Spaziergang durch Istanbul

Die Strassen von Kadıköy – im asiatischen Teil Istanbuls – liegen noch ruhig da, obwohl es bereits halb zehn Uhr morgens ist. Nur vereinzelt begegnen uns andere Passanten; meistens sind es ältere Menschen. Das junge Partyvolk vom Vorabend schläft noch. Die entvölkerten Gassen und Strassen von Istanbul wirken ungewohnt friedlich; ein starker Kontrast zu den belebteren Stunden am Nachmittag und Abend. Es ist Opferfest (Eid al-Adha). Neben den Cafés und Bars haben darum auch die Einkaufsläden und Marktstände erst später geöffnet.

Istanbul Kadiköy Strasse

Pendeln in Istanbul

Je näher wir dem Fährhafen von Kadıköy kommen, desto belebter wird es. Wir begeben uns mit den Berufspendlern aufs Schiff. Es ist die schnellste und einfachste Möglichkeit, um auf die andere Seite Istanbuls – die europäische – zu gelangen. Der süssliche Duft von Gebäck und frischem Tee empfängt uns im Innern der Fähre. Der Steward geht schon zwischen den Sitzbänken umher und wirbt für çay und portakal suyu (O-Saft). Es ist die letzte Gelegenheit, um einen günstigen Tee zu kaufen. In der touristischen Altstadt von Istanbul sind die Preise wesentlich höher.

Die Aussicht auf die fernen Silhouetten der Aya Sofia, der blauen Moschee und des Topkapi Palasts tauchen auf, als wir uns dem Hafen in Eminönü nähern. Eine bessere Sicht kann auch eine teure Sightseeingfahrt nicht bieten. Nur eine Bosporus-Fahrt bis zum Schwarzen Meer kann die Pendlerstrecke nicht abdecken. Ansonsten bieten sich die Pendlerfähren mit der Istanbulkart als günstige Variante (zwischen 1-2 TL) zu den Tourischiffen an.

Gang Istanbul Eminonu Hafen

Altstadt Istanbuls

Auf dem europäischen Festland empfängt uns der gewohnte Trubel der Altstadt von Istanbul. Zu dieser Stunde müssen wir uns jedoch noch nicht durch die Massen kämpfen. Auf einer Bank in der Nähe der Cisterna Basilica beobachten wir schliesslich das Treiben auf den umliegenden Strassen. Wegen des Opferfests haben die Sehenswürdigkeiten erst um 13 Uhr geöffnet. Viele Touristen irren der Störung ihres Zeitplans wegen ziellos umher. Die Streetfood-Verkäufer dagegen wittern das grosse Geschäft und preisen lautstark ihre Esswaren an – Sesamkringel – Granatapfelsaft – Kastanien – Maiskolben – Kokoreç – Macun.
Bei einer Ampel hat sich ein kleiner Junge mit dreckigen Kleidern und nackten Füssen positioniert und bettelt umgeben von reichen Touristen. Nach ein paar Münzen kehrt er feixend zu einer Gruppe älteren Jugendlichen zurück. Der „grosse Bruder“ streckt seine Hand aus und nach kurzem Zögern gibt der Junge die Münzen her.

Unter Istanbul

Eine Stunde vor Öffnung der Zisternen reihen wir uns in die Schlange vor dem Eingang ein. Beim Besuch einer der Top-Attraktionen Istanbuls gehört das Warten leider dazu. Die Menschenkette vor der Aya Sofia oder der Blauen Moschee erkennt man als solche längst nicht mehr.
Endlich unter der Erde – zwischen orange beleuchteten Säulen – geht es genauso lärmig und stressig zu und her wie auf den Strassen über unseren Köpfen. Die Luft ist warm und feucht und überzieht die Haut mit einem Film. In der Düsternis vergeht kein ruhiger Moment. Eine Masse aus weichen Körpern, kantigen Ellbogen und Kameras drängt sich stetig an uns vorbei. Kamerablitze geistern über die Säulen. Nur ein Foto vermag noch die eigentliche Stille des Ortes einzufangen.

Gang Istanbul Cisterna Basilica 5
Zurück an der Oberfläche bleibt ein fader Nachgeschmack und ein paar verschwommene Bilder im Kopf hängen. Eine Gruppe drängt sich an uns vorbei und steuert die Aya Sofya an. Die Schlange für die Cisterna Basilica hat sich verdoppelt.

Beyoğlu – Hip in Istanbul

Im Tram Richtung Beyoğlu geht es diesmal auf Tuchfühlung mit der lokalen Bevölkerung. Wir sehnen uns gleich nach den Zürcher Trams während den Pendlerzeiten. Im modernen Zentrum von Istanbul angekommen, heben wir uns den Galata Turm für besseres Wetter auf und lassen uns in Richtung Taksim Platz treiben. Auf der İstiklal Caddesi scheint sich das Volk für einen Sonntagspaziergang versammelt zu haben. Die Mischung aus Locals und Touristen ist spannend. Familien, schäkernde Gruppen Jugendlicher, Strassenmusikanten und das übliche Spektrum aus Touristen. Gelegentlich rattert ein historisches Tram vorbei und schneidet eine Fräse durch die Menge Das Glockengebimmel hört nicht auf. Kinder machen sich einen Spass daraus, auf das fahrende Tram aufzuspringen. Der Kontrast zur fröhlichen Stimmung bildet die Polizeipräsenz. Diese wird man besonders auf dem Taksim Platz gewahr, welcher seit 2013 bei westlichen Europäern im Gedächtnis ist. Als Schauplatz für Proteste und blutige Auseinandersetzung diente der Platz in Istanbul aber schon viel früher. (Wiki)

Gang Istanbuld Beyoglu

Mit der Fähre von Kabatas aus fahren wir über den Bosporus zurück nach Kadıköy. Die vielen Eindrücke haben uns sichtlich geschafft. Das sanfte Schaukeln des Schiffs macht schläfrig. In Kadıköy sind die Strassen wieder zum Leben erwacht. Die Sinne erwachen wieder beim Gang durch die Fussgängerzone von Moda (Caferağa Bezirk). Die automatische Abwehrhaltung gegenüber aufdringlichen Verkäufern und Kellnern fällt sogleich ab. Als Tourist lebt es sich hier noch wesentlich entspannter. Dafür kommt man mit Deutsch und Englisch nicht sehr weit. Die Bestellung einer Kiymali Pideler gelingt uns trotzdem.

Gang Istanbuld Skyline Sultanahmat 2

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2 Comments

  • Manuela sagt:

    Am Wochenende geht es für mich auch nach Istanbul, bin gespannt ob ich aus eurem Bericht etwas wiedererkenne.
    Kann man die Pendlerboote einfach vom Hafen aus buchen?

    LG
    Manuela

    • Hallo Manuela, Istanbul bietet so viele Eindrücke, du wirst wahrscheinlich einiges sehen, was wir beschrieben haben, aber auch sicher vieles entdecken, was uns verborgen blieb ;o)
      Die Personenfähren über den Bosporus sind Teil des öffentlichen Transports, bei jedem Fährterminal hat es Drehkreuze, wie man es von der U-Bahn kennt. Du kannst bei den Terminals an Automaten für Einmalfahrten ein Ticket kaufen, oder falls du öfters mit dem öffentlichen Transport unterwegs bist, bietet sich die “Istanbulkart” an. Das ist eine Karte, die du an Kiosken (sofern diese irgendwo “Istanbulkart” oder “Akbil” angepriesen haben) und gewissen Automaten bei den Stationen kaufen kannst (Depot 6 TRY) und dann mit einem gewünschten Betrag aufladen kannst. Mit der Karte sparst du dir Zeit und kriegst auch immer Rabatt auf die einzelnen Fahrpreise. Die Karte kannst du am Ende des Aufenthaltes bei einem Kiosk retournieren, oder z.B. am Flughafen dem nächsten Touristen weiterverkaufen, haben wir so gemacht… Dabei bitte beachten, dass man das Guthaben auf der Karte beim Kiosk nicht ausbezahlt bekommt.
      Die Fähren verkehren übrigens in einem regelmässigen Abstand, meistens ca. alle 15-20 Minuten. Es bedarf also keiner genauen Planung.
      Hier findest du weitere Informationen zur Istanbulkart: http://istanbulkart.iett.gov.tr/en/istanbulkart/pages/menu/427
      Morgen folgt ein weiterer Post zu Istanbul, mit Tipps zu Kadiköy auf der Asiatischen Seite des Bosporus. –> https://www.gustofrenzy.com/kadikoy-herz-von-asien/
      Falls du weitere Fragen hast – nur zu! Wir würden uns freuen zu hören, wie dir Istanbul gefällt.
      Liebe Grüsse, Nadine

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