Daintree Nationalpark: der Besuch eines leblosen Regenwaldes

Bevor wir uns in den Daintree Nationalpark und hinauf zum Cape Tribulation aufmachten, statteten wir Cairns einen kurzen Besuch ab.

Backpacker-Himmel Cairns

Wir wurden gewarnt: in Cairns tummeln sich die Backpacker. Für viele ist Cairns der Start- oder Endpunkt ihrer Australien-Reise. Unsere kurze Fahrt durchs Innere der kleinen Stadt bestätigte dies. Das Zentrum von Cairns beschränkt sich im wesentlichen auf zwei, drei Querstrassen und die Strandpromenade. Auf dieser Fläche befinden sich einige schicke Hotels, Hostels, ein Casino, Theater und Museum, unzählige Tourenanbieter, die sich in südostasiatischer Fashion als Information Centers tarnten, Restaurants, Bars und Gelaterias. Und es wimmelte von jungem, aufgekratztem Reisevolk. Ich fühlte mich alt. Und nüchtern. Und mit Shorts, Wanderbluse und Sonnenhut viel zu praktisch gekleidet. In den Strassen und dem überfüllten öffentlichen Bad an der Promenade ging es nicht um Zweckmässigkeit, sondern darum, möglichst wenig Haut zu verbergen und ja Individualität zu zeigen. Was am Ende doch alle gleich aussehen liess.

Nach einem kurzen Spaziergang, Mittagessen und Einkäufen zog es uns wieder aus der Stadt hinaus. Entlang der Hauptstrasse in Richtung Flughafen reihten sich die Campervan-Verleiher aneinander. Hier rüsteten sich also die Jungen mit kleinen Campervans und die älteren Semester mit Wohnwagen aus.

Von Cairns aus führte uns eine gewundene Strasse entlang der Küste gegen Norden zum Daintree Nationalpark und Cape Tribulation. Nach jeder Kurve bot sich uns eine neue Aussicht auf die Küstenlinie und fast unberührte Strände.

Auf dem Weg zum Daintree Nationalpark

Auf dem Weg zum Daintree Nationalpark

Preisschock bei der Ankunft im Daintree Nationalpark

Die Einfahrt in die touristisch erschlossene Region des Daintree Regenwaldes geschieht symbolisch mit der Überquerung des Daintree Flusses. Eine Fähre führt über das (gemäss Warnschildern) Krokodil-verseuchte Gewässer. Die knapp 3-minütige (!) Überfahrt kostet 14 AUD (25 AUD hin und zurück). Weshalb man keine Brücke baut, ist uns ein Rätsel.

Entlang der kurvenreichen Strecke durch den Daintree Nationalpark nach Cape Tribulation verbergen sich hinter dichten Bäumen, Büschen und Farnen Lodges, Tee- und Eiscrème-Hersteller, Adventure-Tourenanbieter, Aussichtspunkte und Boardwalks (kurze Spaziergänge auf Holzstegen und befestigten Wegen durch die Mangroven und den Regenwald). In der gesamten Daintree Region erinnert dich alle paar hundert Meter ein Schild daran, vorsichtig zu fahren, damit du aus einem plötzlich aus dem Dickicht hervorspringenden Cassowary keinen Roadkill machst. Etliche Temposchwellen brachten den Inhalt unserer Mitsy zum Scheppern. Bei uns war die Vorsicht umsonst, wir sahen keinen Cassowary.

"Be Casso-wary" im Daintree Nationalpark

“Be Casso-wary” im Daintree Nationalpark

Eingeschränktes Naturerlebnis im Daintree Regenwald

Man gibt sich im Daintree Nationalpark Mühe, das Zusammentreffen von Menschen, Tieren und Natur so reibungs- und schadlos wie möglich zu machen. Holzstege verhindern grössere Erosionen der fragilen Böden, die zugänglichen Gebiete sind limitiert.

Mangroven im Daintree Nationalpark

Mangroven im Daintree Nationalpark

Trotzdem scheinen die Menschen die Tiere von ihrer natürlichen Umgebung vertrieben zu haben. Wir sahen ausser Moskitos, einigen wenigen Vögeln und Schmetterlingen keine Tiere. Keine Krokodile, Cassowaries, Schlangen, Frösche oder Spinnen.

Auch nicht, als wir uns auf etwas weniger ausgetretene Touristenpfade begaben und den Mt. Sorrow Ridgewalk direkt beim Cape Tribulation in Angriff nahmen. Ein teilweise steiler Aufstieg brachte uns innerhalb von 3,5km von 0 Höhenmetern auf 680. Wir benötigten für die ganze Wanderung 3 Stunden und 40 Minuten inkl. einer halben Stunde Pause beim Lookout am höchsten Punkt der Wanderung mit Ausblick über den Daintree Nationalpark und das Cape Tribulation. Der Queensland Nationalpark Service gibt übrigens 5-6 Stunden an – die Aussie-Übervorsichtigkeit, die wir von Fraser Island nur zu gut kennen, lässt grüssen.

Ausblick vom Mount Sorrow über den Daintree Regenwald

Ausblick vom Mount Sorrow über den Daintree Regenwald

Da wir früher als geplant von der Wanderung zurück beim Campingplatz waren, verbrachten wir den Rest des Tages mit Schreiben, Nachdenken über die nächsten Tage und dem Ausnützen des Campingplatzes (Duschen, Wäsche waschen). Freecamping-Möglichkeiten gibt es in dieser Gegend keine, die Ranger sind scharf und die Strafen hoch.

Daintree: check. Und jetzt?

Wir überlegten uns, weiter nördlich entlang der Küste nach Cooktown zu fahren. Mit unserer Mitsy hätten wir die 4×4-Strecke gut meistern können. Doch auf einen Umweg von 200km, nur um nach Cooktown zu gelangen, hatten wir wenig Lust. Seit dem nördlichen New South Wales verbrachten wir etliche Stunden in Regenwäldern, die zwar immer wunderschöne Naturerlebnisse boten, sich aber doch irgendwann wiederholten. Ein Baum ist ein Baum ist ein Baum. Oder nicht? Reisemüdigkeit lässt grüssen.

Der Regenwald im Daintree Nationalpark

Der Regenwald im Daintree Nationalpark

Wir fuhren stattdessen wieder nach Süden, statteten dem letzten noch unbesuchten Aussichtspunkt und Boardwalk einen Besuch ab und überquerten den Daintree Fluss.

Noch elf Tage, bis zu unserer Wanderung auf Hinchinbrook Island. Wohin trieb uns der Wind? Wir dehnten die Strecke zurück nach Cardwell, dem Ausgangsort für Hinchinbrook Island mit einem Umweg über die Atherton Tablelands und die Misty Mountains aus.

Boardwalks und Lookouts im Daintree Nationalpark (von Süd nach Nord)

Mehr Fotos zum Daintree Regenwald und Cape Tribulation

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