Noch 1 Monat bis …

 … wir unsere Fernwanderung in Neuseeland starten. Letzte Vorbereitungen für den Te Araroa Trail werden getroffen. Wie fühlen wir uns? Was machen wir? Was geht uns durch den Kopf?

Ein weiteres Kapitel

Da wir mittlerweile seit fast 1,5 Jahren am Reisen sind, wird Neuseeland nach Europa, Südostasien und Australien ein weiteres Kapitel unserer Reise darstellen. Und ziemlich sicher das letzte dieser Reise-Episode, denn … naja, denn wir werden danach kein Geld mehr haben.

Seit wir begonnen hatten, Geld zu verdienen, was vor über zehn Jahren war, sparten wir uns langsam ein Guthaben an. Während einer sieben monatigen Reise nach Neuseeland in 2009 gaben wir fast alles wieder aus. Danach begannen wir wieder, Geld zur Seite zu legen. Bis wir uns an einem Punkt (ich glaube es war vor etwa zwei Jahren) entschlossen, wieder alles für eine Reise auszugeben. Und so reisten wir im April 2014 los, ohne einen wirklichen Plan, einer Route oder einer Idee darüber, wann (oder ob) wir wieder zurück in die Schweiz gehen würden.

Titelbild Kungsleden 2

Wandern auf dem Kungsleden in Schweden

Wir überlegten uns, unterwegs Geld zu verdienen, konnten uns aber nie komplett für diese Idee begeistern. Arbeitsscheu waren wir aber keines Falls. Diesen Blog aufzubauen und zu unterhalten kostete (und kostet noch immer) viele (unbezahlte) Stunden Arbeit und wir arbeiteten ausserdem an einigen Orten für Kost und Logis (helpx in Schweden, Finnland, Australien).

Und dann?

Dank diesen Arbeitseinsätzen, dem langsamen Reisen und da wir über unsere Ausgaben Buch führen, war es uns möglich, uns an ein Budget von ca. CHF 30.00 pro Tag pro Person zu halten. Egal wo wir reisten, sei es Island, Türkei, Vietnam oder Australien. Wir planten unsere Reisedestinationen oder die Dauer unseres Trips nicht mit diesem Budget (wir planten nie mehr als einige Tage oder Wochen im Voraus). Aber nach einer Weile fanden wir heraus, dass uns dieser Betrag ein (für uns) angenehmes Niveau an Komfort, aber dennoch eine interessante Herausforderung bieten würde.

Titelbild Günstig Übernachten

Camping in Island

Doch, auch wenn du nicht viel Geld ausgibst, wird Reisen ohne Geld zu verdienen dein Bankkonto irgendwann leeren. Ganz die verantwortungsvollen Schweizer 😉 möchten wir nicht irgendwo mit den letzten Cents in der Tasche festsitzen, sondern lieber mit genügend Geld zurückkehren, sodass wir auch einige Wochen ohne Geldverdienen auskommen können.

Langer Rede kurzer Sinn, nach Neuseeland wird nicht mehr viel Geld übrig sein. Also werden wir wieder nach Hause gehen, anfangen Geld zu verdienen (um es für die nächste Reise zu sparen 😉 ) und ich werde vermutlich wieder mit Studieren beginnen.

Titelbild-Spenden-Muesli-bar

Übrigens: Falls du uns während der Wanderung unterstützen möchtest, klicke auf den Müesli-Riegel-Banner und schau, wie du uns helfen kannst. Cheers 🙂

Das wird also nach unserer Fernwanderung auf dem Te Araroa Trail in Neuseeland geschehen. Aber zuerst, ja zuerst werden wir 3’000 Kilometer durch eines der schönsten Länder der Welt wandern.

Eine Wanderung durch Neuseeland planen

Auf dem Te Araroa Trail zu wandern war nicht Teil unserer (inexistenten) Reisepläne, als wir die Schweiz verliessen. Obwohl wir wussten, dass wir sehr gerne nach Neuseeland zurückkehren würden, dachten wir nicht daran, von Nord bis Süd durch das ganze Land zu wandern. Wir hatten ja nicht einmal eine Ahnung vom Te Araroa Trail. Eigentlich hatten wir bis Ende letzten Jahres noch nicht einmal eine Ahnung von diesem ganzen „Fernwandern“-Ding.

Daher begannen wir mit der Planung und Organisation der Wanderung als wir „on the road“ waren. Sogar sprichwörtlich, als wir während unserem Roadtrip durch Australien fuhren.

Roadtrip-Townsville-Alice-Springs-2

Unterwegs in Australien

Aber das war nicht ideal. Denn sich für eine Fernwanderung vorzubereiten, braucht viel Zeit und einen Ort, um die ganze Ausrüstung zu organisieren (wir basteln auch einiges selbst). Ausserdem waren wir erschöpft und brauchten eine Pause vom Reisen. So entschlossen wir uns, zwei Monate in Hobart in Tasmanien (siehe Titelbild) zu verbringen. Und hier sind wir gerade. Wir leben temporär sesshaft zwischen zwei Reisekapiteln, verarbeiten die vergangen Monate und sinnieren über die Zukünftigen.

Die Tage füllen

Im Moment fragen uns viele Leute, was wir den ganzen Tag lang tun, so ganz ohne Arbeit und ohne, dass wir tagelang unterwegs sind und Tasmanien entdecken (das machten wir bereits im März/April).

Also, hier sind einige Dinge, die unsere Tage in Hobart füllen:

Wir lesen. Viel. Von Graphic Novels über Bücher über Achtsamkeit und Meditation, Ultrarunning, Design, Simplicity und Tiny Houses (wir lieben sie!), bis hin zu Biografien und Sachbüchern über Photoshop. Dies ist eine kurze Liste von ein Paar der Bücher, in die wir unsere Nasen steckten:

Wir schauen DVDs. Wahrscheinlich zahlreicher als Bücher. Wir lieben Filme und kompensieren scheinbar für die vergangenen Monate, indem wir viele Abende mit Filmeschauen im Bett verbringen. Ich denke, wir versuchen auch jeden Moment im Bett auszukosten, da wir wissen, dass wir auf der Wanderung nicht sehr oft in den Genuss eines Bettes kommen werden.

Diese zwei Dinge bringen uns zu unserem zweiten Zuhause in Hobart: der Bibliothek. Dort holen wir all die Bücher und Filme. Ausserdem verbringen wir dort auch einige Nachmittage pro Woche, um das WiFi zu nutzen um am Blog zu arbeiten, für die Wanderung zu recherchieren, etc.

Wir kochen auch viel. Und backen. Ich liebe Backen und den Luxus eines Ofens möchte ich nicht ungenutzt lassen.

Zudem treffen wir einige Leute, die wir im März, als wir das erste Mal nach Tasmanien kamen, kennenlernten. Es fühlt sich toll an, Leute wieder zu sehen, da dies etwas ist, was einem sonst auf Reisen nicht oft passiert. Du triffst viele Leute, aber meistens nur einmal und danach nie wieder. Die Möglichkeit, jemanden zu fragen „Was hat sich bei dir so ereignet, seit wir hier waren?“ ist toll. 🙂

Letzte Vorbereitungen für den Te Araroa Trail

Und natürlich verbringen wir Stunden um Stunden mit den letzten Vorbereitungen für die Wanderung und allem was dazu gehört. Wir bestellen letzte Ausrüstungsgegenstände (normalerweise recherchieren wir stundenlang, bevor wir endlich bestellen), wir nähen und kleben unsere eigene Ausrüstung, wir wiegen unsere Ausrüstung, wir reflektieren über unsere Wahl der Ausrüstung, wir aktualisieren Listen über unsere Ausrüstung. Wir reden viel über Ausrüstung, über Materialien, Gewichte, Wasserdichte, Wärmeleistung, etc.

Abgesehen von der Ausrüstung beschäftigen wir uns mit den Trail Notes, laden Karten herunter, versuchen herauszufinden, wohin wir Essensboxen schicken sollen, wo wir während der Wanderung unser überflüssiges Reisegepäck lagern könnten, gehen in Hobarts Umgebung wandern (und testen dabei unsere Trailrunning Schuhe), versuchen unsere Fitness wieder auf ein annehmbares Level zu bringen, versuchen unsere Ernährung während der Wanderung zu planen und zu berechnen und träumen immer mal wieder vom einfachen Leben auf der Wanderung.

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Das Cape Hauy auf der Tasman Peninsula in Tasmanien

Reicht es?

Ehrlich gesagt, die ganze Organisation überwältigt uns manchmal. Die Checklisten (ja, Mehrzahl) scheinen immer länger und länger zu werden. Oder zumindest nicht kürzer, wie sie das tun sollten… Es gibt also Tage, an denen wir das Gefühl haben, dass wir einfach nicht vom Fleck kommen, und wir spüren, wie uns die Zeit durch die Finger rinnt, ohne dass wir darin irgend etwas erledigt hätten. Wir versuchen uns dann auf kleine Aufgaben zu konzentrieren, die wir schnell abhaken können und die uns das Gefühl geben, dass wir tatsächlich etwas erreicht haben und dem Ziel, vorbereitet zu sein, näher gekommen sind. Aber natürlich kannst du für ein so grosses Unterfangen nie vollständig vorbereitet sein. Also, take it easy.

Wir erträumen uns das Leben auf der Wanderung als ein Leben, wo wir nicht scheinbar endlose Listen von To-Do’s abarbeiten müssen, wo wir nichts anderes planen müssen ausser wo wir schlafen, was wir essen oder wie weit wir wandern wollen. Ach, es hört sich so schön an.

Wir träumen also von den künftigen Tagen, erwischen uns aber manchmal auch beim Zweifeln. Was, wenn wir das Ganze romantisieren? Was, wenn wir es überhaupt nicht mögen? Was, wenn uns etwas geschieht? Was, wenn…

Naja, wir werden es herausfinden. Zu viel über solche Dinge nachzudenken hilft nichts. Mit der Fernwanderung auf dem Te Araroa Trail ist es also wie mit vielen anderen Dingen auch: Mach’s einfach. Alles andere wird sich schon ergeben. Es wird schon gut gehen.

Titelbild-Mt.-Warning

Sonnenaufgang auf dem Mt. Warning in Australien

Während wir uns sehr auf die Wanderung freuen, sind wir auch – in einem gesunden Masse – ängstlich. Aber wenn wir zurückschauen an den Punkt, als wir feststellten, dass wir eine Reisepause benötigten und uns für einige Zeit an einem einzigen Ort aufhalten wollten, sind wir jetzt in einem viel besseren Zustand. Wir müssen uns eingestehen, dass wir damals überhaupt nicht in der Stimmung für diese Wanderung waren. Wir waren erschöpft. Wir hatten viele Eindrücke im Kopf, die sich zuerst einmal setzen mussten.

Wir müssen von Zeit zu Zeit eine Rast einlegen und warten, bis unsere Seelen uns wieder eingeholt haben.
― Indianische Weisheit

Aber jetzt sind wir bereit. Nur noch einen Monat und wir gehen es an: 3’000 Kilometer zu Fuss durch Neuseeland.

 

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2 Comments

  • Elisa sagt:

    Hi Nadine,

    eure Planungen klingen wirklich spannend! Ich wusste gar nicht, dass es einen Fernwanderweg in Neuseeland gibt.
    Ich bin noch auf der Suche nach einem passenden Weg für mich, jedoch eher mit ein paar Kilometern weniger. 😉
    Jedenfalls bin ich auf eure Erfahrungen und Beiträge gespannt.
    LG
    Elisa

    • Nadine sagt:

      Hey Elisa, danke für deinen Kommentar! Natürlich kannst du auch nur einzelne Sections des Te Araroa Trails wandern oder dich nur auf eine Insel beschränken (dann würde ich die Südinsel empfehlen). In Australien gäbe es auch den Bibbulmun Track in WA (ca. 1000km) oder den Lara Pinta Trail im NT (ca. 230km). In Schweden gibt’s den Kungsleden und in Schottland soll es auch eine tolle mehrtägige Strecke geben. Ganz zu Schweigen vom Rest der Welt! Es gibt viel zu entdecken, die Bucket-List wird nicht kürzer 😉
      Wir sind ebenfalls gespannt wie es uns ergehen wird und hoffen, du verfolgst unser Abenteuer 😉
      Liebe Grüsse
      Nadine

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