Die ersten Sonnenstrahlen auf dem Mt. Warning

Der Mt. Warning ist ein längst erloschener Vulkan im Norden von New South Wales – nahe zur Grenze zu Queensland – und einbeliebter Ausflugsort bei den Australiern. Letzteres mussten wir um vier Uhr morgens feststellen, als wir in den Parkplatz beim Eingang des Nationalparks einfuhren. Etwa zwanzig Stirnlampen wendeten sich uns zu, blendeten und schockten uns. „Gopferdeli“, am liebsten hätte ich auf der Stelle kehrt gemacht. Dies entsprach nicht meiner Vorstellung von einem einsamen Gipfel im Morgengrauen.

Mt. Warning und der Sonnenaufgang

Der Mt. Warning ist deshalb so beliebt, weil man von der Spitze aus die Ostküste sieht und an diesem Punkt das erste Sonnenlicht auf das Australische Festland trifft. Vom ersten Sonnenstrahl geblendet zu werden, das wollen sich viele Frühaufsteher nicht entgehen lassen.
Wir natürlich auch nicht und waren deshalb schon um 3 Uhr aufgestanden, sodass wir früh genug mit der Wanderung zur Spitze beginnen konnten.

Der Mt. Warning ist übrigens nur im Winter der erste Ort, den die Sonne begrüsst. Im Sommer beglückt sie das Cape Howe im Süden von New South Wales direkt an der Grenze zu Victoria zuerst.

Mt.-Warning-1

Im Gänsemarsch den Mt. Warning rauf

Die überwiegend Leggings tragende Gruppe startete bereits ein paar Minuten vor uns. Ihrer Kleidung nach zu schliessen, waren sie für einen Trailrun ausgerüstet. Die Gruppe lief aber im normalen Tempo und heiterem Geschnatter und Gelächter los. Trotz der Dunkelheit waren wir so ihrer Präsenz gewahr. Es dauerte dann nicht lange, bis wir die ersten Nachzügler einholten. Getrieben vom Wunsch, vor ihnen an der Spitze von Mt. Warning zu sein, marschierten wir an ihnen vorbei. Das war schwieriger als gedacht, denn sogar die Erschöpften liessen uns nur widerwillig vorbei.

Der erste Teil der Strecke war von Überholmanövern und Blendattacken begleitet. Es ist erstaunlich, wie selten es jemandem auffiel, dass eine Stirnlampe (oder Taschenlampe) auf Augenhöhe das Gegenüber blenden könnte.
Als wir dann endlich die ganze Gruppe hinter uns gelassen hatten, warteten schon die nächsten Mt. Warning-Wanderer auf uns. Der schlimmste Teil stand uns aber noch bevor. Auf den letzten paar hundert Metern wechselte der schmale Pfad zur felsigen Kletterwand. Eine eiserne Kette vereinfachte den Aufstieg über das nasse Gestein. Das Schlimme daran war aber nicht die Kletterpartie – die auch mit Höhenangst recht gut zu bewältigen ist – sondern die Menschenkette, die langsam zur Spitze von Mt. Warning hinaufkroch.

Mt.-Warning-3

Auf der Spitze von Mt. Warning

Irgendwie hatten wir es dann doch noch nach oben geschafft. Die beiden Aussichtsplattformen waren wie erwartet bereits gut belegt. Für einen Platz am Geländer reichte es mit ein wenig Drängeln trotzdem.
Mit Pullover und Kappe waren wir losgelaufen; nach wenigen Kilometern, einem steilen Aufstieg und hoher Luftfeuchtigkeit hatten wir uns diesen schon bald entledigt. Nun auf 1160 Metern und auf einer ungeschützten Plattform wurde es wieder kalt. Mit mehreren Schichten harrten wir die nächste halbe Stunde aus und konnten ob den leichtbekleideten Menschen um uns herum nur den Kopf schütteln. Obwohl die Aussis ziemlich kälteresistent sind, schlotterten die meisten. Und die besser ausgestatteten Europäer waren nicht besser dran. Kein Wunder, die gefühlte Außentemperatur war Dank des Windes unter 10 Grad.

Die Zeit bis zum Sonnenaufgang war mehr Tortur denn Einklang mit Natur und Ruhe. Aufgekratzte Backpacker und Austauschschüler (der Mt. Warning (Wollumbin) Nationalpark liegt in der Nähe von Byron Bay und Brisbane) kreischten und jammerten abwechselnd, Warm-up Übungen liessen die Plattform und das Stativ erzittern und die Kälte frass sich in die die Kamera umklammernden Finger.

Der wolkenverdeckte Sonnenaufgang entschädigte uns letztlich für die Kindergartenstimmung auf Mt. Warning. Etwa auf der Höhe von Brisbane kroch die Sonne am Horizont hinauf. Die Morgenröte flutete langsam die hügelige Landschaft vor uns. Immer schneller stieg die helle Scheibe hoch, bis ihre grellen Strahlen die letzten Schatten tilgten. Knall auf Fall – wie im Kino nach Ende der Vorstellung – verliessen die ersten Zuschauer das Spektakel.

Wir warteten noch, bis sich die Plattform fast geleert hatte und folgten der Menschenkette den Berg hinab. Die Kletterpassage dehnte sich fast zur Ewigkeit aus. Dafür wurde es mit jedem Schritt wieder wärmer.

Mt.-Warning-2

Mt. Warning Infos

  • Website Mt. Warning (Wollumbin) National Park: http://www.nationalparks.nsw.gov.au/visit-a-park/parks/Wollumbin-National-Park
  • Für die Besteigung des Mt. Warning rechnet der National Park Service mit zwei Stunden (nur Aufstieg, 4,4 km). Die solltest du mindestens einplanen. Nicht nur deine Kondition, sondern auch die der anderen Wanderer beeinflussen dein Vorwärtskommen.
  • Eine Taschen- oder Stirnlampe, eine zusätzliche Schicht Kleidung (Winter: Wärme, Sommer: gegen den Wind) und genügend Wasser solltest du dabei haben.
  • Unter der Woche ist es auf dem Mt. Warning weniger belebt. Vermeide – nicht so wie wir – Wochenenden und Feiertage.
  • Wir haben 45 Minuten ausserhalb des Mt. Warning (Wollumbin) National Park campiert. In unmittelbarer Nähe zum Mt. Warning gibt es einen Campingplatz. Der ist teuer und an Wochenenden ziemlich voll.

Mehr Fotos

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.