Fraser Island: von Dingos, Sand und klarem Wasser

Füttere keinen Dingo! Sei nie alleine unterwegs! Fotografiere aus der Ferne: bleib im Auto! Kein Essen am Strand! Interagiere nicht mit Dingos! Nimm einen Stock zur Verteidigung mit! Iss nur in eingezäunten Picnic-Plätzen! Provoziere nie einen Dingo! Wenn du von einem Dingo angegriffen wirst, verteidige dich aggressiv – du kämpfst um dein Leben!

Be dingo-safe on Fraser Island!

Oh man, ich sah mich schon von einem Dingo zerfleischt am Boden liegen oder von einer zähnefletschenden Meute von Dingos umzingelt alleine im Wald stehen. Und jetzt im Juni ist auch noch Paarungs- und Welpenzeit auf Fraser Island, dann verteidigen Dingos ihr Territorium noch stärker. Die anderen Besucher hatten gut reden. Sie konnten sich im Auto oder Tourbus verbarrikadieren. Wir aber waren als Wanderer den Monstern schutzlos ausgeliefert. Gut, hatten wir unsere Wanderstöcke dabei, die helfen sicher beim Kampf um Leben und Tod mit einem Dingo.

Quelle: Flyer "be dingo-safe" (http://www.nprsr.qld.gov.au/parks/fraser/pdf/be-dingo-safe-flyer.pdf)

Quelle: Flyer “be dingo-safe” (http://www.nprsr.qld.gov.au/parks/fraser/pdf/be-dingo-safe-flyer.pdf)

Die Gejagten auf Fraser Island

Das Dorf Kingfisher Bay mit dem gleichnamigen Touristen-Resort auf Fraser Island wird durch einen Zaun vom Nationalpark (ein Teil des Great Sandy Nationalparks) getrennt. Beim Tor zum Park gab es nochmals ein Warnschild, das einen zähnefletschenden Dingo zeigte und dazu aufforderte, sich „dingo-safe“ zu verhalten. Wir waren nun in deren Territorium. Wir waren die Eindringlinge. Uns galt es zu jagen und zu fressen.

Ich fühlte mich beobachtet. Ich fühlte mich schutzlos. Hinter jedem Baum wähnte ich einen rothaarigen buschigen Schwanz verschwinden zu sehen. Nach wenigen Kilometern auf dem sandigen Wanderweg in Richtung Lake McKenzie erreichten wir den Weststrand von Fraser Island. Im Sand sahen wir die ersten Beweise für Dingos auf der Insel: Pfotenspuren. Was, wenn nun ein Dingo aus dem Wald gerannt kommt? Er würde uns bestimmt geifernd ans Wasser drängen. Dorthin, wo die Krokodile lauern. Und weiter Draussen die Haie. Und die Quallen. Und die Stachelrochen. So viele Lebewesen, die uns quälen, töten, essen wollen.

Dingo Spuren auf Fraser Island

Dingo Spuren auf Fraser Island

Australier sind Meister des Einschüchterns – und des Übertreibens. Bei all den Broschüren und Warnschildern, bekommst du leicht das Gefühl, in Teufels Küche geraten zu sein. Aber hier mal ein Schnitt unserer bisherigen vier Monate in Australien, gefahrenmässig:

Wir haben frei lebend gesehen:

2 Skorpione (in einer Garage)
1 Tiger snake – Schwarze Tigerotter (auf dem Overland Track)
0 Spinnen mit tödlichem Gift
0 Krokodile (noch nicht)
0 Haie
und: 0 Dingos

Drei Tage wanderten wir auf Fraser Island und wir bekamen keinen einzigen Dingo zu Gesicht. Vielleicht sind wir einfach schlechte Wildlife-Spotters. Uns glaubt noch immer keiner, dass wir auf dem Overland Track keinen einzigen Wombat sahen. Erst im Wilsons Promontory in Victoria liefen sie uns über den Weg.

Überraschende Begegnung auf Fraser Island

Meine Dingo-Paranoia liess im Laufe des ersten Wandertages nach. Und wir fanden Bestätigungen, dass andere Leute die Hinweise und Warnungen leider gar nicht erst beachteten. Auf dem Wanderweg kurz vor dem Lake McKenzie, einer Hauptattraktion von Fraser Island, fanden wir eine zerrissene Plastiktüte mit Essensabfällen („Lock away all food items and containers!“). Da hatte ein Dingo wohl ein Festmahl. Und am Lake McKenzie wurde trotz nicht zu übersehenden Hinweisschildern Essen konsumiert („Don’t take food to the lake shores and beaches!“). Wir nahmen die Abfalltüte mit und trugen sie bis zum Lake McKenzie, weil wir hofften, diese einem Ranger oder Tourbus zur Dingo-gerechten Entsorgung mitgeben zu können.

Lake McKenzie auf Fraser Island

Lake McKenzie auf Fraser Island

In der eingezäunten Picnic-Area fanden wir denn auch einen Guide, der gerade den Zvieri für seine Touristengruppe vorbereitete. Er erkannte unser Abfall-Problem, bevor wir es recht erklären konnten und nahm uns die zerrissene Tüte ab. Seine Gruppe war noch nicht zurück vom See und er war gerade dabei, sich selbst einen Tee zu gönnen. Kurzerhand bot er uns ebenfalls einen an und zeigte auf eine Schüssel mit Zimtschnecken und ANZAC Cookies: help yourself! Das liessen wir uns nicht zweimal sagen.

Während wir den Tee und Gebäck genossen, schilderten wir dem interessierten und braungebrannten Guide unser weiteres Wandervorhaben und wurden von ihm mit Tipps und alternativen Routen überschwemmt. Er bot uns sogar an, uns zwei Tage später mit dem Tourbus vom Lake McKenzie zurück zum Kingfisher Bay Resort, wo die Fähre ablegt, mitzunehmen, da wir sonst für die anderen Routen keine Zeit hätten. Wir versprachen, uns seine Vorschläge und sein Angebot zu überlegen. Er zeigte noch auf Philippes Kameratasche und fragte, mit was er seine Fotos schiesse. Er selber sei neben Tourguide noch vieles anderes, unter anderem Fotograf.
„Are you Peter Meyer?“, fragte Philippe. Er bestätigte dies lächelnd. Wir waren beim Kingfisher Bay Resort an seiner Galerie vorbeigelaufen und bestaunten dort die Bilder, die wir schon auf diversen Postkarten auf dem Festland und auf der Fähre gesehen hatten. Seine Bilder fangen Fraser Island so ein, wie man sie nur sieht, wenn man sich im Detail, den Farben, Formen, Geräuschen und Düften zu verlieren wagt. (Mach dir selbst ein Bild: www.petermeyerphotography.com)

Wie versprochen, überlegten wir uns Peters Routenvorschläge und planten um. Wir übernachteten auf dem (eingezäunten) Campingplatz beim Lake McKenzie. So konnten wir den glasklaren See mit dem weissen Sandstrand am späten Nachmittag geniessen, als all die Touristen-Busse weg waren und die Stille zurückkehrte.

Zweiter Tag, zweiter See

Am nächsten Tag liefen wir via Central Station und Pine Valley zum Lake Wabby Campground und Lookout. Ein toller Ort, von wo aus wir die Sicht über den Lake Wabby, eine riesige Sanddüne bis hinaus zum Meer geniessen konnten.

Lake Wabby vom Lookout aus auf Fraser Island

Lake Wabby vom Lookout aus auf Fraser Island

Die Seen, Dünen und das Meer waren die Highlights unserer Wanderung auf Fraser Island. All die Kilometer dazwischen durch den Wald empfanden wir als relativ eintönig. Und du läufst (auf der grössten Sandinsel der Welt) auf Sand. Mehrmals pro Tag leerten wir unsere Schuhe und säuberten die Zehenzwischenräume von den feinen Sandkörnern. Doch wir haben im Vergleich zur Grösse der Insel nur einen kleinen Teil durchlaufen. In den hunderten weiteren Quadratkilometern von Fraser Island liegen vielleicht noch weitere Schätze und spannendere Orte verborgen.

Wanderweg auf Fraser Island

Wanderweg auf Fraser Island

Fraser Islands Selfie Spot

Den dritten Tag nahmen wir, wie er kam. Wir wollten spätestens um 15.00 Uhr beim Lake McKenzie sein, damit wir mit Peter zurück zum Kingfisher Bay Resort und zur Fähre fahren konnten. Als wir dort ankamen und auf die Uhr schauten, war es erst 11.00 Uhr – wir waren wiedermal schneller als gedacht. Wir liefen nochmals zum Seeufer, wo sich um diese Tageszeit Busladungen voller Backpacker und Pauschaltouristen tummelten. Einige schwammen – wie wir zwei Tage zuvor – im kalten Wasser des glasklaren Sees, andere fröstelten im kühlen Wind, zogen sich aber keinen Pullover an, weil ein Bikini auf Fotos doch viel besser rüberkommt. Wir tauften den Lake McKenzie um auf Lake McSelfie. Noch nie sahen wir in Australien so viele Selfie-Sticks, GoPros und übertrieben lachende und posierende Menschen auf einem Haufen wie hier am Lake McKenzie auf Fraser Island.
Wir zogen einige schiefe Blicke auf uns, als wir unbeeindruckt Wanderstöcke und Rucksäcke ablegten, uns hinsetzten, unsere Gamaschen auszogen, unsere Zehen der frischen Luft aussetzten und sie vom Sand befreiten.

Lake McKenzie auf Fraser Island

Lake McKenzie auf Fraser Island

Wir assen in der eingezäunten Picnic-Area zu Mittag und entschieden uns gegen ein stundenlanges Warten auf Peter. Stattdessen liefen wir die 12km zurück zum Kingfisher Bay Resort, kauften einige von Peters Postkarten und hinterliessen eine Notiz für ihn.

Die Fährfahrt zurück aufs Festland ermöglichte uns einen letzten Blick auf Fraser Island im goldenen Licht der untergehenden Sonne. Segelboote ankerten vor dem Strand, Angelruten hingen vom Pier ins Wasser und wir verabschiedeten uns von Fraser Island und all ihrer uns verborgen gebliebenen Dingos.

Sonnenuntergang bei Fraser Island

Sonnenuntergang bei Fraser Island

Dingos auf Fraser Island

Es leben etwa 300 reinrassige Dingos auf Fraser Island, viele davon sind mit Tags markiert. Es wird Buch geführt über die Population, auffälliges Verhalten einzelner Dingos und Zwischenfälle mit Menschen. Seit 2001 ist der Queensland Parks and Wildlife Service noch stärker um die Sicherheit der Menschen – und Dingos – auf Fraser Island bemüht. Im April 2001 wurde bei einer Attacke von Dingos ein neunjähriger Junge getötet und ein zweites Kind schwer verletzt. In der Folge wurden 28 Dingos, die bekannt dafür waren, dass sie sich an Menschen gewöhnt hatten und sich in Gebieten aufhielten, wo es viele Menschen gab, eingeschläfert.

Für das „Dingo-Problem“ auf Fraser Island gab es drei Lösungen:

– keine Dingos
– keine Menschen
– das Zusammenleben beider bewerkstelligen

Man entschied sich für Letzteres und wenige Monate nach der tödlichen Attacke wurden neue Strategien umgesetzt, die den nachhaltigen Umgang mit Dingos und die Reduktion negativer Vorfälle in der Interaktion von Dingos mit Menschen zum Ziel hatten. Seit 2001 wurden einige „high-risk“ Dingos eingeschläfert, um Angriffen auf Menschen vorzubeugen.

Links und Quellen

Informationen Dingos auf Fraser Island
Be Dingo-Safe Flyer (PDF) 

Wandern auf Fraser Island

Zu Beginn wollten wir den Fraser Island Great Walk (4 Nächte, Happy Valley bis Dilli Village) wandern. Als wir aber die Kosten dafür zusammenzählten, schluckten wir leer. Über 500$ hätten wir zahlen müssen. Zum Wandern!

Wir suchten nach Alternativen und entschlossen uns für eine etwas angepasste Wanderung auf einem Teil des Great Walks. So konnten wir uns die Taxifahrten und drei Nächte Secure Parking für unsere Mitsy sparen. Es gibt viele Wanderwege und Campingplätze auf Fraser Island, man kann sich also gut seine eigene Tages- oder Mehrtageswanderung zusammenstellen.

Unsere Wanderung auf Fraser Island

Kingfisher Bay Resort – Lake McKenzie                            13.8km
Lake McKenzie – Lake Wabby (via Central Station)        26km
Lake Wabby – Kingfisher Bay Resort                                  27km

Campingplätze müssen im Voraus online gebucht werden: Link

Kosten zum Wandern auf Fraser Island

Secure Parking in River Heads: 15 AUD pro Nacht
Kingfisher Bay Ferry: 55 AUD pro Person (hin und zurück ab River Heads)
Camping Permit: 11.50 AUD pro Nacht für zwei Personen

Great Walk extra:
Taxi Kingfisher Bay – Happy Valley (Great Walk Beginn): 160$ für zwei Personen
Taxi Dilli Village – Kingfisher Bay (Great Walk Ende): 130$ für zwei Personen

Links

Great Walk Fraser Island
Fraser Island Nationalpark
Camping Platz Buchung
Kingfisher Bay Ferry
Secure Parking in River Heads

 

Mehr Fotos von Fraser Island

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