Canberra – Langweilig oder nicht?

Ein Besuch Canberras ist nur schon wegen ihres Rufs, die langweiligste Stadt in Australien zu sein, in Betracht zu ziehen. Hinzu kommt, dass die Hauptstadt mitten im Nirgendwo steht und am Reissbrett entworfen wurde.

Canberras Geschichte

Bei der Staatsgründung des heutigen Australiens musste eine Auswahl zur Hauptstadt getroffen werden. Die Konkurrenz zwischen Melbourne und Sydney war aber zu gross, als dass eine Stadt die andere als Hauptstadt akzeptiert hätte. Also setzte man auf das Modell „Washington D.C., USA“. Mitten im Nirgendwo, aber nicht wirklich auf halber Strecke gelegen, bestimmte man Canberra als neue Hauptstadt. Ein Standortvorteil war, dass es dort praktisch nichts gab. Das ganze Baugewerbe in Australien musste sich damals wie im Goldrausch gewähnt haben. Jedenfalls schrieb die Regierung einen Architekturwettbewerb für eine neue Planstadt aus. Der Amerikaner Walter Burley Griffin gewann mit seinem kühnen Entwurf. Wie es bei solch grossen Bauprojekten nicht unüblich ist, quittierte er seinen Job nach einer Weile – blieb aber in Australien, – und Architekten im Staatsdienst übernahmen. Canberra schaute dann ein wenig anders als auf Papier aus. Lediglich eine Brücke stammte aus der Feder von Burley Griffin und der See wurde posthum nach ihm benannt.

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Canberra im Hier und Jetzt

In ihrer ganzen Geradlinig- und Rechtwinkligkeit präsentierte sich uns Canberra mit einem Hauch Gigantismus und Grössenwahn.

Anfangen können wir gleich mit einem jüngeren Beispiel. Das neue Parlament ersetzte 1988 das Alte Provisorium, das für die vorherigen 61 Jahre herhalten musste. Für den Bau trug man gar einen Teil des Capitol Hills ab, um die Erde später dann wieder drüber zu schütten. Heute laufen die Besucher auf einem perfekt getrimmten Rasen über das Dach des Parlaments. Mit Baukosten von 1,1 Mia AUD wurde es dann ein bisschen teurer als gedacht. Dafür gab es einen 200 Tonnen schweren und 81 Meter hohen Flaggenmast.

Andere Gebäude in der Stadt übertrafen sich lediglich in ihrer Eintönigkeit oder ihrem klotzigen Äussern. Ein positiver Nebeneffekt des städteplannerischen Gigantismus sind die Grünflächen. Wahrscheinlich beschäftigt die Regierung mehr Grünflächenpfleger als andere Angestellte, aber die Parks sind wirklich schön.

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Autostadt Canberra

Canberra ist ein Netzwerk aus Highways, Parks und ein paar Fahrradstreifen. Für Fussgänger hat es keinen Platz. Wagt man sich als Fussgänger doch aus dem Haus, wartet man sich entweder an hunderten Lichtsignalen zu Tode, oder wird mangels Fussgängerstreifen überfahren, oder wird auf Fahrradwegen überfahren, oder verirrt sich. Wer all diese Hindernisse dennoch überlebt, geht an den Distanzen zu Grunde.

Entscheidet man sich für das Auto, drohen andere Gefahren. Neben der wahrscheinlich dichtesten Polizeipräsenz im Lande drohen im Zentrum und Parliamentary Triangle überteuerte und zeitlich beschränkte Parkplätze mit Herzversagen. Wer nach gratis Parkplätzen sucht, kann gleich verrückt werden.

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Canberra National

Canberra als Hauptstadt versammelt praktisch alles Nationale. Verbände, Organisationen, Hauptsitze, Botschaften, Kammern und staatlichen Betriebe. An die Anzahl Anzugträger reichen wohl nur jene aus Sydney und Melbourne heran. Aber nicht nur schleimige Politiker, die nichts anderes tun als Politiker zu sein, und Lobbyisten von „Kohle Gas und Minen & Co“ sind hier anzutreffen. Neben der ganzen Bürokratie haben sich auch die Wissenschaft und die Nationale Universität hier angesiedelt. Während den Semesterferien und insbesondere der Weihnachtszeit wird es ziemlich leer in Canberra.

Unser Canberra Fazit

Canberra gehört zwar nicht zu den spannendsten Orten, doch ist es der perfekte Ort, um alles über Geschichte und Politik von Australien zu erfahren. Wer z.B. in Sydney weilt, sollte den 200 Kilometer Abstecher unbedingt wagen.

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Kostenlos in Canberra

Die meisten besuchenswerten Orte in Canberra befinden sich im Parliamentary Triangle. Das Schlüsselloch förmige Gebiet umfasst die wichtigsten Gebäude in Australien wie Parlamentsgebäude, Ministerien, Galerien und Museen.

Parliaments House

Ein Spaziergang auf dem mit Gras überwachsenen Gebäude bietet einen guten Ausblick auf die Umgebung. Wer reingehen möchte, kann dies natürlich auch tun.

Old Parliamentshouse („Provisorium“)

Die Ausstellung zur politischen Vergangenheit Australiens und Einsicht in die alten Räumlichkeiten der Präsidenten und dessen Büros ist sehr spannend.
Im Untergeschoss gab es gerade eine Ausstellung mit satirischen Comics zur aktuellen Politik und Politikern.
Auf der Grünfläche vor dem Haus steht seit 1972 die Aboriginal Tent Embassy, die inoffizielle „Zelt-Botschaft“ der Aborigines. Mehr dazu hier.

Eintritt: 2 AUD für Erwachsene, 1 AUD Studenten

Canberra teilt sich mit Melbourne die besten Galerien und Museen im Land.

National Gallery

Kunst in allen Formen

National Portrait Gallery

Diese Gallerie stellt Portraits auf verschiedenen Medien wie Fotos, Gemälde und Skulpturen aus.

– Die wichtigsten Australier sind hier mit Kurzbiografie und Portrait versammelt. Geschichtsstunde und Kunst in einem.

– The National Photographic Portrait Prize. Der jährliche Wettbewerb stellt die besten Bilder aus.

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National Museum

National Library of Australia

Gratis Wifi! 😉

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Questacon

Technikmuseum

 

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