Howto: Gruppenwanderung

Eine jede geführte Gruppenwanderung besteht aus einer Mischung faszinierender Persönlichkeiten. Erst die Summe aller Marotten, Unzulänglichkeiten und nervtötenden Angewohnheiten verleiht der Gruppe eine besondere Dynamik.

Damit jeder zukünftige Teilnehmer einer Gruppenwanderung weiss, wie er sich prototypisch zu verhalten hat, haben wir (mit Hilfe von Annalena. Danke!) aus unseren Erfahrungen in Finnisch Lappland geschöpft und eine Anleitung erstellt. Für die aus den Ratschlägen resultierenden Folgen ist jeder selbst verantwortlich.

Gummistiefel: sind toll! Sie schützen dich vor nassen Büschen und bringen dich trockenen Fusses durch den Sumpf. Zwanzig Kilometer zu laufen, ist kein Problem. Du hast ja Blasenpflaster dabei.

Rucksack: Modelle ohne Hüftgurt oder aus der Kinderabteilung sind die idealen Begleiter für eine ausgedehnte Wanderung über mehrere Tage. Alles andere ist Schnickschnack. Solltest du tatsächlich den Drang verspüren, ein wenig Gewicht auf die Hüften zu verteilen: Nimm einen Schal.

Nordicwalking Stöcke: Wer braucht denn schon Wanderstöcke, wenn das Pendant aus dem Nordicwalking auch seinen Zweck tut. Dabei immer beachten, dass man die richtige Technik verwendet. Stöcke immer hinter dem Körper halten und kräftig abstossen.

Schuhwerk: Wanderschuhe, braucht ja keiner. Gore-Tex, neumodischer Kram. Turnschuhe reichen doch völlig aus. Das bisschen Sumpf und Geröll meistern meine Flux-Sneakers mit Wave Technologie mit links.

Wasserflaschen: Zwei Liter pro Tag. Die Ärzte erzählen doch nur Schwachsinn. Zwei 125 ml Fläschchen reichen vollkommen aus. Solltest du doch Durst verspüren, gibt es genügend Wasserspender entlang der Wanderroute.

Plüschpulli: Micro Fleece, PowerDry, PolarTec, Merino. Pah. Das kann dein Plüschpulli mit den lustigen Bommeln alles auch. Wenn es regnet siehst du zwar aus wie ein nasses Schaf; aber die bleiben ja auch beim schlimmsten Wetter unter dem Fell trocken.

Wanderhosen: Für jeden Tag eine neue Wanderhose. Es könnte ja jemand vorbeikommen und deine schmutzigen Hosenbeine sehen. Dein Gepäck wird sowieso transportiert. Also nimm lieber noch eine extra mit.

Socken: Baumwollsocken aus dem Supermarkt erfüllen ihren Zweck. Solltest du mit deinen Füssen in den Socken rutschen, frag den Guide deines Vertrauens. Er weiss sicher Rat.

Porzellan: Tasse, Teller und Besteck aus Plastik. Wie gewöhnlich! Das gute Porzellan muss auf der Wanderung her.

Pause I: Hält die Gruppe für eine kurze Rast an, warte noch bis du deine Bedürfnisse befriedigen kannst. Erst wenn die Gruppe sich zum Aufbruch bereit macht, solltest du den Rucksack ablegen, etwas trinken und den Fotoapparat hervorhohlen. Damit schindest du Zeit und der Guide ist dir für die längere Rast dankbar.

Pause II: Nur noch 1,5 Kilometer bis zum Ziel? Zeit für eine Pause!

Mittag: Du hast gegessen, deine Kaffee getrunken und warst schon auf der Toilette? Na dann los! Zieh dich an und frag den Guide, ob du loslaufen kannst. Für den Abwasch braucht er ja nicht lange und kann dir hinterher rennen.

Abend: Frag nach einem Bier, auch wenn schon gesagt wurde, dass es kein Bierausschank gibt. Vielleicht änderte sich was in der Zwischenzeit, man weiss es ja nie.

Fitness: Zwanzig Kilometer pro Tag: kein Problem. Du läufst Zuhause ja auch einmal um den Block und in den Supermarkt. Wie gross wird der Unterschied schon sein?

Orientierung I: Als Kind warst du bei den Pfadfindern und hast auch schon Orientierungsläufe gemacht. Du bist der perfekte Navigator. Und vergiss nicht: Ein Finne dreht nicht um! Und solltest du zwanzig Kilometer in der entgegengesetzten Richtung gehen, ein Taxi fährt dich dann schon zum Hotel.

Orientierung II: Du bist zu langsam für die Gruppe und musst im Hotel bleiben. Dann mach dich auf eigene Faust auf den Weg. So schwierig kann es ja nicht sein. Und wenn du einen Kilometer ab vom Weg in einem Geröllfeld landest, der Helikopter ist nur einen Anruf entfernt.

Beschwerde I: Beschwer dich über die wenigen Trinkpausen während des Wandertags. Schliesslich soll dir der Guide sagen, wann du Durst hast.

Beschwerde II: Auch wenn dich der Guide über das schlechte Wetter informiert hat: Beschwer dich darüber.

Beschwerde III: Bringe deine Reklamationen immer nach der Wanderung an. Vorher könnte man ja was ändern. Getraust du dich nicht im (anonymen) Formular deine Meinung kund zu tun, mach es via Mail.

Annahme I: Der Guide trägt dein Lunchpaket und das der anderen fünfzehn Mitglieder der Wandergruppe. Er muss ja sonst nichts tragen.

Annahme II: Allergien sieht man an einem an. Gehe also davon aus, dass sie auch ohne diese Angabe im Teilnahmeformular über deine sieben Allergien Bescheid wissen. Traust du ihnen nicht so viel Grips zu, dann melde deine Allergien erst zu Beginn der Wanderung.

Gesundheit: Blasenpflaster sind für Frauen. Ein Finne läuft bis es blutet und setzt dann für einen Tag aus.

Gruppengefühl I: ist für’n Arsch. Verabschiede dich am Ende der Wanderung unter keinen Umständen bei den anderen Teilnehmer oder gar beim Guide.

Gruppengefühl II: Wieso braucht man ein Gruppenfoto? Lauf am vereinbarten Treffpunkt für das Foto einfach weiter.

Sauna: ist das wichtigste überhaupt. Noch vor dem Essen. Keine Sauna = alles ist scheisse.

Puuro: Wo ist das Puuro (4-Korn Porridge)!? Wenn es kein Puuro gibt, läuftst du gar nicht erst los.

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