dir neben der Möglichkeit zum süssen Nichtstun die Gelegenheit Wäsche zu waschen, deine Finanzen zu organisieren, Computerbackups durchzuführen und … auszuschlafen (siehe dazu auch den ersten Punkt)!

Wir halten uns den Tag jeweils frei, machen keine fixen Termine ab und planen kein Sightseeing für diesen Tag. Wir leben in den Tag hinein und machen, was wir wollen. Lust auf eine TV-Serie? Schau sie dir an. Lust, den ganzen Tag im Bett rumzugammeln? Niemand hält dich davon ab. Du hast Lust, deinen Blog zu unterhalten oder mit deinen Liebsten zu Skypen? Ja wenn du meinst…

There’s never enough time to do all the nothing you want.
― Bill Watterson

Reflektieren und Verarbeiten

Der Poopday gibt dir Zeit zum Reflektieren und Verarbeiten des Erlebten. Du kannst Tagebuch schreiben, mit deinem (Reise-)Partner das weitere Reisevorgehen besprechen, dir überlegen, was dir in den letzten Tagen oder Wochen gefehlt hat, was du verpasst hast oder noch machen möchtest. Am Poopday wirst du merken, dass du im Flow des Reisen kaum Zeit dafür hattest, dir wirklich Gedanken darüber zu machen, was du überhaupt tust.

Ab und zu stellen wir uns die grundsätzlichen Fragen: Wo sind wir gerade? Was machen wir hier? Wollen wir hier sein? Welches Bedürfnis kam in letzter Zeit zu kurz? Sind wir noch auf der Spur? Was wünschten wir uns, als wir hierher kamen und haben sich diese Wünsche erfüllt?

Der Poopday half uns oft, uns wieder auf die Spur zu bringen, uns über unsere Bedürfnisse und Pläne klar zu werden und Inspiration zu erfahren.

Reflection: looking back, so that the view looking forward is even clearer

Wir wünschen dir einen happy Poopday! 🙂

Teil dich mit

Hattest du auch schon das Bedürfnis nach einem Poopday oder wie holst du dir Ruhe in den Reisealltag? Teil uns deine Erfahrungen in einem Kommentar mit.

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