Phnom Penh – Sightseeing und Geschichte

Phnom Penh war unsere erste Station in Kambodscha. Ein paar Unterschiede zu Vietnam stellten wir bereits an der Grenze fest.

Grenzübergänge in Asien sind ja ein Thema für sich. Doch die Passformalitäten am kambodschanischen Zoll wurden wesentlich effizienter als in Vietnam abgewickelt. Das kam unerwartet. Vielleicht lag’s am Trinkgeld oder wir hatten einfach einen guten Zeitpunkt abgepasst. So genau kann man es nie wirklich sagen. Trotz der „schnellen“ Abwicklung hatten wir sofort den Eindruck, dass es in Kambodscha ein wenig gemütlicher und ruhiger abläuft.

Dieser bestätigte sich bei unserer Ankunft in Phnom Penh. Es war fast schon still. Verkehrslärm usw. hatte es natürlich, aber das gewohnte Hupen aus Saigon fehlte plötzlich. Das gleiche galt für die Leute. In Vietnam scheint Schreien eine normale Stimmlage zu sein. Wenn sich zwei auf einem Roller unterhalten, hört man dies noch aus zehn Metern Entfernung. In Phnom Penh: kein Geschrei. Sogar die Tuk-tuk-Fahrer waren ungemein zurückhaltend; zumindest musste man nicht fünfmal „Nein, Danke“ sagen. So starteten wir angenehm überrascht unsere Zeit in der Hauptstadt Kambodschas.

Rundgang in Phnom Penh

Am besten lässt sich eine Stadt zu Fuss oder mit dem Roller erkunden. Wir entschieden uns für die langsamere Variante.

Zentralmarkt von Phnom Penh

Das gelbe Gebäude mit dem Kuppeldach ist schon von Weitem zu sehen. Im Gegensatz zum Russischen Markt, ist es hier weniger touristisch. So konnten wir ungestört zwischen den Ständen in der Halle und in der Zeltstadt vor dem Gebäude herum schlendern. Der Zentralmarkt bietet das übliche Spektrum an Kleidern, Nahrungsmitteln, Garküchen und vieles mehr. Wir haben uns wie üblich durch die lokale Küche probiert. Auf den ersten Blick ist es ein Mix aus verschiedenen Einflüssen der umliegenden Länder.

Phnom Penh Markt

Königspalast

Unser Rundgang führte weiter durch die Stadt entlang gigantischer Botschaften wie jener der USA oder der von Frankreich. Später in Siem Reap versuchte uns der neuseeländische Besitzer unseres Hostels den Grund dafür zu erklären. Ganz genau wissen wir es nicht mehr, aber die Grundstückspreise etc. waren für den Gigantismus mitverantwortlich.
Der Tempelanlage What Phnom (einer von vielen in Phnom Penh) statteten wir einen kurzen Besuch ab. Der Eintritt war es aber nicht wirklich Wert. Liegt vielleicht daran, dass wir schon zu viele solcher Anlagen gesehen haben. Von der Architektur her ähneln die kambodschanischen Tempel jenen aus Thailand, weisen aber z.B. Unterschiede bei der Wahl der Ornamente auf, soweit wir es als Laien halt beurteilen können.
Dem Tonle Sap Fluss folgten wir auf einem schönen Promenadenweg bis zum Königspalast. Rein sind wir nicht. Paläste hatten wir bis dato genug gesehen und die kommenden Sightseeing-Tage in Angkor Wat hatten wir ebenfalls im Kopf. Weitaus spannender war der Platz vor dem Eingang zu Königspalast. Tagsüber ist dort nicht viel los. Am Abend wimmelt es hingegen von Menschen, die die Grünflächen als Versammlungsort, Spielplatz oder erweitertes Wohnzimmer nutzen. Familien, Mönche, Teenager und Strassenverkäufer (endlich wieder frisches Zuckerrohr!) sitzen verstreut in Gruppen auf dem Rasen, essen, reden und lachen gemeinsam. Kinder lassen Drachen steigen, und wenn diese zu hoch sind, holen die Ordnungshüter sie runter. Das hört sich vielleicht unverhältnismässig an, aber ein paar der Drachen konnte man kaum noch erkennen. Am interessantesten war vielleicht die Beobachtung der Mönche. Die Vorstellung des asketischen Mönchs im Schneidersitz kollidierte mit der Wirklichkeit von Smartphones und Selfies.

Phnom Penh Mönch

Kulinarischer Tipp für Phnom Penh

  • Gleich neben unserem Hostel gab es zwei vegetarische Restaurants. Wir nutzten die seltene Gelegenheit und wurden zu Stammkunden. Das Surn Yi Vegetarian Restaurant hat es uns besonders angetan. Die Küche ist taiwanesisch und als Fleischersatz kommen oft versch. Pilze vor. Wo: Facebook
  • Zuckerrohr alias Sugar Cane: Seit Vietnam sind wir den geschälten Stückchen erlegen. Du findest es meist bei fahrenden Händlern ausgestellt in einem mit Eis gefüllten Glaskasten. Noch häufiger kommt es als frischgepresster Saft vor.

Mehr Fotos zu Phnom Penh

Phnom Penh und die schockierende Geschichte der Killing Fields

Eine der Gründe für unseren Besuch in Phnom Penh liegt mit der dunklen Vergangenheit Kambodschas zusammen. Wir wollten mehr über den Genozid in den 70er erfahren.

Killing Fields – Choeung Ek

Die damalige „Regierung“, die Rote Khmer, verschuldete den Tod von ein bis zwei Millionen Menschen durch Mord, Hunger und Erschöpfung. Das war ein Viertel der damaligen Bevölkerung. Mit dem Ziel, die Gesellschaft mit Gewalt in einen Agrarkommunismus zu überführen, tötete das Regime von Pol Pot die gebildete Bevölkerungsschicht (und viele andere). Dabei galt schon die Fähigkeit zu lesen oder die Eigenschaft, zierliche Hände zu haben, als Todesurteil.

Die sog. Killing Fields gibt es überall in Kambodscha (ca. 300). Das Todeslager Choeung Ek in Phnom Penh ist das bekannteste. Dieses erreicht man am besten mit dem Tuk-Tuk über staubige und vermüllte Strassen. Auf dem Weg dorthin sahen wir nicht zum ersten Mal den krassen Kontrast zwischen Arm und Reich. Moderne Gebäude im Zentrum und Blechhütten und Armut ausserhalb.

Die Tour durch das Todeslager – 17’000 Menschen starben hier – war schockierend. Kleinere Knochen und Kleidungsresten, die nicht ausgegraben wurden, liegen sichtbar herum. Der Regen spült diese regelmässig aus dem Untergrund an die Oberfläche. Schilder weisen darauf hin, nicht auf Knochen zu treten. Die Mitarbeiter sammeln die Überreste regelmässig ein. Der direkte Kontakt mit diesen Zeitzeugnissen geht an die Nieren.

Phnom Penh Killing Fields 1

5’000 Schädel von Opfern stapeln sich derweil in der Gedächtnis-Stupa (Gedenkstätte) zu einem Turm auf und ein mit farbigen Bändeln geschmückter Baum zeugt von den schrecklichen Geschehnissen. Die Aufseher schmetterten Säuglinge und Kinder gegen den Stamm, weil es die einfachste und billigste Methode des Tötens war. Alle anderen Opfer tötete man mit Hacken, Macheten, Bambusstöcken und Eisenstangen, da Munition zu teuer war.

Der Rundgang dauert etwa zwei Stunden. Im Preis inbegriffen ist ein Audioguide, mit dem man die verschiedenen Stationen ablaufen kann. Die Gebäude existieren nicht mehr, Informationsschilder und die Info über den Audioguide müssen deshalb aushelfen. Preis 6 USD.

Phnom Penh Killing Fields 2

S-21 Gefängnis in Phnom Penh

Das ehemalige Gefängnis S-21 in Phnom Penh ist heute ein Genozid Museum und geht meistens mit einer Besichtigung von Choeung Ek einher. Früher diente es als Folter- und Verhörort, um erzwungene Geständnisse aus den Gefangenen zu holen. Diese wurden anschliessend nach Choeung Ek gebracht und dort getötet.

Das S-21 erinnerte uns stark an das House of Terror in Budapest, welches man ebenfalls unbedingt besuchen sollte. Von den 20’000 Gefangenen überlebten gerade sieben Personen. Getrocknetes Blut zierte noch immer die Bodenkacheln der Gefangenenverschläge. Die Besichtigung der Zellen mit den Bildern von den Gefangenen und Leichen war erschütternd. Insbesondere die Vor- und Nachher-Bilder der Folter-Opfer sind grausam.

Phnom Pneh Killing Fields 3

Dieser Tag hat uns nachdenklich gemacht. Es ist kaum zu glauben, dass die Ereignisse in Kambodscha weniger als 40 Jahre zurückliegen. Und trotz des Wissens um solche Gräueltaten hat sich heute im Jahr 2015 nichts geändert. Ein Blick nach Syrien oder in afrikanische Länder reicht, um zu sehen, dass sich die Geschichte wiederholt.

Mehr Fotos zu den Killing Fields

Leseempfehlung

Wer mehr über Kambodscha, Phnom Penh und den Genozid und die Killing Fields erfahren möchte, kann dies nachlesen. Alle erwähnten Bücher wurden uns von Leuten empfohlen, die sie bereits gelesen haben oder noch dran sind.

Wenn du noch ein wenig mehr zu den schrecklichen Ereignissen in Phnom Penh erfahren möchtest, kannst du dies im Post  “Das Tor zur Hölle” von Rapunzel-will-raus tun. Gute Infos zu den einzelnen Sehenswürdigkeiten von Phnom Penh gibt es auf Wikitravel.

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Warst du schon selber in Phnom Penh und hast ähnliche Erfahrungen gemacht? Oder hast du noch Fragen zu Kambodschas Hauptstadt? Schreib uns einen Kommentar.

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