Wandern in Finnisch Lappland – Pallas-Hetta

Und weiter geht’s mit unserem Erfahrungsbericht zur Wanderung von Äkäskero nach Hetta. 100 Kilometer durch Finnisch Lappland.

3. Tag Pallas – Vuontispirtti

Ein wenig überfressen starteten wir an diesem Tag vom Pallas Hotel aus. Das Buffet war zu gut, die Auswahl zu gross. Nichts konnten wir auslassen. Speck, Ei, Würstchen, Waffeln usw. Während der ersten Stunde bergauf bereute ich die Schlemmerei und ging langsamer als gewohnt. Das Tempo würde sich auch nicht mehr ändern. Von diesem Tag an mussten wir näher bei der Gruppe bleiben, da vortags bei der anderen Gruppe jemand vom Weg abgekommen war und zwanzig Kilometer vom Ziel entfernt auftauchte. Wie das passieren konnte, ist noch immer nicht ganz klar. Der Wanderweg ab Pallas ist wie eine Autobahn. Breit und klar ausgeschildert. Die gute Beschaffenheit der Strecke erlaubt es auch den langsameren in der Gruppe ein wenig schneller voranzukommen. Den Wald hatten wir bereits vor Pallas hinter uns gelassen. Nun liefen wir auf den tunturis (Fjell/Berg) befreit von Gestrüpp und nassen Büschen.

Finnisch Lappland Pallas-Vuontispirtti 3

Der Regen hatte auch aufgehört, nur der Nebel trübte zu Anfang die Aussicht auf die tiefer liegenden Seen und Wälder des Lapplands.

Die Strecke Pallas-Hetta gehört zu den meistbegangenen und schönsten Wanderouten in Finnland. Die zahlreichen Hütten (Kota oder Autiotupa) waren dementsprechend grösser und neuer. In der Autiotupa Namalakuru machten wir halt für den Mittag. Dort begegneten wir auch anderen Wanderern, die sich bisher rar gemacht hatten. Ab Ende Juli bleiben die Massen nämlich aus und so kreuzt man bis Oktober nur  mit wenigen Leuten den Weg.
In der zweiten Tageshälfte liefen wir weiter über die tunturis und konnten endlich die Aussicht auf das Umland geniessen. Aus dieser Perspektive werden die Dimensionen der Weiten des Lapplands erst richtig klar. Dutzende Seen, dichte Wälder und kaum Anzeichen menschlicher Besiedelung prägten das Bild. Bei guter Sicht ist es sogar möglich, bis nach Schweden und Norwegen zu sehen. Der Herbst hatte hier oben bereits seine Spuren hinterlassen. Die Birken verfärbten sich bereits gelb und bildeten farbige Kleckse in der grünen Landschaft. Die Blaubeerbüsche schimmerten rötlich. Beides Zeugen des beginnenden Ruska-Aika (Link) im September, ein Naturschauspiel ähnlich des Indian Summers.

4. Tag Vuontispirtti – Ketomella

Der längste Wandertag stand bevor. 27 Kilometer. Beim bisherigen Tempo der Gruppe hätten wir um die zwölf Stunden gebraucht; glücklicherweise setzten die beiden langsamsten Mitglieder für den Tag aus und fuhren mit dem Servicewagen nach Ketomella. So ging es flotter als sonst hinauf zu den tunturis. Das Wetter zeigte sich bis dato von seiner schönsten Seite und ermöglichte uns den Genuss der atemberaubenden Aussicht auf das Finnische Lappland. Mit jedem weiteren Schritt, so schien es, rückte der  Herbst ein Stück näher heran. Die Blätterfarben der Blaubeerbüsche und Birken wurden immer intensiver. Der Geruch nach verwelkten Blättern umgab uns in den tieferen Lagen. Die Luft war kalt trotz Sonnenscheins.

Finnisch Lappland 5

Vermehrt begegneten wir anderen Wanderern, die uns, da wir oft etwas vorausgingen, auf Finnisch ansprachen. Hallo! Wie geht’s? Geht es noch weiter den Berg hinauf? – Sorry, we don’t speak Finnish.
Nach der zweiten Lunchpause in Hannukuru führten die letzten zehn Kilometer über eine Hochebene und schliesslich bergab durch herbstliche Laubwälder. Die Nadelwälder auf dem letzten Stück wuchsen auf sandigem Boden und erweckten im Glanz des einfallenden Sonnenlichts einen mediterranen Eindruck.
Weniger erschöpft und schneller als gedacht, erreichten wir Ketomella nach „nur“ neun Stunden. Dieser Teil der Wanderung hat uns definitiv am besten gefallen. Die Strecke war abwechslungsreich (Laub- und Nadelwälder, tunturis, Seen) und trotz ihrer Länge nicht allzu anstrengend. Erwischt man noch einen schönen, klaren Tag ist dies der perfekte Wandertag.

5. Tag Ketomella – Hetta

Der letzte Tag unserer Wanderung durch Finnisch Lappland versprach ein leichter zu werden. Nur noch 19 Kilometer bis zum Ziel. Zurück durch den „mediterranen“ Wald und wieder die Hügel hinauf. Zwei, drei tunturis mussten wir noch erklimmen und wurden dafür mit einer tollen Aussicht bis ins Schwedische und Norwegische Lappland belohnt. Für den Lunch sassen wir nach Langem wieder einmal draussen im Sonnenschein. Wir brieten Cervelat ähnliche Würste über dem offenen Feuer, was heimelige Gefühle in uns aufsteigen liess. Was ein paar Schnitze in eine Wurst alles auslösen können!

Am späteren Nachmittag erreichten wir nach 100 Kilometern das Ziel der fünftägigen Wanderung. Die Gruppe und Aino blieben für eine Nacht in Hetta, wir aber mussten gleich wieder zurück nach Ylläsjärvi. Denn schon am nächsten Tag wartete unsere Wilderness Lodge in Äkäskero auf uns und damit die nächste Wandergruppe.

Finnisch Lappland Ketomella-Hetta Pano 1

Fünf Tage durch Finnisch Lappland. Es war wunderbar! Die abwechslungsreiche Landschaft, die komfortable Unterkunft, das leichtfüssige Wandern. Eine tolle Erfahrung, diese geführte Wanderung. Nur den Teil des Gruppenwanderns würden wir nicht mehr wiederholen. Wir sind zu sehr daran gewohnt, im eigenen Tempo zu gehen. Die Wanderung empfehlen wir aber auf jeden Fall.

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