Wandern in Finnisch Lappland – Äkäskero-Pallas

Der Reiseveranstalter Safartica organisiert jährlich die sechstägige Wanderung “Lapland Classic“, die von Ylläsjärvi nach Hetta 126 Kilometer durch Finnisch Lappland führt. Dieses Jahr waren wir Dank HelpX Teil davon und arbeiteten unter anderem als Hosts in einer Wilderness Lodge. Quasi als Belohnung durften wir fünf der sechs Tage mitwandern.

Einfach luxuriös

Im Gegensatz zu unserer Kungsleden-Wanderung (Link) ging es dieses Mal ein bisschen luxuriöser zu und her. Der Inhalt des Tagesrucksacks beschränkte sich lediglich auf den Lunchsack, Wasser und Kleider für alle Wetterlagen. Der Rest des Gepäcks wurde am Morgen in der Unterkunft mit dem Auto abgeholt und zur nächsten gebracht. Bisher hatten wir solche Wandergruppen mit Tagesrucksäcken auf Mehrtageswanderungen immer etwas belächelt – „Das hat doch nichts mehr mit Wandern zu tun!“ – mittlerweile müssen wir eingestehen, dass es wohl auch etwas versteckter Neid war.

Die neue Leichtigkeit beim Wandern durch Lappland war ungewohnt. Die Reduktion von 25 Kilogramm auf ein paar wenige war einfach göttlich. Bei herbstlichen Temperaturen von vier Grad in der Nacht mussten wir auch nicht in unser vertrautes Zelt kriechen. Meistens übernachteten wir in Hotels oder Gasthäusern. Der Campingkocher blieb ebenfalls im Schrank. Frühstück und Abendessen gab es als Buffet in den jeweiligen Unterkünften; den Lunchsack bereiteten die Leute aus dem Tunturi Hotel in Ylläsjärvi vor. Zu den obligaten Sandwiches gab es zum Mittag immer eine Suppe, Pasta oder eine Cervelat ähnliche Wurst, die wir über offenem Feuer oder in den Wanderhütten auf Gasherden zubereiteten.

Diese neue Art von komfortablem Wandern war uns am ersten Tag noch ein wenig suspekt. Zwar wanderten wir durchschnittlich zwanzig Kilometer am Tag, doch fühlten sich diese Dank leichtem Gepäck nicht so an. Am Morgen waren wir mehr oder weniger erholt und hatten keinen Muskelkater. Verrückt. Daran gewöhnt haben wir uns dann ziemlich schnell 😉 Vielleicht sollten wir uns in Richtung Ultralight Wandern entwickeln?

Und jetzt zur Wanderung:

1. Tag Äkäskero – Rauhala

Die Äkäskero Wilderness Lodge war während fünf Tagen unser Reich; während diesen Tagen waren wir für die Bewirtung und Unterkunft der Wandergruppen nach ihrem ersten Wandertag verantwortlich. Unsere fünftägige Wanderung im Lappland lag dazwischen; also starten wir von Äkäskero aus Richtung Hetta.

Langsamer als gewohnt (wegen der Gruppe und deren Durchschnittsalter…) und zur Abwechslung mal nicht im alpinen Terrain wanderten wir den ganzen Tag auf Waldgebiet. Nur die Aussichtspunkte auf den tunturis (Fjell/Berg) lagen über der Baumgrenze, die hier mit 300-600 Meter sehr tief ist. Der Weg war gesäumt von Blaubeer- und Johannisbeerenbüschen. Unsere Münder und Hände waren nach kurzer Zeit ganz blau. Alte Erinnerungen an Österreich und das Heidelbeerpflücken im Herbst kamen auf. Nur dass die Menge an Beeren alles bisher Gesehene in den Schatten stellte. Man musste sich nicht einmal die Mühe machen, sich ein paar Meter vom Pfad zu entfernen. Die Büsche, die unsere Schuhe und Socken nach ein paar Stunden durchnässt hatten, wuchsen links und rechts des Weges.

Die Fülle an Pilzen unterlag jener der Beeren nur knapp. Noch nie hatten wir so viele Pilze auf einem Haufen gesehen. Viele essbar, noch mehr ungeniessbar. Eine Lektion in Pilzkunde hätte bei dieser Vielfalt wohl einen Tag veranschlagt. Lediglich die Steinpilze erkannte ich. Es war ein Jammer, an ihnen vorbeizulaufen. Meine Grosseltern, hätten wohl einen Schock erlitten. Und auch die Teilnehmer aus dem Süden Finnlands konnten die reichhaltigen Sammelgründe Lapplands erst gar nicht fassen, da sie an pilzumkämpfte Gebiete im Süden gewohnt sind.

Am Mittag gingen wir unserer Führerin Aino als Help-Guides zum ersten Mal zur Hand. Suppe (oder ähnliches.) über dem offenem Feuer zu kochen, ist wichtiger Bestandteil des Wandertags und muss auch bei Regen gemacht werden. Das schlechte Wetter begleitete uns leider auch den restlichen Tag. Immerhin war der Nebel zwischen den Bäumen sehr atmosphärisch und mystisch. Alsbald hatten alle nasse Füsse, denn gegen den sumpfigen Weg konnten die besten Wanderschuhe nichts ausrichten. Das Ende der Wanderung und die Sauna sehnte jeder herbei. Kurz vor dem Pickup Point fanden wir noch einige Cloudberries (Moltebeere), was die Stimmung von uns beiden hob. Die Beeren liegen v.a. bei Südfinnen hoch im Kurs und kosten im Supermarkt um die 35 Euro pro Kilo. Den Geschmack fanden wir aber nicht allzu speziell oder gut.

Finnisch Lappland 2

2. Tag Rauhala – Pallas

Nach einem ordentlichen Frühstück mit einer genialen Korvapuusti „Ohrfeige“ (Zimtschnecke) starteten wir gestärkt. Annalena (aus DE) begleitete uns für diesen Tag. Sie war auch via HelpX zu Safartica und dem Tunturi-Hotel in Ylläsjärvi gestossen und half in der Küche und bei der Tour mit. Das war eine nette Abwechslung, da die Gruppe (sechs Personen, sehr klein) sich nur wenig mit uns unterhielt. Einerseits lag es an den mangelnden Englischkenntnissen, andererseits an ihrer Zurückhaltung (finnisch?). Unsere Finnischkenntnisse beschränken sich auch nur auf Kiitos – Danke und Hei – Hallo. Lediglich mit Aino, unserer Tourführerin, unterhielten wir uns auf Englisch.

Zur Abwechslung liefen wir in unserem eigenen Tempo, was mir sehr entgegen kam. Wie beim Jogging ist es eher von Nachteil, wenn man mit jemand langsameren unterwegs ist. Die Bewegungen sind unnatürlich und die Muskeln und Sehnen werden falsch belastet.
Das andauernde Regenwetter vermieste die Aussicht auf das hügelige Lappland und verwandelte den Weg in einen Spiessrutenlauf. Umgestürzte Bäume oder wuchernde Büsche erschwerten den Weg. Im Zickzack oder hüpfend umgingen wir die sumpfigsten Stellen. Die Spiegelreflex blieb an diesem Tag im Trockenen. Lediglich Handyfotos zeugten von diesem Tag.

Eine Stunde vor der Gruppe waren wir in der Lunchhütte und wollten bereits einheizen. An das Feuerzeug bzw. die Streichhölzer hatte aber niemand gedacht. D’oh! Es hatte gar einen Gaskocher; aber ohne Piezozündung. Auch mein Versuch, auf Indianerart Feuer zu machen, half nicht weiter. Erst mit Aino kam Feuer in die Stube. Da wir bereits eine Stunde gerastet hatten, verzichteten wir auf die Nudeln und gingen gleich los. Der Regen trieb uns förmlich an. Vorbei an noch pilzreicheren Gebieten wanderten wir den markierten Pfad in Richtung Pallas und erreichten drei Stunden früher als der Rest der Gruppe das Pallas Hotel. Die freie Zeit nutzten wir für einen Saunagang und mit hungrigem Warten.

Mehr zum zweiten Teil unser Wanderung in Finnisch Lappland erfährst du hier.

Mehr Fotos zu Finnisch Lappland

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