Entdecke Hinchinbrook Island auf dem Thorsborne Trail

Der Thorsborne Trail auf Hinchinbrook Island gehört angeblich zu den schönsten mehrtägigen Wanderungen der Welt. Diese wollten wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Der Thorsborne Trail, das sind 32 Kilometer in fünf Tagen. Fünf Tage?? Diese Strecke könnte man doch in einem, vielleicht zwei Tagen laufen. Drei bis vier Nächte werden jedoch vom Queensland National Park Service empfohlen, um die ganze Schönheit der Insel geniessen, in Wasserlöchern und Flüssen baden und Rücksicht auf die Gezeiten nehmen zu können.

Wie wir die fünf Tage auf Hinchinbrook Island erlebten, erfährst du hier. Wir schreiben über diese Erlebnisse aus zwei Perspektiven, einmal aus Philippes, einmal aus Nadines. Da dies ein neuer „Stil“ ist, gib uns doch bitte am Ende in einem Kommentar Bescheid, ob dir der Artikel in dieser Form gefallen hat. Wir sind gespannt 🙂

Thorsborne Trail auf Hichinbrook Island – Tag 1

von Philippe

Endlich war es soweit. Nach zwei Wochen im nördlichen Queensland konnten wir endlich mit dem Thorsborne Trail auf Hinchinbrook Island beginnen. Die Insel erreichten wir mit der einzigen Fährverbindung, einem kleinen Boot. Kostenpunkt 90 AUD pro Person. Ganz schön happig für 55 Minuten Bootsfahrt. Fünf Passagiere waren wir, drei davon wollten den Thorsborne Trail laufen. Nur ein weiterer Wanderer auf dem Trail. Wo waren all die anderen?

Schwarze Wolken hingen um die Bergspitzen der Insel. Fast drohend starrten sie auf uns hinunter, als wir durch Mangrovenwälder fuhren.

32 Kilometer in vier Tagen. Was hatten wir uns da wieder gedacht? Das war ja mehr Camping denn Wandern. Wir gehören mehr zu den Meilenfressern als zu den Campern. Eine leichte Ausrüstung beinhaltet auch kein überflüssiger Krempel fürs Campen. Ich war gespannt, ob sich die Zeitangaben bewahrheiten würden. Die Aussie-Angaben müssen wir erfahrungsgemäss durch zwei teilen.  Aber Hinchinbrook Island ist hügelig und voller Dschungel. Wir werden sehen.

Nach unserer Ankunft und der Justierung unserer Ausrüstung sowie des Taping der Füsse wanderten wir zu Beginn der Ramsay Bay entlang. Ich hasse Sand in meinen Schuhen!

Der Weg schlängelte sich dann der hügeligen Küste durch dichten Wald. Der Weg war mehrheitlich gut gepfadet und nur die Büsche und garstigen Sträucher drosselten das Tempo.

Den Abstecher zum Nina Peak bewältigten wir ohne Rucksack. Wir hatten auch alle Hände voll zu tun uns die Vegetation vom Hals zu halten. Nach ein paar Fotostopps schafften wir es auf die Spitze und erhielten wohl die einzige Möglichkeit, eine solch geniale Aussicht über die Ostküste von Hinchinbrook Island zu erhalten.

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Die Aussicht vom Nina Peak auf Hinchinbrook Island

Trotz gemächlichen Tempos erreichten wir Nina Bay am Mittag. Hier wäre der erste Campplatz auf dem Thorsborne Trail, wir wollten aber noch weiter nach Little Ramsay Bay. Vor dem Lunch trafen wir dann noch zwei Rangers. Sie kontrollieren zu  Fuss ein paar Strände, da vor ein paar Tagen Öl angeschwemmt worden war. Woher es kam, konnten sie nicht sagen. Die raue See verhinderte die Arbeit vom Boot aus.

Trotz eines falsch eingeschlagenen Pfades erreichten wir den Campplatz in den frühen Nachmittagsstunden. Wegen der Gezeiten gibt es teilweise mehrere Wegmöglichkeiten, was bei Ebbe aber verwirrend sein kann. In einem Mückeninferno stellten wir das Zelt auf und waren bereit für müssige Camperstunden.

Thorsborne Trail auf Hichinbrook Island – Tag 1

von Nadine

Wieso höre ich immer auf Philippe, wenn es darum geht, wie früh wir aufstehen müssen, um es termingerecht irgendwo hin zu schaffen?

Duschen, frühstücken, Rucksäcke fertig packen, Mitsy strassentauglich machen. Alles dauerte wiedermal länger als geplant. Die öffentliche Bootsrampe von Cardwell QLD erreichten wir zwar pünktlich, aber gestresst.

Auf uns wartete ein kleines offenes Boot, das uns und nur drei weitere Passagiere in 55 Minuten nach Ramsay Bay auf Hichinbrook Island brachte. Kein Wunder, kostet die Überfahrt so viel.

Nachdem das Boot die letzten Kilometer durch die Mangroven manövrierte, erreichten wir einen kleinen Steg. Endlich konnten wir den Thosborne Trail in Angriff nehmen.

Drei Wochen zuvor buchten wir bereits unsere Camping Permit für die Wanderung und warteten seither sehnlichst darauf, unsere Füsse auf Hinchinbrook Island absetzen zu dürfen. Nun war es so weit.

Meine Beine waren nach einigen eher faulen Tagen schwer und haben wohl noch nicht realisiert, dass sie laufen mussten. Nach wenigen Kilometern wurden sie zwar bereits wieder von der Last des Rucksacks befreit, doch sie mussten mich einige hundert steile Meter den Nina Peak hochtragen, einer der markanten Berge Hinchinbrooks. Das Panorama von der Spitze war der Aufstieg aber allemal wert. Unter uns erstreckte sich der lange Strand der Ramsay Bay, hinter uns stiegen schroffe Berge empor, die dunkle Wolken wie Hüte trugen. Zu ihren Füssen wuchsen Mangrovenwälder weit ins Wasser hinaus.

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Die Bergwelt von Hinchinbrook Island

Nach diesem Abstecher vom Hauptweg gingen wir entspannt weiter bis zur Nina Bay und Little Ramsay Bay. Die heutige Strecke war trotz der Kürze sehr abwechslungsreich. Wir liefen entlang von Stränden, durch Wälder, über kleine Klippen und durch Bäche. Nur 6,5 Kilometer (ohne Nina Peak) wanderten wir heute und erreichten um 14.00 Uhr bereits unser Camp an der Little Ramsay Bay – ungewohnt kurze Wandertage. Daran müssen wir uns erst gewöhnen.

Ich durfte heute übrigens auch wiedermal beweisen, dass Flussüberquerungen zu meinen Spezialitäten gehören. Nur wenige Meter vor dem Camp rutschte ich von einem Stein und stand mit beiden Füssen im knöcheltiefen Wasser. Ich glaube, ich sollte gar nicht erst versuchen, trocken über Bäche und Flüsse zu gelangen.

Thorsborne Trail auf Hinchinbrook Island – Tag 2

von Philippe

Am Abend zuvor hatte uns Andrew – der dritte Wanderer vom Boot– ein paar Auszüge aus einem alten Guidebook gezeigt. Dort drin werden die Wanderungen zu den Bergen Hinchinbrooks aufgeführt, die das Bild der Insel so stark prägen. Mt. Bowen – der höchste Berg mit über 1000m – wäre von unserem Campspot in acht Stunden zu erreichen. Schwierigkeitsgrad 4 von 4 und der Trail ist mehr Buschwalking als exakte Route. Nebenbei erwähnte er auch etwas von einer Bewilligung. Kein Wunder waren nirgends Wege zu den Bergspitzen verzeichnet. Nur in diesem alten Guidebook. Wir verschoben unsere Entscheidung auf den nächsten Morgen.

Um 6.30 Uhr wagte ich dann einen Blick hinauf zum Gipfel, der aber noch immer mit Wolken verhangen war. Nix mit Besteigung trotz der nicht mehr schwarzen Wolken vom Vortag. Andrew machte sich trotzdem auf den Weg, um wenigstens ein bisschen ins Inland zu gelangen.

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Der Mount Bowen und die Lagune an der Little Ramsay Bay

Um 11 Uhr liefen wir schliesslich los. Diese Luxuswanderung! Wir mussten aber die Ebbe abwarten, bis wir einen Fluss der Lagune um die Ecke herum passieren konnten. Wir vertrieben uns die Zeit mit Lesen und ich fiel beim Wasserholen und Waschen in den Fluss.

Mit 10,5 Kilometer war der heutige Abschnitt der „längste“. Ganze 6 Stunden veranschlagte der Queensland National Park Service, wir brauchten inkl. Seitenabstecher zu einer Bucht etwa 3,5 Stunden.

Die Strecke war aber spannender und abwechslungsreicher als gedacht. Steine-Hopping au Felsen am Strand und in ausgetrockneten Fluss- und Bachbeeten – zum Glück waren wir nicht in der Regenzeit hier. Ein paar Auf- und Abstiege auf engen Pfaden. Pfützenhüpfen in Mangrovenwäldern und Palmen-Sumpf. Der Vegetationswechsel war ähnlich wie auf dem Overland Track atemberaubend. Vom offenen trockenen Banksia Wald ging es hinunter und plötzlich fanden wir uns im Regenwald wieder. Dann wechselten die Bäume zu Eukalypten, um später in Mangrovensumpf zu enden.

Es war spannender als gedacht und der Gedanke, nicht zum Mt. Bowen oder dessen Ausläufer gelaufen zu sein, trübte mich nicht mehr. Vielleicht würden wir ja morgen hinauf zum Mt. Diamantina wandern; sofern wir den Weg bzw. den Abzweiger finden.

Beim Campspot in Zoe Bay stellten wir rasch das Zelt auf, um schnell bei den Wasserfällen zu sein. Die Pools auf Hinchinbrook Island sind berühmt und jener bei den Zoe Falls wurde dem Ruf gerecht. Die Fische schienen für einen Abwechslung dankbar zu sein und begutachteten uns neugierig. Zurück im Camp trafen wir auf die ersten Menschen an diesem Tag und wenig später gesellten sich noch weitere Wanderer hinzu. Andrew kehrte als Letzter ein.

Thorsborne Trail auf Hinchinbrook Island – Tag 2

von Nadine

Wir begrüssten unseren zweiten Wandertag auf Hinchinbrook Island um 6.30 Uhr und liessen uns beim Frühstücken Zeit. Wir würden erst spät am Morgen loslaufen können, weil wir einen den Gezeiten unterworfenen Fluss überqueren mussten. Wir nahmen ihn uns nach dem Frühstück in Augenschein, um die Wasserhöhe abschätzen zu können. Nachdem wir noch Wasser holten und eine halbe Stunde lasen, liefen wir gegen 11.00 Uhr los und konnten den Fluss sicher überqueren. Das Wetter war besser als am Tag zuvor, die Sonne zeigte ihre volle Wirkung, nur die Bergspitzen waren noch in Wolken gehüllt. Die heutige Strecke verlangte Trittsicherheit und hie und da Hilfe der Hände. Wir liefen entlang von Stränden, über grosse Steinbrocken, die eine Bucht von der nächsten trennten, durch trockene und nasse Flussbeete (ohne nasse Füsse!), Mangroven, Sumpfgebiete, Eukalyptus- und Regenwälder. Hinchinbrook Island ist wirklich paradiesisch. Wir begegneten auch bis am Abend auf dem Camp keinen anderen Leuten – wir fühlten uns, als hätten wir die Insel ganz für uns.

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Der Thorsborne Trail verlangt Trittsicherheit

In der Nähe des Zoe Bay Camps besuchten wir, nachdem wir unser Zelt aufgeschlagen hatten, einen Wasserfall mit Wasserloch. Da wir ganz alleine waren, verzichteten wir darauf, unsere Badekleider nass zu machen und genossen ein „natürliches“ erfrischendes Bad im glasklaren Wasser.

So dürfte jeder Wandertag enden.

P.S. heute kriegte Philippe nasse Füsse, als wir uns am morgen im Fluss wuschen und er ausrutschte. 1:1 😉

Thorsborne Trail auf Hinchinbrook Island – Tag 3

von Philippe

Wie lange dauert es, bis sich mein Körper ans Schlafen im Zelt gewöhnt hat? Im Sommer in Skandinavien dauerte es eine Weile. Nach einem Monat im Zelt hatte ich den Dreh raus. Ob es wohl am Kissen lag? Mein Experiment mit dem Stuffsack war wohl keine gute Idee.

Der Morgen auf dem Campplatz in Zoe Bay war ein weiterer gemütlicher. Obwohl bereits im Morgengrauen wach, war keine Eile geboten. 7,5 Kilometer waren es an diesem Tag. Langsam nervt die geringe Kilometer-Zahl. Dafürhalten kann man die Stopps bei den Swimmingholes oder die netten Gespräche mit anderen Wanderern. Die drei Aussis in ihren Hängematten waren recht interessant. Der eine hatte gar Ahnung von Ultralight-Ausrüstung und besass selber eine Hängematte mit Cuben-Tarp und einen Cuben-Rucksack. Die drei waren bereits zwei Tage in Australischer Bushwalking-Manier auf der Insel unterwegs. Cuben war da definitiv das falsche Material. ihre geschundenen Beine sahen aus wie der Katzenbaum einer Horde gelangweilter Katzen. Im Busch hängen die lästigen „Stachel-Lianen“ nicht nur wie auf dem Trail auf Kopfhöhe, nein, auch auf Beinhöhe. Wir entschieden uns daher gegen den Bushwalk zum Mt. Diamantina. Wir hatten nicht mal lange Hosen dabei.

Im Camp überraschten uns dann zwei Guanas, schwarze mit weissen Mustern gesprenkelte Eidechsen. Grosse Viecher, die die Campspots als Futterort erkannt hatten. Für die Aussis waren sie nichts Exotisches. Eine 1,5 Meter lange Echse war für uns hingegen schon ein Highlight. Beim nächsten Camp sahen wir dann nochmals eine Echse, die sich aber rasch einen Baum hinauf davonmachte.

Eine weitere tierische Überraschung war dann die Schlange zwischen unseren Beinen auf dem Trail. Sie war wahrscheinlich schockierter als wir. Nur noch die hintere Hälfte sah ich zwischen uns vorbeiblitzen. Bei einer Attacke hätten wir keine Chance gehabt. Ausweich- und Überlebenstechnisch.

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Der Thorsborne Trail über einen Bergsattel

Die Strecke selber war weniger schockierend. Wir liefen mehrheitlich in offenem Wald, der vor nicht allzu langer Zeit gebrannt hatte. Auf dem Sattel – höchster Punkt des Haupttrails – überblickten wir eine riesige Fläche schwarzer Stämme und dazwischen palmenartige Sträucher, die sich am schnellsten regenerieren konnten. Alles sah trocken und wüstenartig aus; die Hitze vervollständigte das Bild. Ein kleiner Schimmer Zivilisation konnten wir mit der Aussicht aufs Festland und Magnetic Island am Horizont spüren. Danach führte uns der Weg wieder hinab in den Regenwald zum Mulligan Wasserfall und dem Campspot. Ein weiterer Schwumm im glasklaren Wasser stand an.

Thorsborne Trail auf Hinchinbrook Island – Tag 3

von Nadine

Die Nacht war hell und die Flut drängte das Wasser bis fast zum Zeltplatz. Heute wird Vollmond sein.

Wir wachten wieder früh auf – kein Wunder, wenn wir vor 22.00 Uhr schlafen gehen. Wir blieben noch eine Weile liegen und lasen. Wir hatten keine Eile.

Nach einem gemütlichen Frühstück, Zusammenpacken, kurzen Spaziergängen am Strand und etwas Lesen, kamen wir mit drei Australiern ins Gespräch, die auch dort übernachtet hatten. Sie waren weiter nördlich gestartet als die Ramsay Bay und einige Kilometer ohne Pfade durch die Insel gelaufen, das nenne ich Bushwalking. Ihre Beine sahen entsprechend zerkratzt aus. Wobei auch mit meinem Beinen gewann ich während dem Thorsborne Trail sicher keinen Schönheitswettbewerb. Narben, Schrammen, Moskito-Stiche und Sandfly-Bisse zierten meine Beine von den Hüften bis zu den Zehen. Als Philippe das Schlachtfeld mit einem schiefen Blick betrachtete, sagte ich, in der Wildnis zähle nicht die Schönheit, sondern Durchhaltewille. Auf geht’s!

7,5 Kilometer lagen vor uns und wir brachten sie in gemächlichem Tempo hinter uns. Wiederum zeigte sich Hinchinbrook Island von seiner abwechslungsreichen Seite. Wir hatten einige Höhenmeter zu bezwingen und mit jedem Meter änderte sich die Umgebung. Von dichtem Regenwald führte der Weg durch lichte Laubwälder und kurz darauf über steppenähnliches staubtrockenes Hochland, als wir bei 260 m.ü.M. den höchsten Punkt des offiziellen Thorsborne Trails erreichten.

Viele Bereiche zeigten Rückstände von Buschbränden. Und die Insel wirkte allgemein, als würde sie beim ersten Funken in Flammen aufgehen.

Am Ende der heutigen Etappe, bei den Murray Falls erwartete uns wieder ein Wasserfall mit Wasserloch – Ideal für ein Bad.

Ach ja, heute bekamen wir auch einige Tiere von Hinchinbrook Island zu Gesicht: Drei Guanas (riesige Echsen), die bei den Camps nach Essensresten suchten und eine Schlange, die Philippe und mir einen Schrecken einjagte, als sie plötzlich aus dem Gebüsch kam und zwischen uns über den Weg schlängelte. Sie war so schnell, wahrscheinlich war sie mehr ab uns erschrocken als wir ab ihr.

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Ein tierischer Bewohner von Hinchinbrook Island

Thorsborne Trail auf Hinchinbrook Island – Tag 4

von Philippe

Was den Thorsborne Trail auf Hinchinbrook Island so überaus angenehm macht, sind die Temperaturen. Tagsüber um die 24 Grad, nachts zwischen 15-20 Grad. In der prallen Sonne ist es nicht so angenehm, aber morgens beim Aufstehen genial. Keine kalten Füsse und Hände. Und als Kaltschläfer sind solche Temperaturen auch kein Problem.

Heute stand der kürzeste Teil des Trails an. 7,5 Kilometer, davon 5 am Strand. Wir mussten die Ebbe abwarten, damit wir einen Fluss und den Strand passieren konnten. 6 Stunden Warten, Lesen und Essen. Die kurzen Strecken nervten mich allmählich gewaltig. Der Trail selber war zwar schön und technisch anspruchsvoll, viel Steinhüpfen, keine Wanderautobahn. Und die Swimmingholes waren klasse! So sauber waren wir auf einer Wanderung selten. Aber die wenigen Stunden, die wir tatsächlich mit Laufen verbrachten, waren halt eben zu wenig. Wenn ich schon wandere, dann bitte eine Strecke zwischen 20 und 30 Kilometer oder mehreren Stunden. Auf dem Thorsborne Trail verbringen wir dagegen mehr Zeit mit Camping. Natürlich könnten wir die zahlreichen Berge von Hinchinbrook Island besteigen, doch das würde Bushwalking bedeuten. Dafür haben wir nicht die Ausrüstung. Und keine Lust.

Nach dem Mittag machten wir uns schliesslich auf und liefen die ersten beiden Kilometer durch Regenwald. Dabei überquerten wir fünf ausgetrocknete Flussbeete. In der Regenzeit sollte man hier wirklich nicht wandern. Am Strand hiess es dann: Sonnencrème und Hut auf. Strandlaufen gehört für mich zu einer eher trägen Beschäftigung. Sand, Sand, Muschel, Öl? Abwechslung bot sich uns in Form des ausgelaufenen Öls, das die Ranger am ersten Tag erwähnten. Die dicken Klumpen hatten eine Konsistenz von Knetmasse gemischt mit Sirup. Kein Wunder, dass so viele Tiere bei Ölkatastrophen sterben. Aus einem Ölteppich kommst du nicht raus.

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Der letzte Wegabschnitt auf dem Thorsborne Trail

Am Georges Point wartete ein Sandkasten als Campspot auf uns. Sand, überall Sand und direkt dem Wind ausgesetzt. Erwähnte ich schon, dass ich Sand kacke finde? Sand ist wie eine Klette und bleibt überall haften. Die letzten Sonnenstunden genossen wir zum ersten Mal ganz alleine. Wir hatten das Camp für uns. Ob es wohl daran lag, dass es hier kein Wasser gibt?

Thorsborne Trail auf Hinchinbrook Island – Tag 4

von Nadine

Nochmals 7,5 Kilometer trennten uns vom nächsten und letzten Camp (George Point) auf Hinchinbrook Island. Und weil wir wieder einen den Gezeiten unterworfenen Fluss überqueren mussten, konnten wir erst nach dem Mittag loslaufen. Ausserdem gab es beim letzten Camp kein Wasser, also wollten wir genügend lange warten, um mit den Wasservorräten, die wir tragen konnten, zurecht zu kommen. Unser Morgen verlief daher wieder ähnlich träge wie die der Vortage. Nach dem Mittagessen und Auffüllen all unserer Wasserbehälter, starteten wir unsere letzte Etappe auf dem Thorsborne Trail. Wir überquerten einige Flussbeete, die mehr oder weniger ausgetrocknet waren (in der Regenzeit sicher kein Zuckerschlecken) und liefen etwa 2,5 Kilometer durch den Wald, bevor wir den Strand erreichten. Die letzten 5 Kilometer liefen wir dank der Ebbe auf festem Sand. An einigen Stellen fanden wir Öl, da es vor einigen Tagen zu einer Öl-Verschmutzung entlang der Küste kam. Die Ursache war nicht bekannt. Das Wasser zeichnete Muster wie Adern durch das Öl, was der Verunreinigung doch noch etwas Schönes abgewann.

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Ölverschmutzung auf Hinchinbrook Island

Das letzte Camp lag unmittelbar am Strand – ich hasse Camping im Sand.

Und wenige Meter vom Zelt steht ein „croc-wise“-Schild, das vor Krokodilen warnt, die in diesem Gebiet vorkommen würden. Nett.

Morgen Nachmittag wird uns hier ein Boot abholen und zurück aufs Festland bringen. Dieses liegt nicht weit entfernt. Vom Strand aus können wir die Zuckerrohr-Fabrik und den kilometerlangen Transport-Steg zu einer Plattform vor der Küste gut erkennen. Schade, wurde hier die unberührte Natur so arg gestört.

So wie es aussieht, werden wir an diesem Camp die einzigen Leute sein. Wir geniessen die Ruhe und den Frieden.

Thorsborne Trail auf Hinchinbrook Island – Tag 5

von Philippe

Allein auf einer verlassenen Insel, man hört nur das Wellenrauschen und der Vollmond strahlt so hell, dass die Stirnlampe fast überflüssig ist. Den letzten Abend hatten wir ganz für uns allein.

Am nächsten Morgen assen wir im Trockenen, dann regnete es zum ersten Mal auf unserer Wanderung auf Hinchinbrook Island. Das ist Rekord! Bisher rechneten wir aus Gewohnheit mit 1-2 Regentagen bei längeren Wanderungen. Im Laufe des Morgens trudelten weitere Wanderer ein. Die Aussies, die wir von Zoe Bay kannten und sechs Amis, die weniger Tage auf der Insel zur Verfügung hatten. Jeder hat so seine Methoden, um die Zeit bis zur Abholung totzuschlagen. Die Aussies begannen angeschwemmten Müll und Ölklumpen einzusammeln. Wir taten es ihnen gleich, nachdem wir nicht mehr lesen konnten. War es das schlechte Gewissen? Das Öl zwischen dem Schwemmgut zu spotten ist gar nicht so schwer. Im Sonnenlicht glänzt es.

Das Boot kam dann schon eine Stunde früher. Für uns machte es aber keinen Unterschied; wir mussten auf den Bus warten.

Fazit Philippe:

Hinchinbrook Island ist atemberaubend schön. Mangrovenwälder, Regenwald und Trockenwälder schmiegen sich zu Füssen der alles überragenden Bergkette. Hinchinbrook Island vereinbart viele starke Gegensätze und ist deshalb sehr abwechslungsreich und selten langweilig.

Für meinen Geschmack war die Wanderung zu kurz. Die 32 Kilometer exkl. Seitenabstecher wären locker in 2-3 Tagen machbar gewesen. Es war mehr Camping aber auch mehr Zeit, sich mit der Insel auseinanderzusetzen. Letzten Endes bevorzuge ich aber lange Wandertage. Die empfohlenen 4 Nächte sind zu viel. Was man aber berücksichtigen muss, sind die Gezeiten. Das Timing ist sehr entscheidend. Mit 5 Tagen hat man da keine Probleme, mit weniger Zeit können gewisse Passagen aber schwierig werden. und ich habe noch nie so viel auf einer Wanderung gelesen.

Thorsborne Trail auf Hinchinbrook Island – Tag 5

von Nadine

Alleine wachten wir heute Morgen beim George Point auf. Kurz vor sieben. Sieben Stunden, bis uns das Boot abholen würde. Ein kurzer Regenschauer trieb uns nach dem Frühstück wieder ins Zelt. Als die drei Australier, die wir einige Tage zuvor kennenlernten, das Camp erreichten, schien bereits wieder die Sonne und heizte das Zelt rasch auf, so dass wir wieder nach draussen flüchteten. Wir verbrachten die Stunden bis zum Bootstransport mit Essen, Lesen, Packen, Lesen, Reflektieren, Lesen und zwischendurch am Smartphone. Wir hatten Empfang, die Zivilisation hatte uns wieder.

Als das Boot (eine Stunde zu früh) endlich am Strand anlegte, waren wir gerade auf einem Spaziergang dem Strand entlang und sammelten Ölklumpen. Die Überfahrt aufs Festland dauerte nur wenige Minuten und schon war unser Abenteuer „Thorsborne Trail“ vorüber. Im Nachhinein ging es immer viel schneller.

Fazit Nadine:

Hinchinbrook Island und der Thorsborne Trail haben unsere Erwartungen nicht enttäuscht. Die Insel ist traumhaft schön und durch die Regulierung der Zutritte (40 Pesronen pro Tag) erhielten wir einige Male das Gefühl, die Insel ganz für uns alleine zu haben. Kilometerlange Strände schienen nur unsere Fussabdrücke zu haben, nur wir kühlten uns nach einem warmen Tag im glasklaren Wasser ab, nur wir stapften durch die Mangrovenwälder oder steigen über Wurzeln durch den Regenwald.

Durch die abwechslungsreiche Umgebung wurde es nie eintönig und bei jedem erklommenen Höhenmeter und nach jeder Kurve bot sich uns ein neuer Anblick.

Nur die Distanzen (total 32 Kilometer) waren viel zu kurz für meinen Geschmack.

Auch mit Schwimmen, Aussicht Geniessen und Faulenzen wäre die Wanderung in 2-3 Tagen machbar gewesen. Aber vielleicht ging das nur uns so, die wir die letzten zwei Wochen schon nicht sehr aktiv waren und viel Zeit mit Lesen, Schauen, Denken verbrachten.

Informationen zum Thorsborne Trail auf Hinchinbrook Island:

 

Mehr Fotos von Hinchinbrook Island und dem Thorsborne Trail folgen in Kürze

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