Der Dorrigo Nationalpark und vier Schweizer im Urwald

Der Dorrigo Nationalpark ist Teil der Gondwana Rainforests of Australia World Heritage Area und bietet Einblick in einen Urwald, wie er vor Millionen Jahren in Gondwana, einem Superkontinenten bestehend aus der heutigen Antarktis, Afrika, Südamerika, der Arabischen Halbinsel, Indien und Australien, zu finden war.

Unsere Erkundung des Dorrigo Nationalparks

In der Ausstellung des Dorrigo Rainforest Centre erhältst du einen guten Überblick über die mannigfaltige Pflanzen- und Tierwelt. 30 verschiedene Arten von Säugetieren, etwa 150 Vogelarten (inkl. nervige Truthähne 😉 ), und 44 Arten von Reptilien und Amphibien. Eine eindrückliche Zahl für diesen eher kleinen Nationalpark. Direkt beim Dorrigo Rainforest Centre wurde ausserdem ein Skywalk gebaut, von dem aus du eine tolle Aussicht über den Urwald hast und das Gezwitscher der Vögel geniessen kannst.

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Aussicht über Regenwald im Dorrigo Nationalpark

Der Wonga Walk führt dich direkt beim Dorrigo Rainforest Centre auf einem Rundweg durch den dichten Wald vorbei an mehrere hundert Jahre alten Bäumen, Lianen und Wasserfällen, immer begleitet vom Rufen und Gezwitscher unterschiedlichster Vögel (6,6km, 2-3 Std.).

Von der Never Never Picnic Area, etwa 10km vom Dorrigo Rainforest Centre entfernt, gibt es weitere Spaziergänge, z.B. den Rosewood Creek Track (5,5km, 2 Std.), die aber weniger spektakulär und abwechslungsreich wie diejenigen beim Dorrigo Rainforest Centre sind.

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Vier Schweizer im Urwald

Während unseres Besuchs im Dorrigo Nationalpark fiel uns ein dunkelblauer Toyota Landcruiser auf. Das Spezielle an diesem Auto? Es hatte ein Bündner Nummernschild!

Wir bemerkten den 4×4 bereits auf einem Campingplatz unweit des Nationalparks, wo er neben unserer Mitsy parkierte. Beim Vorbeigehen am Morgen sah Philippe das Schweizer Nummernschild und grüsste das Paar beim Auto mit einem „Hoi zäme“. Verdutzte Blicke, bis die heimatliche Sprache erkannt wurde und ein „Ha, guete Morge“ zurück kam. Dabei blieb es vorerst.
Später am Tag sahen wir das Auto zuerst beim Dorrigo Rainforest Centre und dann bei der Never Never Picnic Area geparkt. Es schien, als hätten wir denselben Plan für diesen Tag.

Nach einem weiteren Spaziergang durch den Urwald des Dorrigo Nationalparks an der Never Never Picnic Area kam schliesslich der Bündner, der sich als Basler herausstellte, zu uns rüber geschlendert und stellte sich als Andreas vor. Woher unser Auto diese komische Farbe hätte, wollte er wissen. Ja, unsere Mitsy ist auch ein Eisbrecher.

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Bei Bier und Chips wurden später die ersten Reisestories erzählt. Wir mit unseren sechs Monaten in Europa, vier Monaten in Südostasien und nun mit Mitsy in Australien. Kathrin und Andreas, die zu „Understatements“ neigenden Schweizer, rückten erst auf unser Nachfragen mit der ganzen Geschichte heraus. Seit über zwei Jahren waren sie bereits unterwegs. Seit April 2013 fuhren sie durch die Ukraine, Russland (Sibirien im Winter – brrr), Kasachstan, Kirgisistan, die Mongolei, Japan und nun seit elf Monaten durch Australien. Bald würde das Auto nach Südamerika verschifft werden. Vor diesem Wahnsinns-Trip waren sie schon in ihren Zwanzigern als Backpacker unterwegs, unternahmen später unter anderem eine mehrmonatige Velotour durch Zentralasien und einige weitere, nicht weniger spannende Reisen. Auf die jetzige Reise bereiteten sie sich über mehrere Jahre vor. Wenn du ihr Auto siehst, verstehst du warum. Jeder Zentimeter ist perfekt ausgenutzt, jede Schublade passt haargenau, jedes Zubehör hat seinen bestimmten Platz.

Dieser eine Abend, den wir im Dorrigo Nationalpark mit Andreas und Kathrin verbrachten, war viel zur kurz. Ihre Geschichten können Tage füllen. Glücklicherweise schreiben auch sie über ihre Reise (hier: www.die-fantastische-reise-des-froschs.ch) und wir können dort viele ihrer Geschichten nachlesen.

Beim Gespräch mit den beiden fragte ich mich: ist das der Lebenslauf von uns Reisenden? Backpacking in den 20ern, Velotour durch einen halben Kontinenten in den 30ern und dann eine mehrere Jahre lange Tour mit dem 4WD um die ganze Welt in den 40ern? Und dazwischen immer wieder arbeiten, Geld sparen und die nächste Reise vorbereiten?
Ich bin gespannt, wie unsere (Lebens-)Reise weitergeht.

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Wir waren tief beeindruckt von Andreas und Kathrin. So viele Erlebnisse, so viele Geschichten, so viele Abenteuer. Ich fühlte mich regelrecht unerfahren und weltfremd, als wir ihren Erzählungen lauschten. Aber überhaupt: was ist ein Abenteuer? Bei -30 Grad in die unendliche Weite Sibiriens zu blicken und zu hoffen, dass der Automotor nicht schlapp macht? Oder im Norwegischen Nationalpark irgendwo das Zelt aufzuschlagen und die Ruhe zu geniessen? Mit gebrochener Radgabel in einer Kasachischen Kneipe auf einen Pickup zu warten? Oder auf den eigenen vier Rädern tausende Kilometer durch Australiens vielseitige Landschaft zu kurven?

Das Abenteuer: eine mit einem aussergewöhnlichen, erregenden Geschehen verbundene gefahrvolle Situation, die jemand zu bestehen hat. (Definition aus dem Duden)

Ein Abenteuer kann aber auch ein Erlebnis sein, das sich stark vom Alltag unterscheidet und wofür man sein gewohntes Umfeld verlässt. So kann ein Fahrradausflug zum nächsten Schwimmteich oder ein Einkauf in einem fremden Supermarkt ein Abenteuer sein.

Ein moderner Abenteurer geht laut Definition auf Wikipedia keiner ernsthaften Tätigkeit nach, sondern verbringt sein Leben auf der Jagd nach Spannungsreizen, die den Adrenalinspiegel heben, die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf sich ziehen und zu einem persönlichen Bekanntheitsgrad führen sollen, so à la Felix Baumgartner (Base-Jumper und Extremsportler), Laura Dekker (Jugendliche Weltumseglerin), Ueli Steck (Extrembergsteiger).

Verstehen wir uns als Abenteuer-Reisende? Nein, ich denke nicht. Was wir machen, ist weder gefährlich noch sehr aussergewöhnlich. Obwohl wir uns jede Minute unserer Reise in einem uns ungewohnten Umfeld befinden, suchen wir nicht bewusst nach dem Abenteuer. Nicht nach Adrenalinkicks und auch nicht nach lebensgefährlichen Extremsituationen. Wir suchen auf unserer Reise vielmehr die Weite, die Ruhe, die Freiheit, neue Eindrücke, Bekanntschaften und Erlebnisse, die unser Weltbild erweitern.

Und obwohl unsere Reisebekanntschaft aus dem Dorrigo Nationalpark aus unserer Sicht sehr abenteuerlich unterwegs ist, schien es ihnen ähnlich zu gehen.

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Mehr über Andreas, Kathrin, den Frosch (ihr Maskottchen), findest du hier: www.die-fantastische-reise-des-froschs.ch

Mehr Infos zum Dorrigo Nationalpark findest du hier: www.nationalparks.nsw.gov.au

Mehr Fotos vom Dorrigo Nationalpark

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