helpX – Farmarbeit unter Hippies

Mit gemischten Gefühlen reisten wir nach Brösarp in Südschweden zu einem Biohof, der zehn Kilometer abseits von zivilisatorischen Annehmlichkeiten wie einem Supermarkt liegt. Dort haben wir einen helpX-Einsatz vereinbart. Bisher haben wir nur als Bürogummis gearbeitet und nicht wirklich (halbwegs zwei Wochen in NZ) auf einer Farm geschuftet. Wir wussten also nicht, ob wir das packen würden. Wiederum freuten wir uns auf die Arbeit mit den Händen und auf eine längere Zeit am gleichen Ort. Der Kulturschock erreichte uns aber auf unerwartete Weise. Die Lebensart auf dem Hof. Das Leben unserer Gastfamilie kann man als “alternativ” bezeichnen. Ökologische Aussteiger oder Hippies sind auch passende Begriffe.

Djurröd Farm 3

Die vier Kinder (+/-, stark wechselnd) und zwei Erwachsene wohnen hier in einem über 100 Jahre alten Holzhaus, das sehr renovationsbedürftg ist und teilweise zerfällt. Ihnen fehlt aber die Zeit für grössere Renovationsarbeiten. Hie und da fällt deshalb der Türrahmen ab und die Wände zieren Kindermalereien (kommt ja nicht darauf an). Die Verursacher gehen alle auf eine Waldorffschule und geniessen eine anti-autoriäre Erziehung. Das Ergebnis erleben wir hautnah. Chaos, Trubel, Heiterkeit. Für Kinder ist es hier ein Paradies. Für uns manchmal zu viel des Guten und Bestätigung, dass wir unsere Kinder (weniger!) auf Bünzli-Art erziehen werden. Wer gedenkt, von dieser Erziehungsmethode Gebrauch zu machen, sollte vielleicht einmal vorbeischauen. 😉

Djurröd Farm 4

Natürlich mag jeder seine Kinder so erziehen, wie er es möchte; wir sind jedenfalls froh, in einem zurechtgemachten Holzwagen abseits wohnen zu können. Wir haben sogar Strom und einen Holzofen. Ab und an räuchern wir uns, aber das gibt sich noch. Das Badezimmer hingegen teilen wir uns. Hygienfanatiker dürften so ihre Probleme damit haben (die sollten dann auch nicht reisen gehen). Auch wir haben die ersten Tage noch stark gegen den inneren Ekel gekämpft. Hier möchte ich gleich anmerken, dass wir nicht heikel sind. In der mongolischen Steppe würden wir einem Gastgeber sicher nicht sagen, dass er sein Plumpsklo hygienischer halten soll. Nein, es ist die Vernachlässigung, die uns stört und die sich auf viele Bereiche im Alltag ausgedehnt hat. Die Küche verursacht bei Nadine nach wie vor einen Abwasch- und Aufräumzwang. Geht es nach uns, muss dies im Kontext eines Bauernhofs in Schweden (anders als z.B. in Drittweltländern) nicht sein. Dies mag sich gerade auf einer Farm, wo die Arbeit wohl nie aufhört, als Anmassung anhören. Wir denken aber, dass mit wenig Aufwand ein Grossteil davon beseitigt werden könnte (auf helpX fände man sicher willige Helfer…). Das ist unsere Einstellung und wir akzeptieren die konträre Lebensweise. Mittlerweile haben wir uns damit abgefunden, dass verrottende Apfelgehäuse im Wohnzimmer liegen, die Wäsche zwei Tage im Regen steht (who cares?) und die Hunde die Vorreinigung der Pfanne übernehmen.

Djurröd Schweine

Nichtsdestotrotz, wir schätzen die Einsicht in diese andersartige Lebensweise und Gedankenwelt und sehen es als Abhärtung für exotischere Orte. Zudem sind es sehr liebenswerte Menschen, die abseits von industrialisierter Landwirtschaft und Massenkonsum ein glückliches Leben führen; und wir können für kurze Zeit ein Teil davon sein. Das ist eines der grössten Assets von helpX, oder Arbeit für Kost und Logis allgemein. Es hilft dir, in eine Welt einzutauchen, die du sonst nie gesehen hättest. Du triffst auf Menschen und Lebensweisen, die deinen Horizont erweitern.

Djurröd Nadine Schäfli

Ach ja, wir arbeiten natürlich auch. Derzeit bauen wir die Waben für die Bienenstöcke. Ein sehr monotoner Vorgang, aber die diesjährige Verdoppelung der Bienenstöcke erfordert es. Nebenbei putzt man dann noch ein wenig 😉 und hilft wo Not am Mann ist. Für Abwechslung sorgt die Tierwelt und die Natur rundherum. Bei unserem ersten Waldlauf konnten wir bereits Wildschweine (jung+alt), Feldhasen und einen Adler, der gerade einen zerstückelt Kadaver in Beschlag genommen hatte, beobachten. Natur pur.

Mehr zu unserem Aufenthalt in Südschweden: 

Mehr Fotos zu Djurröd

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