Ignoranz & Respektlosigkeit von Touristen

Wieso können sich die ver*#!? Touristen nicht an ein paar Regeln halten?  Seit wir in Südostasien sind, stelle ich mir diese Frage des Öfteren.

Im Artikel 25 Dinge, die an anderen Reisenden nerven, habe ich mich bereits zum ähnlichen Thema geäussert. Die Frage nach dem „wieso“ ist grundsätzlicher Natur und geht über die verschiedenen Typen von Touristen und ihr Verhalten hinaus.

Ignoranz und Respektlosigkeit in Südostasien

Egal, wo wir in Südostasien waren, begegneten wir den Auswüchsen von Ignoranz und Respektlosigkeit. Dass der Massentourismus negative Auswirkungen mit sich bringt ist/war vorhersehbar. Doch auf dieses Ausmass waren wir nicht vorbereitet. Manches Fehlverhalten ist wohl auf ein Aufeinandertreffen verschiedener Kulturen zurückzuführen. Doch gesunder Menschenverstand und etwas Intelligenz sollten genügen, um sich an lokale Gepflogenheiten zu halten. Das möchte man jedenfalls meinen.

Im Zoo der Ignoranz

Die Sicht auf die Spitze des gigantischen Eisbergs menschlichen Fehlverhaltens bot sich uns während unseres Aufenthalts in Luang Prabang, Laos. Einer der Hauptattraktionen ist der morgendliche Almosengang der Mönche. Da diese keinen weltlichen Besitz haben dürfen, müssen sie täglich ihr Essen erbetteln. Diese andächtige Prozession hat sich dank fotogeiler Touristen zum Spiessrutenlauf für die Mönche gewandelt.
Hunderte Menschen säumen die Almosenstrecke um 6 Uhr morgens. Sobald der erste Mönch auf die Strasse tritt, entfacht sich ein Blitzlichtgewitter, welches erst nach Ende der Prozession aufhören wird. Vor allem Asiaten stellen sich den Mönchen in den Weg und zielen wie Jäger auf Freiwild ihre Kameras auf ihre Opfer. Wären nicht ein paar Laoten, die sie mehr schlecht als recht zur Seite scheuchten, käme die Prozession schon nach wenigen Metern zum Stillstand. Vielleicht haben die Westler mehr Hemmungen und stehen deshalb einen Metern entfernt und strecken ihre Zoom-Objekte den Mönchen in die Nase.
Gehobene Hotels bieten ihren Kunden die volle Packung mit Teppich, Sitzkissen und Reis zum Spenden und gehen auf Tuchfühlung mit den Mönchen. Andere kaufen nicht essbares Essen von den Strassenverkäuferinnen, welches die Mönche wegen schlechter Erfahrungen wegwerfen müssen. Oder die Mönche geben es weiter an die wartenden, bettelnden Kinder.
So stehen wir also auf der anderen Seite der Strasse und schauen zu, wie Touristen aus aller Welt ein, zwei hundert Mönche drangsalieren und sie zu Zoogeschöpfen herabwürdigen. Arschlöcher!
Und wie kann man sowas verhindern? Plakate, die zu respektvollem Verhalten anhalten sind überall in der Stadt und im Info-Center (ein echtes!) angebracht. Ein paar simple Regeln, die auch die Tempel miteinbeziehen. Nützt es was? Nope.

Ignoranz? Respektlosigkeit? Dummheit? Was ist es zur Hölle nochmal?

Luang Prabang ist nur ein Paradebeispiel unzähliger Situationen, die wir erlebt haben. Und jedes Mal können wir es nicht nachvollziehen. Die Erfahrung hat gezeigt, dass vier Grundpfeiler das Fundament touristischen Fehlverhaltens stützen.

Tempel und andere religiöse Einrichtungen

  1. Bedeckte Schultern und Knie
  2. Keine Schuhe
  3. Kein Geschrei
  4. Kein Blitzlichtgewitter

Vier wesentliche Punkte, um den nötigen Respekt zu erweisen. Dass es immer wieder Besucher gibt, die keinen Schimmer davon haben, wie sie sich zu verhalten haben, grenzt an Idiotie. Fehlverhalten in religiösen Einrichtungen beschränkt sich natürlich nicht nur auf den Buddhismus. Für Kirchen und Moscheen gilt dasselbe. Mit der Badehose in Rom oder Istanbul rumzulaufen, gehört auch in die Kategorie der Dont’s. Wer sich nicht daran halten mag, bleibt draussen. Simple as that. In Asien scheint der Tourist darauf zu scheissen und beschwert sich dann noch über die Zurechtweisung der Tempelhüter.

Kinder & Betteln

  • Kein Essen
  • Kein Geld
  • Und auch kein Milchpulver!

Erfolgreiches Betteln verleitet Eltern dazu, ihre Kinder nicht in die Schule zu schicken. Keine Bildung = Armut. Für diesen Gedankengang braucht’s nicht viel Logikverständnis. Anscheinend sind bei vielen Touristen alle Gänge verstopft. Selbst die Behörden haben mittlerweile begriffen, dass Betteln ein Problem ist und warnen ausländische Besucher ausdrücklich. Nur ist es bei denen nicht angekommen. Was verleitet die Leute trotzdem dazu? Ist es ein Surrogat für das Tiere-füttern-Verbot im Zoo? Wer Kindern aus ärmeren Ländern helfen und seine Beweisfotos dennoch haben will, der kann auch bei einer Schule vorbei gehen und Geld spenden. Die Kinder wird es dann halt nur indirekt freuen. Hätten ebendiese Touristen eigentliche Freude, wenn für asiatische Reisegruppen Fotoshootings auf dem Pausenplatz ihrer Sprösslinge veranstaltet werden?

Bikini & Co

In asiatischen Ländern ist Kultur und Mentalität bekanntlich ein wenig anders als im Westen. Im Allgemeinen hat man mit der westlichen Freizügigkeit ein Problem. Gut, wenn sich das Bleichgesicht Hautkrebs am Strand züchten möchte, ist das die notwendige Konsequenz des Tourismus. Wer aber seinen Bierbauch im Busterminal, seine halbverdeckten Brüste auf der Strasse und die käsig-weissen Oberschenkel im Tempel präsentiert, vergisst jegliches Feingefühl und Respekt gegenüber einer anderen Kultur. Hinzu kommt, dass dieses freizügige Verhalten zu Hause nie so offen zelebriert werden würde.

Eine Altersfrage ist dies freilich nicht; wenn auch das Bikini & Badehosen Problem eher jüngeren Personen zu Teil wird. Das grösste Gezetter und Mordio vernahmen wir jedoch bei älteren Touristen, die in flagranti auf ihren Fauxpas hingewiesen wurden. Die Manieren haben es ebenfalls nicht mit ins geistige Handgepäck geschafft.

Alkohol & Drogen

Horden von besoffenen Partytouristen und Alkleichen am Strand sind ein Übel, aber ein hausgemachtes. Der Verstand wird in beiden Fällen einfach ausgeschaltet und mit Vernunft ist nicht mehr viel. Die Auswirkungen finden wir persönlich – und wahrscheinlich die Einheimischen ebenfalls – beschämend und ärgerlich. Der Partytourismus ist aber überall zu finden, wo es ein Angebot dafür gibt.
Mancherorts, wie z.B. in Vang Vieng, in Laos, nimmt das feuchtfröhliche Feiern groteske Züge an. Nachdem 27 Partytouristen im Jahr 2011 beim Versuch gestorben sind, besoffen oder unter Drogeneinfluss stehend auf einem Gummireifen einen Fluss hinab zu treiben, schloss man die meisten Flussbars. Die Stadt konzentriert sich seitdem auf Adventure-Tourismus. Das sog. Tubing geht natürlich munter weiter, einfach mit weniger Bars (eine gehört dem hiesigen Polizeichef). Die Partytouristen sind eine zu gute Einnahmequelle, als dass man sie ganz versiegen lässt. Zwar beschränkt sich der Party-Tourismus auf einzelne Destinationen, doch zieht es die falschen Touristen in punkto Verhalten an.

 

Wieso also, können sich Touristen nicht an ein paar Regeln halten? Die Mischung macht’s. Ignoranz, Respektlosigkeit, schlicht Dummheit und Alkohol. Da hilft auch der beste Reiseführer nichts mehr.

 

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Wie steht’s mit deiner Haltung gegenüber dem assozialen Verhalten deiner Mitreisenden? Gibt es eine Lösung dagegen?

8 Comments

  • Daniel sagt:

    Toll geschrieben und mal wieder volle Zustimmung.
    Besonders ignorant fand ich die chinesischen Reisegruppen in Angkor Wat. Auf jeden Tempel klettern um eins dieser beschissenen Selfies zu schießen und dabei stets die Ellbogen ausgefahren.
    Generell ist SOA einfach zu voll und so macht reisen, zumindest geht es mir so, keinen Spaß.

    • Hallo Daniel
      Danke für das Lob. Wir waren ebenfalls in Angkor Wat und wissen genau, wovon du redest. Eine limitierte Anzahl von Besuchern wären an diesem Ort nur von Vorteil. Da gem. eines Anwohners die Verwaltung von den Tempeln in privaten Händen liegt (reichster Mann Kambodschas), wird sich das nicht ändern.
      Dass so viele Leute nach SOA wollen, kann man ihnen ja nicht verdenken. Nach den 4 Monaten sind wir aber froh, wieder in weniger belebten Gegenden (Tasmanien) zu sein.

  • Kann ich alles nur unterschreiben! Habe mich letztens in meinem Blog auch genau darüber aufgeregt – aber am Ende lesen es ja doch wieder nicht die Richtigen … 🙁

  • Der Anstand wird leider viel zu oft zu Hause gelassen. Gerade an Orten am Meer ist das Verhalten von gewissen Leuten einfach unglaublich. Klar geht es dort vielleicht ein bisschen lockerer zu und her. Aber den nackten Bierbauch im Restaurant zu präsentieren geht ebenso wenig, wie das Bikini in der Bank. Generell bin ich der Meinung: Sobald man sich vom Badetuch am Strand wegbewegt, gefälligst anständige Kleidung anziehen. Von oben bis unten. Aber anscheinend bin ich mit der Meinung deutlich in der Minderheit… Hier in Zentralamerika ist das besonders schlimm. Viele Latinos beklagen sich darüber. Irgendwie haben die meisten Westler das Vorurteil, dass die Latinos in Sachen Kleidung freizügig sind – obwohl genau das Gegenteil der Fall ist.

  • Inex_on_tour sagt:

    Hallo :),

    habe Eure Seite soeben erst neu entdeckt und bin gleich auf diesen Artikel gestoßen.
    Wir sind erst vor wenigen Tagen aus SOA zurückgekommen und können nur sagen: “Oh jaaaaaaaa…” mit einem tiefen Seufzen :'(
    Was man da an Respektlosigkeit erlebt, ist kaum zu überbieten.
    Die Erfahrungen mit den Chinesen und Angkor können wir auch nur bestätigen, dass ging tatsächlich soweit, dass wir – höflich, aber dennoch sehr bestimmt – auf Englisch einige Worte loswurden. Es war einfach unglaublich, mit welcher Arroganz und Selbstverständlichkeit die chinesischen und zum Teil auch koreanischen und us-amerikanischen Touristen meinten, Angkor gehöre allein ihnen. Wofür man Bilder aus einer Perspektive auf 20 Handys braucht – keine Ahnung.
    Aber wir hatten Glück im Unglück. Ich liebe Angkor Wat und hatte es mir ohne andere Touristen gewünscht. Zumindest für ca. 10 Minuten durften wir das abends zum Sonnenuntergang erleben – als die Tempelanlage geschlossen wurde, die meisten gingen und keiner mehr reindurfte. Einer der schönsten Augenblicke bei den Tempeln 🙂

    Liebe Grüße, ich freue mich, Eure Seite gefunden zu haben!

    P.S.: In Laos waren wir leider noch nicht. Wie genau sollte man sich als Tourist, der trotz allem gern zumindest ein paar Fotos (ohne Blitz!) hätte und nebenbei dennoch die Prozession mit den Mönchen hautnah erleben möchte, verhalten? Kleidungstechnisch kein Problem (ich bin bei 35-40 Grad noch nie so oft mit langen Hosen und Co. unterwegs gewesen und hab es auch überlebt ;-)), auch das man leise ist – gibt es aber sonst noch etwas zu beachten?

    • Hallo
      Freut uns, dass dir unser Blog und der Artikel gefällt. Es ist toll, dass ihr ein wenig Courage gezeigt und auf das Fehlverhalten Aufmerksam gemacht habt.
      Betreffend der Mönchsprozession in Luang Prabang wirst du frühmorgens ohnehin kein Problem mit der Hitze haben. Genügend Abstand und ein lichtstarker Reisezoom (oder mit Tripod) sollten für ein respektvolles und unaufdringliches Verhalten ausreichen. Wären da nicht die unzähligen anderen Touristen, die sich wie Zoobesucher direkt vor die Mönche stellten, könnte man die Prozession geniessen.
      Grüsse
      Philippe

  • danni sagt:

    Habe auf meinen Asienreisen auch Fehler gemacht was mich heute noch ärgert besonders im zusammenhang mit Alkohol. Aber ich habe daraus gelernt. Meine Frau, selber Thailänderin, hat mir dann mal erzählt was teils die Einheimischen über die Touristen denken und das ist überhaupt nicht schön. Durch unser Verhalten prägen wir eine ganze Generation von Menschen und ich denke sie sollten positive Dinge mitnehmen. Weniger ist oft mehr wenn wir Reisen.

    Liebe Grüsse
    Danni

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