Die zwei Seiten von Hanoi

Unsere erste Station in Vietnam hiess Hanoi. Die Hauptstadt liegt im Norden des Landes und empfing uns mit kühleren Temperaturen, als wir es uns ein paar Tage zuvor aus Thailand gewohnt waren. Eine willkommene Abwechslung.

Vor unserer Ankunft in Hanoi hatten wir in zwei deutschsprachigen Blogs darüber gelesen, wie überfordert die Autoren von der Stadt waren. Wirklich positiv haben sie deshalb nicht berichtet. Dies hat uns neugierig gemacht und wir mussten nach unserem Aufenthalt wieder einmal feststellen, wie subjektiv und individuell Reiseerlebnisse doch sind. Wir haben Gegenteiliges empfunden.

Verkehr in Hanoi

Die Stadt kann überfordern, ohne Frage. Der erste Tag fordert alle Sinne. Unzählige Motorräder und Autos brausen durch die Strassen von Hanoi. Es ist ein ohrenbetäubender Lärm. Alle hupen gleichzeitig, als würden sie vor der eigenen Fahrweise warnen. Die Gehsteige dienen als Abstellplätze für die Roller und verwandeln sich abends in mobile Restaurants. Viel Platz bleibt da nicht. Und eine Strassenüberquerung (egal ob Fussgängerstreifen oder Ampel) ist vergleichbar mit Russischem Roulette.

Tipp: Verkehrsregeln gibt es nicht wirklich. Wenn du eine Strasse überqueren möchtest, beobachte den Verkehr und fang langsam an zu laufen, sobald sich eine Lücke bildet. Schau in die Richtung der herannahenden Autos und Motorräder und bleib bei einem gleichmässigen Tempo. So können die Fahrer abschätzen, wie sie am besten um dich herumfahren. Denn: Anhalten wird keiner für dich.

Hat man sich einmal an den Verkehr gewöhnt, ist es gar nicht mehr so schlimm. Es ist faszinierend zu beobachten, wie man sich selber in Symbiose mit dem chaotischen Verkehr einfügt. Und Dank des kühleren Wetters war die Luft um einiges besser als im Moloch Bangkok.

Hanoi Verkehr

Die Stadt

Als Tourist bewegt man sich meistens im quirligen Old Town und den umliegenden Gebieten. Individualreisende machen die Mehrheit aus. Hier konzentriert sich das Leben auf sehr dichtem Raum, doch nie hatten wir das Gefühl der Enge. Woran liegt das? Die Hanoier bauen ihre Häuser hoch und schmal. Manche sind nur drei Meter breit; mehr als ein Bett passt gar nicht rein. Pro Stockwerk gibt es dann ein Zimmer, das durch eine Treppe an der Rückseite des Hauses mit den anderen Zimmern verbunden ist. Hotels und moderne Gebäude sind breiter; aber noch immer sehr schmal. Hanoi (und insbesondere Old Town) wirkt dank dieser Bauweise wesentlich kleiner, als es die acht Millionen Einwohner vermuten lassen. Dafür geht’s dann halt in die Breite. Zur kleinstädtischen Atmosphäre tragen die Bäume bei. Ganze Strassenzüge sind von einem grünen Blätterdach überzogen. Die uralten Bäume mit verwachsenen Stämmen und einem komplizierten Netzwerk aus Wurzeln bereichern überall in der Stadt das Strassenbild.

Hanoi Green Street

Die Menschen

Nord-Vietnamesen sind grober, fordernder und lauter als z.B. ihre südlichen Nachbarn oder die Thais. Gewöhnungsbedürftig war das auch für uns. Zuvor die freundlichen Thais, die nie um eine Konversation verlegen waren (trotz Sprachbarrieren), und auf einmal hörst du im Restaurant kein nettes Wort mehr (wie in Zürich ;-)). Im Flugzeug nach Hanoi drängelten sich die Leute an uns vorbei, als wäre ein Feuer ausgebrochen und wir wurden urplötzlich aus der Pagode rausgeworfen, als hätten wir den Schrein angezündet. Aber wie das halt so ist, man gewöhnt sich daran und sieht nach einer Weile die Feinheiten. Im Bus half uns unverhofft der Schaffner, wo er nur konnte und war eher besorgt, weil wir fern ab von allem aussteigen wollten. Ein Taxifahrer reduzierte den Preis, weil er das Hotel nicht finden konnte und wir ihn lotsen mussten. Ein Tourguide gab uns privat Tipps via Mail ohne finanzielle Absichten. Wir sind zum Essen (via Couchsurfing) eingeladen worden usw. Es gibt immer zwei Seiten.

Hanoi Menschen

Scams

Ganz blauäugig sollte man aber auch nicht sein. Hanoi (und Vietnam) ist berühmt für die sogenannten Tourist-Scams. Überhöhte Preise, präparierte Taximeter und nette Fremde mit Hintergedanken gibt es hier zuhauf. Man könnte ganze Bücher damit füllen. Wichtig ist aber: Es geht ums Geld. Bedrohliche Situationen sind selten. Oft ist es einfach nur nervig.

Selber haben wir es z.B. am Beispiel der Bananen-Frauen erfahren, die man an den Kegelhüten und den Stangen mit den zwei Körben erkennt. Nadine war diesmal das Opfer und trug innerhalb eines Wimpernschlags plötzlich den Hut und schulterte die Stange mit den Bananen und Ananas. Weichherzige Personen haben da keine Chance. Ich wurde von der alten Frau dazu aufgefordert ein Foto zu machen, was ich auch tat. Im Gegenzug drückte sie mir einen Sack mit zwei Bananen und Ananasstücken in die Hand. 50’ Dong wollte sie dafür. Natürlich ein lächerlicher hoher Preis. 10’ war das ganze vielleicht Wert. Ein paar böse Blicke von mir und Hundeaugen von ihr später waren wir 40’ Dong (2 CHF) los, hatten ein unerwartetes Znüni und das niederschmetternde Gefühl, wieder mal auf den Leim gegangen zu sein. UND: Wir haben einer alten Frau ein Auskommen beschert, das ihr viel mehr bedeutet, als uns in unserer westlich-privilegierter Stellung. ABER: Aus Fehlern lernt man, und fortan traten wir etwas forscher und ablehnender auf.

Mit ein bisschen Menschenverstand und vorab Recherche, z.B. auf Travelfish lassen sich viele der Scams vermeiden. Und manchmal fällt man halt rein.

hanoi Todo Scam

Der Leserfreundlichkeit geschuldet erfährst du im nächsten Blogpost, was man in Hanoi so alles machen kann.

PS Vietnamesen sind verrückt nach Hochzeiten. Je mehr Gäste, desto höher das Ansehen und desto mehr Geld kommt in die Kasse. Also nicht wundern, wenn mitten auf dem Gehsteig plötzlich ein violettes Zelt steht.

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