5 Tipps zur Outdoor Frauenhygiene

Als Frau kam ich schon öfters in die Situation, auf die Toilette gehen zu müssen, wo es keine gab. Männer haben da ganz klar einen Vorteil. Für Frauen ist es einiges mühsamer und bedingt manchmal auch etwas Kreativität. Dieses Problem ist jedoch nur ein kleiner Teil der Outdoor Frauenhygiene.

Obwohl Outdoor Frauenhygiene ein sehr wichtiges Thema bei Aktivitäten wie Wandern, Camping, Klettern, Radfahren, etc. ist, wird es oftmals vernachlässigt. Also versuche ich dir, weibliche Leidensgenossin ;), mein gesammeltes Wissen und Können über Outdoor Frauenhygiene zu vermitteln.

→ Falls du ein Mann bist und dein Partner weiblich ist, dann schick ihr bitte diesen Beitrag. Ich bin sicher, sie wird erfreut sein darüber, wie sehr du dich um dieses Thema bemühst.

5 Tipps zur Outdoor Frauenhygiene

Outdoor Frauenhygiene Tipp I: Sauber bleiben

Das Schönste, was nach einem anstrengenden Wandertag im Schwedischen Lappland auf dich warten kann, ist eine Holzofen-Sauna neben einem kalten Fluss. Ich versichere dir, es ist die beste Erholung, die du kriegen kannst. Und du wirst dich nie wieder so sauber und frisch fühlen.

Aber leider endet nicht jeder Outdoor Tag so. Es folgt also mein erster Ratschlag bezüglich Outdoor Frauenhygiene: Sauber bleiben.

Im unglücklichen aber wahrscheinlichen Falle, dass keine Sauna auf dich wartet, solltest du trotzdem dein Gesicht, deine Achseln, Füsse und Intimzone regelmässig waschen, am besten täglich. Schweiss, Dreck, Sonnencrème, Insektenspray von deiner Haut zu entfernen, ist nicht nur empfehlenswert, um deinen Geruch unter Kontrolle zu halten, sondern auch um eine gesunde Haut beizubehalten.

Ich weiss, dass es draussen kalt ist. Ich weiss, dass das Wasser womöglich noch kälter ist. Aber stell dir vor, wie herrlich es sich anfühlt, sauber und frisch anstelle von schlammig und klebrig in deinen Schlafsack zu schlüpfen.

LEAVE NO TRACE

Wasch dich immer mindestens 60 Meter (80 Schritte) entfernt von Wasserquellen und benutze nur eine minimale Menge biologisch abbaubarer Seife. Wasch dich auch vor einem Sprung in einen Fluss oder See, da Sonnencrème, Insektenspray und Körperöle natürlichen Wasserquellen grossen Schaden zufügen.

Deine Intimzone sauber zu halten ist speziell wichtig bei der Outdoor Frauenhygiene. Es kann dich vor irritierter Haut, bakteriellen Infektionen, und anderen unangenehmen Dingen bewahren.

Vielleicht bevorzugst du einen Waschlappen, aber du kannst dich auch gut mit Wasser und deinen Händen waschen (desinfiziere sie vorher und nachher!).

Hier ist ein Beispiel, wie du dich waschen kannst:

  1. gehe in die Hocke,
  2. nimm eine Flasche Wasser in deine rechte (oder linke) Hand
  3. und lass das Wasser langsam über deine andere Hand laufen.
  4. Wasch dich, als wäre deine Hand ein verlängerter Duschkopf.

Verwende biologisch abbaubare Seife (z.B. von Dr. Bronner LINK) und verwende nur eine minimale Menge. Wenn du fertig bist, wechsle in eine frische Unterhose und wasch die Gebrauchte; bis zum nächsten Waschgang hat sie genügend Zeit zum Trocknen.

Ich kann nicht genügend betonen, wie wichtig es ist, deine Intimzone sauber zu halten. Insbesondere wenn du anfällig auf bakterielle Infektionen, wie z.B. eine Blasenentzündung bist. Um das Risiko einer Blasenentzündung weiter zu verringern, nimm genügend Flüssigkeit zu dir.

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Outdoor Frauenhygiene Tipp II: In der Natur (korrekt) auf die Toilette gehen

Wenn du in der Natur auf die Toilette gehst, gibt es einen wichtigen Grundsatz: Hinterlasse keine Spuren. Leave no trace. Wenn du nur „klein“ musst, brauchst du kein Toilettenpapier. Wirklich. Benutz einen sog. „Pee Rag“ (einen Stofflappen), um die Bakterien, die in deine Unterhose gelangen, gering zu halten. Nimm ein Stück Baumwollstoff, z.B. von einem alten T-Shirt, schneide dir ein Stück zurecht (20x20cm genügt), und benutze es als dein neues wiederverwendbares Toilettenpapier. Ich weiss, es hört sich eklig an. Aber glaube mir: es funktioniert und ist wahrscheinlich nicht unhygienischer als Toilettenpapier, das neben deiner WC-Schüssel hängt und bei jedem Spülgang einen Sprühnebel aus Bakterien abkriegt.

Femine-Hygiene-Pee-Rag

Outdoor Frauenhygiene: mein Pee Rag am Rucksack

Solange du den Pee Rag ausserhalb deines Rucksacks hast (befestige ihn irgendwo an einer Schlaufe des Rucksacks, weg von Essen und Wasserflaschen), wird er von der Sonne getrocknet und die UV-Strahlen töten die Bakterien nach jeder Benutzung ab. Ausserdem solltest du den Pee Rag regelmässig (abhängig von der Häufigkeit der Nutzung) gründlich mit Wasser waschen.

Ah, und vielleicht hast du schon mal Urinellas (Female Urination Funnels, Urinierhilfen für Frauen) gesehen, die es Frauen ermöglichen, wie Männer zu urinieren: im Stehen, ohne die Hosen ausziehen oder den Rucksack ablegen zu müssen. Ich sah diese Silikon-Trichter schon in einigen Outdoor-Läden, habe aber noch nie einen benutzt. Falls du schon mal einen benutzt hast und du denkst, dass sie eine der grossartigen Erfindungen der Outdoor Industrie sind, und dass sie ihr zusätzliches Gewicht tatsächlich rechtfertigen, dann bitte, lass es mich und andere Leser in einem Kommentar wissen.

Anyway, falls du draussen ein “grösseres Geschäft” verrichten must, gibt es, wie vorher erwähnt, etwas, das du nie (nie!) vergessen darfst: leave no trace.

LEAVE NO TRACE

Falls es eine Toilette hat, benutze sie! Falls es keine Toilette hat, benutze eine Schaufel (wir verwenden einen Titatnium Deuce Scoop) und vergrabe sämtliche Ausscheidungen mindestens 15cm tief und 60 Meter (80 Schritte) entfernt von Wasserquellen, Camps und Wegen. Du solltest benutztes Toilettenpapier mitnehmen oder dem Goldstandard folgen und anstelle von Toilettenpapier natürliche Objekte benutzen 😉
Femine Hygiene-Titanium-Shovel

Outdoor Frauenhygiene: der Titatnium Deuce Scoop

Und vergiss nie, danach deine Hände zu waschen und zu desinfizieren. Dein Partner wird dir sicher assistieren und dir Wasser über die Hände giessen und das Desinfektionsmittel reichen.

→ Natürlich gelten diese Tipps für Frauen und Männer. Bring jedes Gruppenmitglied dazu, diesen Standards zu folgen.

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Outdoor Frauenhygiene Tipp III: Umgang mit der Menstruation

Tante Rosa zu Besuch haben, die Tage haben, die rote Karte ziehen, die Regel haben, die Periode haben, Menstruation… Viele Ausdrücke um eine nervige, unschöne Sache zu beschreiben, die uns Frauen jeden Monat heimsucht. Es ist ein essentielles Thema der Outdoor Frauenhygiene.

Also, da wir sie nicht verhindern können, ist die Frage: Wie können wir die Sauerei und das Unbehagen während der Menstruation auf das Minimum reduzieren?

Es gibt Tampons und Einlagen, die offensichtlichen Produkte. Aber es gibt auch – und das ist meine Wahl, egal ob ich draussen oder drinnen bin – die Menstruationstasse oder Menstrual Cups (LadyCup). Diese sind aus Silikon und es gibt sie in verschiedenen Grössen, Formen und (am wichtigsten) Farben! 😉

Es gibt einige Hersteller und Anbieter für Menstruationstassen, die sie meist übers Internet verkaufen. Vielleicht findest du sie aber auch in deiner Apotheke. Such im Internet danach, vergleiche Preise und schau, welcher Online Shop in dein Land liefert.

Femine-Hygiene-Ladycup

Outdoor Frauenhygiene: eine Menstruationstasse

Eine Menstruationstasse hat einige Vorteile:

  • Sie ist relativ einfach zum Benutzen.
  • Sie ist leicht.
  • Sie reduziert Abfall = sie ist umweltschonend.
  • Sie kann bis zu 12 Stunden „drin“ bleiben, je nach dem wie stark deine Blutungen sind.
  • Sie ist nicht teuer. Sie kostet etwa gleich viel wie einige Standard-Packungen Tampons und kann monate- wenn nicht jahrelang benutzt werden.
  • Ausserdem musst du nie wieder darüber nachdenken, ob du genügend Einlagen oder Tampons mit dabei hast oder wo du nächstes Mal welche kaufen kannst.

Während du die Menstruationstasse nutzt, kannst du ihn mit Toilettenpapier reinigen, ab und zu mit Wasser ausspülen und ihn danach wieder verwenden. Nach jedem Zyklus solltest du ihn gründlich reinigen, entweder indem du ihn 3 Minuten lang in kochendem Wasser sterilisierst, oder mit Desinfektionsmittel oder -tüchern reinigst.

Falls du vor/während der Menstruation Medikamente zu dir nimmst, um Schmerzen und Krämpfe zu behandeln, vergiss nicht, diese zu deinem Outdoor Abenteuer mitzubringen. Mit Bauchkrämpfen wandern ist nicht schön.

Übrigens: Falls du eine Fernwanderung beginnst, andere anstrengende Aktivitäten aufnimmst oder an einen einschneidenden Wechsel in deinem Lifestyle vornimmst, der eine Anpassung deines Körpers erfordert, kann es vorkommen, dass deine Menstruation für Wochen oder sogar Tage ausbleibt. Dies kann passieren und ist meist nichts Beunruhigendes. Konsultiere eine/n Gynäkologen/-in, um sicher zu gehen. Denn natürlich könnte es auch andere Gründe für das Ausbleiben der Menstruation geben, wie z.B. Eisenmangel. Mach einen Test, falls du eine Schwangerschaft vermutest (siehe nächster Tipp).

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Outdoor Frauenhygiene Tipp IV: Umgang mit der Verhütung

Nicht wirklich ein Thema für Outdoor Frauenhygiene, aber es lohnt sich trotzdem, darüber nachzudenken. Es gibt unzählige Verhütungsmethoden. Kondome, Pillen, Vaginalringe, Spiralen, etc.

Wenn du zu einer Fernwanderung oder einem anderen langfristigen Vorhaben aufbrichst, beachte die üblichen Kriterien der Verhütungsmethoden:

  • Sicherheit
  • Gewicht
  • Handhabung
  • Komfort
  • Kosten (falls du ins Ausland gehest, erkundige dich nach dem Preis und der Verfügbarkeit)

Gewiss, ich bin keine Gynäkologin. Aber ich kann aus Erfahrung sprechen. Und du weisst bestimmt bereits, dass jede Verhütungsmethode ihre Vor- und Nachteile hat.

Die Verhütungsmethoden, bei denen du dir am wenigsten Gedanken machen musst, kein Gramm in deinem Rucksack tragen musst, und um die du dich am längsten nicht kümmern musst, sind ein etonogestrelhaltiges Implantat („Stäbchen“) oder eine Spirale. Beide sind zwar etwas teuer zum einsetzen lassen, dafür wirst du für drei bis fünf Jahre keine zusätzlichen Kosten haben. Mach dir also die Rechnung.

Wie auch immer, Kondome sind immer die sicherste (bezüglich Krankheiten) und sauberste (bezüglich der fehlenden Dusche) Variante.

→ Ich rate dir, eine/n Gynäkologe/n zu konsultieren, bevor du etwas an deiner Verhütungsmethode änderst.

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Outdoor Frauenhygiene Tipp V: Die beste Unterwäsche finden

Die erste und wichtigste Entscheidung, die du bezüglich deiner Unterhosen für Outdoor Aktivitäten treffen musst, ist deren Material:

  • Baumwolle
  • Synthetik
  • Merinowolle
  • Bambus

Die wichtigsten Kriterien für das Material deiner Unterhosen sollten sein:

  • es trocknet schnell
  • es ist atmungsaktiv
  • es hat einen guten Feuchtigkeitstransport (Bakterien lieben feuchte Umgebungen)
  • es reduziert Gerüche

Bezüglich Geruchsreduktion empfehle ich Merinowolle. Aber Synthetik trocknet viel schneller als Merino, also ist tägliches Auswaschen kein Problem. Baumwolle ist nicht ideal, wenn es um den Feuchtigkeitstransport geht, und sie dauert lange zum trocknen, was das Wachstum der Bakterien fördert. Ich habe ehrlich gesagt Bambus-Unterwäsche noch nie ausprobiert. Sie werden mit ähnlichen Eigenschaften wie Merinowolle vermarktet.

Ich benutze leichte und günstige Synthetik-Unterhosen sowie Merino-Unterhosen von Icebreaker (Icebreaker Sprite Hot Pants).

LEAVE NO TRACE

Wasche deine Unterwäsche und andere Kleidung immer mindestens 60 Meter (80 Schritte) entfernt von Wasserquellen und benütze nur eine minimale Menge biologisch abbaubarer Seife.

Wenn du nach einem passenden BH suchst, stelle sicher, dass er atmungsaktiv, feuchtigkeitstransportierend und bequem ist, vor allem wenn du einen Rucksack tragen wirst. Zu dicke Träger, Säume und Häkchen könnten zu Druckschmerzen führen.

Ich benutze den Under Armour Eclipse Bra und kann ihn weiterempfehlen.

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Dies waren meine Ratschläge und Empfehlungen zur Outdoor Frauenhygiene. Ich habe beim Schreiben zu diesen Themen aus eigener Erfahrung geschöpft. Solltest du diese Ratschläge anwenden, tust du dies auf dein eigenes Risiko. Aber ich hoffe, dass dir meine Empfehlungen dabei helfen, deine Outdoor Abenteuer angenehmer zu machen.

Mehr über die Leave No Trace Prinzipien findest du hier.

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Komplimente, Kritiken, Fragen, weitere Tipps? Schreibe einen Kommentar.

2 Comments

  • SM sagt:

    Liebe Nadine, vielen Dank für deine offenen Tips zu dem Thema!
    Ich finde, du hast alle Aspekte abgedeckt und es hilft mir sehr bei meiner weiteren backpacking Planung 🙂
    Die Idee vom “pee rag” ist etwas gewöhnungsbedürftig, aber ich glaub, ich werde es ausprobieren.
    LG,
    S

    • Nadine sagt:

      Danke! Ja es braucht zu Beginn Überwindung, einen Pee Rag zu nutzen und dann einfach am Rucksack rumbaumeln zu lassen. Aber ich möchte ihn nicht mehr missen! Liebe Grüsse, Nadine

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